Was war der Aufruhr in der Welt des Internets groß, als der erste als skandalös verschriene Teaser in Umlauf gebracht wurde. Doch im Nachhinein muss man leider festhalten, dass viel Lärm um Nichts gemacht wurde. Trotz lobenswerter Intention scheitert Uwe Boll mit seiner überinszenierten Umsetzung auf desaströse Art und Weise und kann dem Zuschauer zu keinem Zeitpunkt glaubhaft und schockierend das Leben in einem Konzentrationslager vermitteln.
Wenn es darum geht, die schlechtesten Regisseure unserer Zeit aufzulisten, wird in kaum einer Aufzählung der Name Uwe Boll fehlen. Sicherlich hat er durchaus einige schwache Filme gedreht, aber man muss anerkennen, dass er eine Nische gefunden hat, die er überzeugend bedienen kann: In den letzten Jahren konnte er mit seinen kritischen und gleichzeitig schonungslosen Produktionen (beispielhaft sei hier der hervorragende Rampage - Rache ist unbarmherzig genannt) durchaus beweisen, dass das Einprügeln auf seine Person sicherlich übertrieben ist. So war das im Vorfeld aufkommende Raunen, wie denn gerade er einen Film über die Ereignisse in Auschwitz drehen kann, alles andere als angebracht.
In Auschwitz, so erzählte Uwe Boll vor Sichtung des Filmes im Gespräch, wollte er den direkten Weg bis in den Ofen zeigen und damit die damalige Grausamkeit bzw. den Alltag ohne jegliche Heroisierung darlegen. Dies soll jedoch nicht zu reinem Selbstzweck verkommen: Der Grund für die Inszenierung dieses Films war nach seiner Aussage, dass er entsetzt darüber war, wie wenig die heutige Jugend über das Thema Auschwitz weiß und er seinen Film somit als eine Art Aufklärung zu den Geschehnissen im titelgebenden Konzentrationslager ansieht. Dass ihm dieses Anliegen wichtig ist, merkt man in jedem seiner leidenschaftlich gewählten Worte, so dass auch die aufkommende Kritik, dass er zur Finanzierung dieses Projektes in den selben Kulissen und mit den gleichen Darstellern die beiden 3.Reich-Fun-Movies Blubberella und Bloodrayne 3: The Third Reich drehen musste, nicht nachvollziehbar ist.
Der 70 Minuten lange Film lässt sich in zwei Teile aufsplitten: Nach den Grußworten des Regisseurs an sein Publikum, bekommen wir von ihm mit Schülern geführte Interviews zu sehen, die den filmischen Teil umrahmen. Diese Interviews umfassen hauptsächlich das Allgemeinwissen zum Thema Drittes Reich. Die Antworten, die dem Zuschauer präsentiert werden, sind teilweise durchaus zum Kopfschütteln, wirken jedoch zu keinem Zeitpunkt wirklich repräsentativ. Sicherlich mag das auch dem Umstand geschuldet sein, dass sich von den angefragten Schulen laut Aussage Bolls nur zwei für diese Befragungen bereiterklärt haben, jedoch kommt dieses Szenario eher dem Bloßstellen der jeweiligen Schüler gleich und erinnert fast schon an eine Sektion der Sendung "TV Total". Beispielhaft seien die zwei folgende Fälle erwähnt: Zum Einen gibt es eine Szene, in der einer Schülerin mit Migrationshintergrund (die sich mit der deutschen Sprache sichtlich schwer tut) eine Frage gestellt wird, die sie durchaus beantworten, jedoch aufgrund ihres mangelnden Wortschatzes nur umschreiben kann und somit mehrere Versuche braucht, um das genaue Wort zu finden. Des Weiteren wurde genau ein Schüler interviewt, dessen geschichtliches Wissen durchaus beeindruckend ist; er von Boll aber so lange hinterfragt wird, bis auch er sich zu falschen Antworten hinreißen lässt.
In diesen Interviews eingebettet ist der filmische Teil von Auschwitz der, wie oben erwähnt, schonungslos den Alltag des KZ zeigen soll. Doch schon in den ersten Momenten merkt der Zuschauer, dass sich Boll leider ziemlich verhoben hat. Schon die Ankunft der Juden wird mit sauberen Hochglanzbildern und bedeutungsschwangerer Musik gezeigt, die jeglichen Realismus vermissen lassen und dem Publikum vom ersten Moment an vermitteln, dass er sich hier in einem Film befindet und keine realen Szenen zu sehen bekommt. Anstatt das Ganze, wie angekündigt, schonungslos und direkt zu zeigen, verkommt das Geschehen durch die schnellen Schnitte zu sehr zum Medium Film. Erschwerend kommt noch hinzu, dass man die Darsteller mit medienpräsenten Figuren wie Arved Birnbaum oder Uwe Boll selbst besetzt hat und aufgrund dessen das Filmgefühl nochmals bestätigt wird. Selbst die angekündigte Radikalität wird vermisst, fallen doch die Juden in den Gaskammern eher gemütlich um, anstatt realistisch deren qualvollen Tod zu zeigen. Dass dabei die Darstellerriege der Juden oftmals eher unglücklich agiert bzw. in mehreren Szenen sichtlich versucht, ihre Intimzone zu verdecken, unterstützt diese Aussagen. So verfehlt dieser Teil leider zu jeder Sekunde die Intention zu schocken und wirkt daher ähnlich wie Mel Gibsons Die Passion Christi wie ein überinszeniertes Stück Film, das den Zuschauer kalt lässt.
Das Vorhaben von Uwe Boll, bzw. die Intention hinter Auschwitz, ist durchaus löblich und gerade in den hitzigen Diskussionen nach der Vorstellung zeigt sich, wie wichtig ihm das Thema ist. Dabei gab er sogar selbst zu, dass sein Film sicherlich kein Meisterwerk sei und es ihm mehr um die zu Beginn angesprochene Aussage geht. So muss man ihm leider recht geben und festhalten, dass die Umsetzung ziemlich misslungen ist, zeigt sie die Geschehnisse in Auschwitz nicht schonungslos und direkt, sondern wie ein überinszeniertes Stück Film. Als genau dieser Punkt zur Sprache kam, war Bolls schlichte Antwort, dass eine solche Umsetzung zu langweilig für das Publikum gewesen wäre. Dies sei zu bezweifeln, sind es doch meist die radikalen und direkten Szenen, die einem Zuschauer bei einem solchen Film im Gedächtnis bleiben.