Justin Bieber - ist wie ein Schokoriegel: Für die einen ist es eine Doku - für die anderen der wahrscheinlich tollste Film der Welt. Für die einen stellt sich die Frage, ob eine Doku fürs Kino taugt - für die anderen ist es die Erfüllung ihrer Wünsche. Für die einen ist es eine solide gemachte Dokumentation - für die anderen der Stoff aus dem die Träume sind, egal ob 3D/2D Hauptsache JB!
Die Menschheit lässt sich in 3 Gruppen einteilen. Die einen sind in der Mehrzahl junge Damen beliebigen Alters, die jede Twittermeldung von JB sofort auf Facebook ihren 253 engsten Freundinnen weiterleiten und die seit Neustem eine Jasmine-Villegas-Voodoo-Puppe mit einer gehörigen Anzahl spitzer Nadel im Hintern zuhause haben. Die zweite Gruppe sind in der Mehrzahl junge Herren, die es nicht mehr fassen können, dass schon wieder über Facebook geposted wird, dass JB gerade getwittert hat und allen jungen Damen (siehe oben) das gefällt. Auch diese Herren haben eine Voodoo-Puppe zuhause, nur dass diese männlich mit lila Klamotten, blauen Augen und Föhnfrisur ausstaffiert ist. Tja und dann gibt es da noch die dritte Gruppe - ohne Voodoo-Puppen und - wenn nicht mit Mitgliedern der Gruppen 1 oder 2 in direkter Linie verwandt - total überfordert mit Namen wie Justin Bieber und Jasmine Villegas.
Fangen wir mal ganz nüchtern und technisch an: Die visuelle Umsetzung ist zeitweise etwas gewöhnungsbedürftig, da zwischen 3D und älteren 2D Beitragsteilen gewechselt wird. Nachdem die betagteren der verwendeten Filmchenteile teilweise minderer Qualität sind, ist das Endergebnis in der Bildqualität sehr unterschiedlich. Das wirkt unruhig und lenkt anfangs ab. Vermutlich wäre der Film insgesamt runder, wenn er durchweg in 2D gehalten wäre. Merke: 3D muss nicht zwingend ein Qualitätsmerkmal sein. Wenn es nicht gut gemacht ist, dann ist es nur eins, nämlich teurer für die Zuschauer.
Aber: Der Film ist gelungen geschnitten. Der Wechsel zwischen Mitschnitten aus dem Konzert im New Yorker Madison Square Garden und dem unglaublichen Weg von Justin bis nach New York und dem innerhalb von etwas über 20 Minuten ausverkauften Konzert zieht in seinen Bann. Gibt es Szenen, in welchen Justin direkt interviewt wird oder direkt etwas von sich erzählt? Fehlanzeige. Man erfährt in der Doku eher, wie ihn Dritte wahrnehmen, wie sich JBs Kariere in der Drittwahrnehmung entwickelt hat. Ein Eindruck wie Justin Behind the Scenes tatsächlich ist, wie er seine Tage verbringt, erhält der Zuschauer damit nur bedingt. Dafür springt der Film zu sehr, was aber zu einer gewissen Lebendigkeit führt.
Positiv ist, dass sich die Doku nicht unbeschränkt ernst nimmt. Die Slow-Motion-Sequenz, in der JB seinen Kopf mit der Haartolle wie in der besten Haarstudiowerbung hin und herschwenkt, zeugt von einer gehörigen Portion Selbstironie (auch wenn diese vom Regisseur kommen mag).
Es ist schon beeindruckend, was Justin Bieber in seinem Alter erreicht hat. Irre, welchen Bekanntheitsgrad er schon hat, dass er sich hunderte von Instrumenten selbst beigebracht hat (na gut, es sind glaub ich nur 4). Krass, dass jeder befragte weibliche Fan glaubhaft verkündet, dass er (also sie) Justin liebt und selbstverständlich heiraten wird. Befremdlich, dass gezeigt wird, dass vor jedem Essen und jedem Konzert mit allen Umstehenden zusammen gebetet wird - muss das sein in einem Film, den schwerpunktmäßig (beeinflussbare?) Jugendliche ansehen? Krass dass ein jetzt 17-jähriger bereits eine Doku über sein Leben hat. Es wird wohl nicht die letzte über Justin bleiben.
JB -Never say Never hat drive. Auch wenn der Halsentzündungs-Spannungsbogen etwas flach ist - für die Fans der Gruppe 1 ist sowieso klar: den Film wird man sich zumindest 4-mal am ersten Kinowochenende ansehen. Für alle anderen ist es ein kurzweiliger Lehrfilm über ein Zeitphänomen.