Zwei attraktive Frauen in einer Geschichte aus Obsession und Abhängigkeit gefangen. Das ist The Roommate. Sara, das Landei aus Iowa, kommt in die große Stadt, um zu studieren. Prompt trifft sie auf eine reiche durchgeknallte Göre, die ihre Zimmergenossin wird. Zunächst ahnt Sara aber nicht, welchen Wahnsinn diese verbirgt. Gute Hübsche, gegen böse Hübsche, so ließe sich das verkürzt auch zusammenfassen. Und da den Machern nicht mehr einfiel, als das elegisch langgezogen auszuwalzen, ohne dass sich eine nennenswerte Handlung einstellt, vermag der Film kaum ernstlich zu berühren.
Eigentlich läuft es für Sara (Minka Kelly) ziemlich gut. Sie ist gerade von Iowa an den Campus der Universität von Los Angeles gezogen, um Design zu studieren. Kaum angekommen, freundet sie sich auf dem Flur des Studentenwohnheims mit dem Partygirl Tracy (Aly Michalka) an und landet gemeinsam mit ihr gleich darauf auf einer Verbindungsparty. Es dauert nicht lange und sie flirtet dort angeregt mit Stephen (Cam Gigandet), dem Drummer der Band, die auf der Party für Stimmung sorgt. Als sich dann ihre Zimmergenossin Rebecca (Leighton Meester) auch noch als ein echt netter Mensch herausstellt, steht einer wunderbaren Zeit an der Uni nichts mehr im Weg. Solange zumindest, wie Rebecca noch nicht ihr wahres Gesicht gezeigt hat.
The Roommate beginnt wie eine der üblichen College-Geschichten, die sich im Grunde um die letzte halbwegs unbekümmerte Phase im Leben, vor dem endgültigen Erwachsenwerden drehen. Tatsächlich plätschert die Handlung aber fast eine Stunde relativ belanglos vor sich hin. An der Seite der Protagonistin erlebt man solche inszenatorischen Highlight wie die wiederholten Anrufe von Saras Ex-Freund, der sie nicht vergessen kann, oder wie sie sich in den Drummer Stephen verliebt und die beiden elendlich lang keusch-prüde umeinander herum turteln. Das einzige Element, was für Spannung sorgen könnte, ist die schleichende Veränderung Rebeccas - von der Zimmergenossin, zur besten Freundin, bis hin zum psychotischen Maniac, der von Sarah "besessen", nicht mehr von ihr lassen will.
Dass solch ein Prozess in der Realität nicht von Heute auf Morgen vonstattengeht, ist nachvollziehbar; im Film darf dennoch die Zeit gestrafft werden, insbesondere, wenn so gut wie keine nennenswerte Nebenhandlungen existieren und sich fast alles auf die Situation zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen konzentriert. Rein strukturell wirkt der Film damit schlecht ausbalanciert: Während die Disposition und die Einführung der Figuren im Schnelldurchlauf geschieht, dehnen sich die folgenden Entwicklungen wie zäher Sirup und zum Finale hin fehlt die notwendige Zeit, die Entwicklungen hinreichend wie logisch herzuleiten.
Schlimmer als das ist aber, dass die Figuren in The Roommate allesamt wie makellose Abziehbilder aus Hochglanzmagazinen aussehen. Diese amerikanisch-typische Fokussierung aufs rein Äußerliche mag für den dortigen Markt ein notwendiges oder gar gewolltes Übel sein, macht es aber relativ schwer, Geschichten mit Substanz zu erzählen oder echte Emotionen zu transportieren. Daran krankt es in diesem Film auch augenscheinlich: Da mag sich beispielsweise die durchgeknallte Rebecca vom Schlimmen zum Schlimmsten verändern und wirklich fiese Dinge in ihrer Obsession Sarah gegenüber tun, doch selbst ein eiskalter Mord vermag kaum zu berühren; zu hölzern wirkt das alles.
Rein handwerklich kann man dem Film hingegen nicht viel vorwerfen. Weder der visuelle Stil, noch die Wahl der Perspektiven, Kamerafahrten und selbst der Soundtrack sind nicht ernstlich zu bemängeln. Das allein vermag allerdings keine Wunder zu vollbringen. Bei Charakteren, die nicht über ihren stereotyp-klischeebeladenen Horizont hinauswachsen, verpampt schlussendlich dennoch alles zu einem geschmacksarmen Einheitsbrei, dem es an Atmosphäre, Dichte und Spannung mangelt und kaum dazu einlädt, sich das alles im Kino anzutun.