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Mütter und Töchter

(Mother and Child, 2009)

Dt.Start: 28. April 2011 Premiere: 14. September 2009 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 125 min Land: USA, Spanien
Darsteller: Naomi Watts (Elizabeth), Annette Bening (Karen), Kerry Washington (Lucy), Jimmy Smits (Paco), Samuel L. Jackson (Paul), S. Epatha Merkerson (Ada), Cherry Jones (Schwester Joanne), Elpidia Carrillo (Sofia), Shareeka Epps (Ray), David Morse (Tom), Eileen Ryan (Nora), Amy Brenneman (Dr. Eleanor Stone), David Ramsey (Joseph), Brittany Robertson (Violet), Lisa Gay Hamilton (Leticia)
Regie: Rodrigo Garcia
Drehbuch: Rodrigo Garcia


Inhalt

Karen wurde als Teenager Mutter und gab ihre Tochter Elisabeth weg. Obwohl sich Mutter und Tochter dadurch nie trafen, beeinflusst diese Adoption das Leben beider Frauen nachhaltig. Das Paar Lucy und Joseph wünscht sich ein Kind, doch es klappt nicht, da die junge Lucy kein Kind bekommen kann. Die Schicksale unterschiedlicher Menschen werden durch das Motiv der Mutterschaft miteinander verbunden und die Wege dieser Menschen kreuzen sich auf schicksalhafte Weise.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Mütter und Töchter hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 82%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Thomas Brendel
Mütter und Töchter hat eine Wertung von 82%
Der emotional einnehmende Episodenfilm des Kolumbianischen Regisseurs Rodrigo García über das Seelenleben dreier Frauen, überzeugt durch die großartigen Darbietungen seiner Hauptdarstellerinnen Annette Bening und Naomi Watts und geht aufgrund seiner realistischen Atmosphäre und bedrückenden Grundstimmung unter die Haut.

Bild aus Mütter und Töchter Rodrigo García, Sohn des mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichneten Schriftstellers Gabriel García Márquez, Entwickler der Fernsehserie In Treatment - Der Therapeut und Regisseur von Filmen wie Gefühle, die man sieht... und Nine Lives, kreierte mit seinem vierten Werk als Drehbuchautor und Regisseur erneut einen äußerst intensiven Episodenfilm. Aufbau und Grundton erinnern ein wenig an die Filme von Alejandro González Inárritu (Babel, Biutiful), der hier als ausführender Produzent tätig war. Mütter und Töchter hebt sich allerdings insofern vom klassischen Episodenfilm ab, als dass er mehr ist als nur eine geschickte Verflechtung verschiedener Handlungsstränge. Garcías Film erzählt nicht mehrere, ineinander verwobene Geschichten, sondern schildert die verschiedenen Facetten einer großen, übergeordneten Geschichte und dies nicht des reinen dramaturgischen Effekts wegen, sondern vielmehr um ihrer emotionalen Komplexität gerecht zu werden.

Karen ist eine sehr verschlossene, unverheiratete und kinderlose Physiotherapeutin, die sich nach Feierabend um die Pflege ihrer abweisenden Mutter kümmert. Wir erfahren, dass Karen als Teenager ungewollt schwanger wurde und ihr Baby auf Druck ihrer Mutter zur Adoption freigab. Ein Verlust, der ihr gesamtes Leben von diesem Zeitpunkt an prägte. Elizabeth hingegen ist eine unterkühlte, erfolgreiche junge Anwältin, die scheinbar völlig entwurzelt immer wieder Städte und Arbeitsplätze wechselt. Unfähig jegliche Bindungen einzugehen, verbringt sie ein Leben in emotionaler Isolation. Der Zuschauer erfährt sehr rasch den Grund für Elizabeths Lebensstil: Sie wurde als Baby zur Adoption freigegeben, hat ihre leiblichen Eltern nie kennen gelernt. Mütter und Töchter macht keinen Hehl daraus, in welcher Beziehung die beiden Protagonistinnen des Films zueinander stehen. Anstatt auf einen Überraschungseffekt im Laufe des Films zu setzen, spielt García von Beginn an mit offenen Karten, was der emotionalen Tiefgründigkeit des Films und seiner Figuren gut tut.

Komplettiert wird das Ensemble durch eine dritte Hauptfigur. Die zurückhaltende Konditoreibesitzerin Lucy, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ein Baby. Da sie und ihr Mann jedoch keine Kinder bekommen können, wenden sich die beiden an eine kirchliche Adoptionsagentur. Dort treffen sie auf ein junges, schwangeres Mädchen, welches ihr Baby abgeben möchte, jedoch sehr konkrete Vorstellungen von der künftigen Pflegefamilie hat. García ergänzt seinen kleinen Mikrokosmos von Müttern und Töchtern um einige weitere bereichernde Nebenfiguren, wie beispielsweise Karens Haushaltshilfe Sofia und deren kleine Tochter, die beide offensichtlich ein besseres Verhältnis zu Karens pflegebedürftigen Mutter haben, als diese selbst. Auch wenn Garcías Film von einer Vielzahl von Charakteren bevölkert wird, liegt der Fokus klar auf der detaillierten Zeichnung des Innenlebens seiner Hauptfiguren. Die Nebenhandlungen vervollständigen jedoch das Gesamtbild durch weitere interessante Aspekte der Mutterschaftsthematik.

Getragen wird der Film vor allem durch seine hervorragenden Hauptdarstellerinnen. Annette Bening (The Kids Are All Right) liefert als resolute, verschrobene und im Verlauf der Geschichte zunehmend verletzlichere Karen eine intensive und emotional einnehmende Darbietung ab. Nicht minder überzeugend ist Naomi Watts (21 Gramm) in ihrer anfangs weniger vielschichtig erscheinenden Rolle. Dass Kerry Washington im Vergleich zu ihren beiden Kolleginnen ein wenig abfällt, liegt weniger an ihr, als an der Tatsache, dass ihrer Figur eine eher untergeordnete Rolle zukommt. Hier merkt man deutlich, dass dieser Handlungsstrang in der ursprünglichen, ersten Fassung des Drehbuchs nicht vorgesehen war. Die Männer spielen in Mütter und Töchter wenig überraschend nur eine Nebenrolle. Dies hielt García allerdings nicht davon ab, sie mit großartigen Schauspielern wie Samuel L. Jackson, Jimmy Smits und David Morse zu besetzen. Diese revanchierten sich mit durchwegs soliden Vorstellungen.

Aufgrund seiner Ernsthaftigkeit und durchgehend melancholischen Grundstimmung, die nur sehr wenige aufmunternde Momente zulässt, ist Mütter und Töchter alles andere als ein Feel-Good-Film. García schuf mit seinem gefühlvollen Seelenportrait dreier Frauen einen realistischen, aber auch deprimierenden Film, welcher aufgrund seiner eindringlichen Atmosphäre unter die Haut geht.



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