Für Filmkritiker-Guru Roger Ebert ist es einer der zehn besten Filme aller Zeiten und auch andere Kritiker zeigten sich verzückt von und vernarrt in Pforten des Himmels, der im Grunde weniger Dokumentation als vielmehr Avantgardefilm ohne wirkliche Aussage ist. Und zugleich der Beweis dafür, dass jeder von uns ein geschätzter Regisseur sein könnte.
Ein Kritiker schrieb, dass Errol Morris' Dokumentation über Tierfriedhöfe keine Dokumentation über Tierfriedhöfe sei. Und knapp gesagt, trifft dies auch zu und beschreibt zugleich das Scheitern des Filmes als Dokumentation. Dabei war die These für Pforten des Himmels präsent und bewegte den Werner-Herzog-Schüler Morris zur Produktion seines Debütfilms. Als der Tierfriedhof von Floyd McClure pleite ging, mussten 450 beerdigte Tiere exhumiert und verlegt werden. Jetzt könnte man einen Film über McClure machen. Oder über Tierfriedhöfe im Allgemeinen wie Speziellen. Oder über die Liebe von Menschen zu ihren Haustieren. Errol Morris hat sich für keinen dieser Wege entschieden.
Sicherlich, alle Aspekte finden sich vereinzelt wieder. "Das einzige dessen ich mich schuldig gemacht habe, ist Mitgefühl", erzählt ein im Rollstuhl sitzender Floyd McClure an einer Stelle. Er zählt zu jenen Menschen, die Tieren eine besondere Wertschätzung entgegenbringen. Denn wo Menschen einander nicht vollständig trauen, ist dies bei ihren Haustieren der Fall. "Für manche Menschen kommt es dem Verlust ihres Sohnes oder ihrer Tochter gleich", heißt es anderswo. Und Morris zeigt sie bisweilen, diese Menschen, für die ihre Haustiere weniger Haustiere denn Familienmitglieder waren. Aber diese Besonderheit, dieser bisweilen auftretende Anachronismus, verliert sich schließlich so schnell wie er kam.
Versucht Pforten des Himmels zu Beginn noch, einer These zu folgen, geht dieser Ansatz nach einigen Minuten flöten. Willkürlich schneidet Morris verschiedene und eigentlich nie aufeinander aufbauende oder sich zumindest ergänzende Monologe aneinander. Viele der Gespräche führen ins Nichts, die meisten von ihnen am eigentlichen Thema (Tierfriedhöfe) oder wenigstens Subthema (Tierliebe) vorbei. Phillip Harberts, der mit seinem Vater Cal und jüngeren Bruder Dan jenen Tierfriedhof betreibt, an den Floyd McClures Tiere wanderten, erzählt von seiner Tätigkeit als Versicherungsvertreter. Sein Bruder Dan hingegen entspannt in der Hängematte und präsentiert stolz die Fähigkeiten seiner Musikanlage.
Negativer Höhepunkt ist Florence Rasmussen, eine ältere Frau an den Grenzen der Senilität, die in der Mitte des Filmes geschlagene viereinhalb Minuten - und damit fünf Prozent der eigentlichen Dokumentation - weder über Tierfriedhöfe, noch über Tiere oder Friedhöfe redet. Sie lamentiert über ihren Enkelsohn, den sie wie das eigene Kind großgezogen und Geld für ein Auto geliehen hat, während er sich so undankbar zeigt, sie nicht einmal durch die Gegend zu chauffieren. Es ist ein Monolog, der nichts mit dem Film zu tun hat, allenfalls dann, wenn es die eigentliche These von Morris ist, durchgeknallte Amerikaner zu zeigen (ein Thema, dem er sich in seiner zweiten "Dokumentation" Truthahnfieber widmete).
Als Dokumentation kann Pforten des Himmels somit nur schwerlich bezeichnet werden. Dass es sich hierbei hauptsächlich um eine Montage von Interviewten in der Bildmitte handelt, ohne Erzählstimme oder aktive Handlungen, ist dabei nicht das Problem. Wenn Morris jedoch viele seiner Interviewpartner wie McClure oder Phil Harberts in zwei verschiedenen Einstellungen zeigt (wobei McClure immer den Fehler macht, direkt in die Kamera zu blicken), mit unterschiedlichem Hintergrund und Kostümen, und diese wie die Harberts-Söhne über ihr Privatleben faseln, ohne dass dies einen Bezug zur vermeintlichen These des Filmes hat, dann ist dies ein Problem für die Intention des Projektes.
Eine Vermittlung von Information findet somit selten bis gar nicht statt. Eher präsentiert Errol Morris eine willkürliche Stafette von schrulligen US-Bürgern, deren Verschrobenheiten der Belustigung des Zuschauers dienen. So ermutigt eine Frau ihren Hund in ihr wahnhaftes Gelächter einzustimmen, während der gescheiterte Versicherungsvertreter Harberts aufgewärmte Verkaufstipps zum Besten gibt. Es sind Personen und Gespräche, die jeder einfangen könnte, wenn er sich einen Sonntagnachmittag in sein lokales Seniorenheim und auf die Jagd nach einigen senilen Patienten begibt, die man über ihr Leben schwadronieren lässt. Wahllos aneinandergeschnitten erschafft man flugs einen der besten Filme aller Zeiten.
Der Avantgardecharakter des Filmes lässt sich natürlich preisen, wenn Absurdität das ist, was man sucht. Einer Idee oder These folgt Errol Morris dabei jedoch nicht, ein viel versprechendes Thema (McClure erzählt von beerdigten Haustieren wie unter anderem Schlangen, am Ende zeigt Morris jedoch nur Grabsteine von Hunden, anstatt hier in eine neue, besondere Sphäre vorzudringen) wird an die Wand gefahren. Was Pforten des Himmels zu einem der besten Werke der Filmgeschichte macht, will sich einem nicht erschließen. "Erfolg ist wie eine Reise", heißt es in Morris' Debütfilm, was einer Parabel für diesen gleichkommt. Dessen Erfolg ist ebenfalls eine Reise. Nur eben eine ins Nirgendwo.