Manche Filme werden umso schlechter, je genauer man über das Gesehene nachdenkt. Bei Hop - Osterhase oder Superstar? ist genau das leider der Fall. Lässt man während des Films das Gehirn im Standby und löscht jegliche Erinnerung nach dem Hochfahren automatisch, so hat man seine Zeit mit kurzweiliger Unterhaltung verbracht und das ein oder andere Mal geschmunzelt oder gar gelacht. Sobald man aber den Fehler macht und nur ein kleines bisschen darüber nachdenkt, was einem da auf der Leinwand präsentiert wird, stellt man fest, dass die Filmindustrie schon lange nicht mehr das ist, was sie einmal war, und man das Geld und die Zeit besser anderweitig investiert hätte.
Was waren das noch für Zeiten, als phantasievolle und gut durchdachte Geschichten zu unterhalten wussten. Heutzutage hat man bei vielen Filmen das Gefühl, dass rein auf die Optik Wert gelegt wird und sowohl die Handlung als auch die Charaktere absolut nebensächlich sind. So kann Hop - Osterhase oder Superstar? zwar optisch durch den plüschigen und natürlich hochprofessionell animierten Hauptdarsteller punkten, hat aber darüber hinaus leider absolut nichts zu bieten. Zwar wird dies die Zielgruppe von kleinen Kindern und jungen Erwachsenen erfreuen können, aber einen wirklichen Mehrwert weiß der Film nicht zu bieten.
Dabei wäre die Geschichte des Osterhasen Junior, der den Posten seines alten Herren auf keinen Fall übernehmen, sondern lieber Schlagzeuger werden möchte, an sich eine nette Idee gewesen, aus der man durchaus hätte etwas machen können. Doch schon während man im Kinosessel sitzt und die Ereignisse ihren Lauf zu nehmen beginnen, fühlt man sich mehr als veräppelt. Denn im Grunde genommen ist Hop - Osterhase oder Superstar? nicht viel mehr als eine Mischung aus Alvin und die Chipmunks - Der Kinofilm mit einem Hauch Cats & Dogs - Wie Hund und Katz, garniert mit der ein oder andere Anspielung für das ältere Publikum.
Die Handlung des Films ist schnell erzählt. E.B. ist der Sohn des amtierenden Osterhasen und soll dessen Posten bald übernehmen. Doch so richtig will der kleine Hase nicht in die Fußstapfen seines alten Herren steigen, immerhin sieht er sein Talent eher im Musikbusiness, nämlich als Schlagzeuger. Aus diesem Grund flieht er nach Hollywood, um dort sein Glück zu versuchen. Auf der Suche nach einer Bleibe wird er von Fred, einem arbeitslosen Verlierer, der gerade von den Eltern zum Ausziehen bewegt wurde, angefahren. Aus Mitleid nimmt dieser den vermeintlich verletzten, sprechenden Hasen mit, was er schon kurz darauf bereuen wird. Währenddessen bereitet ein Küken namens Carlos auf der Osterinsel seinen Putschversuch vor. Er möchte anstelle des widerspenstigen Junghasen die Rolle des Osterhasen übernehmen und gleichzeitig alle Küken, die in der Osterfabrik unter den Hasen arbeiten müssen, befreien.
Dieses Grundkonstrukt wird befüllt mit mehreren, teils äußerst deplatziert wirkenden, musikalischen Einlagen des drummenden Hasen sowie einiger Beweise der Unfähigkeit von Fred. Insgesamt schleicht sich das Gefühl ein, dass den Machern nicht sehr viel an den Charakteren und der Geschichte gelegen sein kann, sondern vielmehr die Showacts im Vordergrund standen. Das ist äußerst schade, denn ein gewisses Grundmaß an Charakterzeichnung und Handlung ist für einen guten Film nun einmal unabdingbar. Im vorliegenden Fall ist beides kaum vorhanden. So bleibt der Charakter von Fred, dem stereotypen Nichtskönner, eindimensional und teilweise äußerst anstrengend, während E.B. durch die Gegend hüpft, Fred das Leben schwer macht und jede Chance, sei sie auch noch so weit hergeholt, ergreift, um sein Talent als Musiker unter Beweis zu stellen. Dabei ist die "Handlung" teilweise dermaßen konstruiert, dass es schon fast schmerzt.
Als Nebenhandlung zu den Geschehnissen um das Erbe des Osterhasen muss der notorische Faulpelz und scheinbare Nichtskönner Fred herhalten. Dessen Familie taucht immer mal wieder kurz auf, dient allerdings lediglich dazu, die Geschehnisse ins Rollen zu bringen. Die Wandlung des menschlichen Parts der Geschichte am Ende des Films könnte schmalziger und unglaubwürdiger kaum mehr sein.
Durch manch Anspielung und den Auftritt von David Hasselhoff, den wohl die eigentliche Zielgruppe des Films nicht mehr kennt, wird versucht, auch dem älteren Publikum etwas zu bieten. Doch leider sind diese kurzen Schmunzler einfach zu wenig, um über den Rest hinwegzutäuschen.
Somit bleibt Ernüchterung und Unverständnis darüber, dass man sich heutzutage scheinbar nicht mehr die Zeit nimmt, gute Geschichten auszuarbeiten und entsprechend mit Leben zu füllen. Vielmehr verlässt man sich auf immer bessere Animationen und den Knuddelfaktor, der für klingelnde Kassen sorgen soll. Natürlich werden Kinder durchaus ihren Spaß mit dem niedlichen Häschen haben, doch auch Kindergeschichten sollten - und können auch - mehr bieten, als nur knuffige sprechende Tiere. Da lohnt es sich eher, auf Klassiker zurückzugreifen.