Zwei hoch attraktive Frauen miteinander im Bett: Regisseur Julio Medem (Lucia und der Sex) nimmt in Room in Rome diesen feuchten Traum heterosexueller Männer zum Ausgangspunkt für sein Erotikdrama - und fügt ihm fernab der sinnlichen Betörung nur wenig Nachdenkenswertes hinzu.
Zwei Menschen und einen Handlungsort: mehr braucht es für die funktionierende Dramaturgie eines Films nicht, wenn sie mit dieser minimalistischen Reduzierung umzugehen weiß. Das bewiesen nicht nur Michael Caine und Jude Law in der Theaterstückadaption 1 Mord für 2, sondern auch Blanca Lewin und Gonzalo Valenzuela in dem Erotikdrama En la cama - Im Bett, auf welchem Room in Rome basiert.
Darin verbringen die Spanierin Alba (Elena Anaya) und die Russin Natasha (Natasha Yarovenko) zusammen eine Liebesnacht in einem Hotelzimmer in Rom. Ihre Begegnung in einer Lokalität war rein zufällig, ihr One Night Stand soll unverbindlich sein. Doch dann beginnen sie, sich einander zu offenbaren, ihren zunächst durch körperliches Begehren motivierten Handlungen durch aufkeimende Emotionen füreinander Tiefe zu geben.
Wie in En la cama - Im Bett wird dabei der zunächst so klare Ausgang des One Night Stands infrage gestellt, die Möglichkeit von etwas Dauerhaftem erörtert. Die Fokussierung des Films auf den Liebesakt und seine Bebilderung selbst verschiebt sich auf die Bedeutung des einem Seelenstriptease gleichen Dialogs und den daraus folgenden Handlungskonsequenzen - oder sollte es zumindest. Und genau an dieser Stelle scheitert der Film von Lucia und der Sex-Regisseur Julio Medem. Room in Rome gelingt es nicht, sich von seinen sinnlich aufgeladenen, ebenso gelackten wie betörenden Bildern zugunsten der tiefer gehenden Charakterzeichnung zu lösen. Die beiden Hauptdarstellerinnen sind nahezu die gesamte Filmlaufzeit über nackt, räkeln sich auf dem Bett oder in der Badewanne - tatsächlich narrativ motiviert sind die Erotikszenen selten, Erotik ist ein ermüdender Dauerzustand.
So verwundert es auch nicht, dass Medem in dieser dem Kausalverkehr der Dinge enthobenen Miniaturwelt des Hotelzimmers seine zuvor in wenig entlarvenden Dialogen nur notdürftig begründeten Ansprüche auf Realismus aufgibt und der Versuchung anheim fällt, nach bemühten Verquickungsversuchen in die symbolträchtige Welt der Kunst abzudriften. Amors Pfeil hat Alba getroffen - und das buchstäblich. Spätestens in dieser schwülstigen Szene wird das wahre Interesse Medems deutlich: Nicht an der Geschichte, nicht an den - leider zu oberflächlich geratenen - Dialogen, sondern an den kunstvoll verhüllten, makellosen weiblichen Körpern. Diese geschwätzige und auf Dauer eintönige Nackedeiparade ist für Ästheten und einen Erotikfilm genug, doch für den Normalzuschauer und ein tiefschürfendes Liebesdrama - die eigentliche Intention - zu wenig.