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Ungezogenes, zerstörerisches Knuddelalien trifft auf depressives Hawaimädchen zum intergalaktischen Kulturaustausch. Klingt nach jeder Menge Spaß und guter Laune, ist letztenendes allerdings nichts weiter als ein moralisches Lehrstück über Liebe, Familie und Zusammenhalt, wie man es eher von früheren Disney-Filmen gewohnt ist. Obwohl durch Ein Königreich für ein Lama eigentlich der Eindruck enstand, die kreativen Köpfe des Mäusekonzerns hätten es langsam geschnallt, wie man zeitgemäße Animationsfilme schreibt und inszeniert, wirkte das nachfolgenden Werk Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt und jetzt eben auch Lilo & Stitch fast schon verkrampft auf modern und hip getrimmt. Genmutationen, Außerirdische, CIA-Agenten und Raumschiffverfolgungsjagden bilden den Rahmen dieser Geschichte, die im Kern allerdings äußerst altbacken daherkommt und die ohne das drumherum konstruierte knallige Brimborium wahrscheinlich keinen Zuschauer mehr hinter dem Ofen hervorlocken könnte.
Während Ein Königreich für ein Lama mit pointierten Dialogen, viel Situationskomik und erzählerischen Raffinessen überzeugte, läßt Lilo & Stitch all diese Dinge, die einen solchen Film eben auch für Erwachsene sehenswert macht, fast gänzlich vermissen. Natürlich ist der Film nicht vollkommen ohne Witz, in einigen Szenen hat es mich vor Lachen buchstäblich zerlegt, doch leider sind diese Momente eher rar gesäht. Vor allem in der zweiten Hälfte hat man den Eindruck, als hätte jemand die Spaßbremse gezogen und damit die Zündung eines geplanten Gagfeuerwerk verhindert, um einem aufdringlichen Vortrag über den unschätzbaren Wert der Familie plattzzumachen. Das geht dann sogar soweit, daß der genetisch auf Zerstörung programmierte Unruhestifter Stitch von einer Minute zur nächsten zu einem braven Schoßhündchen mutiert (hach was ein Wortspiel) und mit scheußlichsüßer Stimme das bis zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon absolut überstrapazierte "Ohana heißt Familie, Familie heißt Zusammenhalten" vor sich hinseuselt. Juhu, die Liebe hat wieder mal gesiegt und wir mußten uns dafür nicht einmal durch ein halbes Dutzend schmalziger Elton John Songs quälen.
Lilo & Stitch ist damit eindeutig ein Rückschritt für den Disney-Film an sich. Obwohl mir einige Ideen wirklich sehr gut gefielen, so zum Beispiel die sich durch den gesamten Film durchziehende Elvis-Hommage, muß ich Lilo & Stitch leider ein eher durchschnittliches Zeugnis ausstellen. Zu wenig wurde das Potential der Figuren ausgenutzt, zu spärlich waren die richtigen Brüller gesäht und zu aufdringlich wurde die Botschaft des Films präsentiert. Ein wenig bizarr finde ich auch die Tatsache, daß Lilo & Stitch in den Deutschen Kinos nur in einer geschnittenen Fassung zu sehen ist. Diese wurde von Buena Vista gewählt, um eine Altersfreigabe ab 6 Jahren zu vermeiden und somit auch die ganz kleinen Zuschauer ins Kino zu locken. Jetzt sind wir doch tatsächlich schon so weit, daß wir sogar Kinderfilme nur noch geschnitten im Kino zu sehen bekommen. Aber was tut man nicht alles, um höhere Einspielergebnisse zu erzielen. Ich bin ja gespannt, was als nächstes kommt. |