"Basiert auf einer wahren Geschichte". Dieser Slogan scheint sich gerade in den letzten Jahren zu einem neuen Qualitätsmerkmal entwickelt zu haben. Ob verunglückter Bergsteiger oder raffinierter Polit-Thriller, der Wahrheitsgehalt gibt dem Thema doch gleich noch eine gewisse Würze. Auch der Film Soul Surfer bedient sich dieses Umstandes. Dabei vergessen doch viele schnell, dass die Inszenierung eines solchen Werkes nicht unbedingt in allen Details mit der wirklich wahren Story übereinstimmen muss.
Die Glaskugel prophezeite schon im Vorfeld nichts Gutes. Ein Regisseur (Sean McNamara), der sich bis heute vor allem durch halbgare Disney-Serien auszeichnet, ein Drehbuchautorenteam, das bei Baywatch den vorläufigen Zenit seiner Karriere feiern durfte, und nicht zuletzt Charakterdarsteller Kevin Sorbo, wieder in einer unbedeutenden Nebenrolle. Für die Geschichte der gottesfürchtigen Surferin Bethany Hamilton, die bei einem tragischen Haiangriff den linken Arm verliert, hat man sich das kreative Hoch Hollywoods gesucht. Doch genug der überspitzten Ironie, denn die filmische Aufstiegsgeschichte der jungen Bethany (AnnaSophia Robb) hat auch durchaus seine hellen Momente.
Was jedoch zunächst einmal wirklich stört, sind die unnötigen christlichen Moralpredigten, die sich gerade in der ersten Hälfte dem Zuschauer förmlich aufdrängen. Nach dem fünften Appell hat auch die letzte Schlafmütze verstanden, dass Gott ihr wieder auf das Surfbrett helfen wird. Dieses Vorgehen zieht vielleicht bei einem amerikanischen Publikum, dem deutschen Cineasten dürfte das aber gar nicht schmecken. Überhaupt bemüht sich der Streifen nicht um Ecken und Kanten. Da werden nach dem Unfall einige Tränen vergossen und schon geht es wieder ab in das kühle Nass. Dabei wäre hier die Chance da gewesen, den Figuren etwas Tiefe zu verleihen - vergebens. Lediglich der Haiangriff selbst wird überraschend unkonventionell in Szene gesetzt und erzeugt so etwas wie emotionale Nähe zu den Protagonisten.
Auch in der zweiten Hälfte kann sich das Werk nicht aus seinem engen inszenatorischen Korsett befreien, überzeugt aber mit vielen berauschenden Surfszenen und einem lässigen Soundtrack. Zwar vermisst man auch hier etwas die innere Zerrissenheit der Protagonistin und ihres Umfelds, dafür gibt sich der Film Mühe, den Aufstieg der Bethany gebührend zu feiern. Und das gelingt tatsächlich noch. Allein die netten Trainingsmontagen, die freudige Erinnerungen an Rocky wecken, sorgen für eine äußerst positive Grundstimmung beim Betrachter, die sich bis zum Finale halten kann. In diesen Momenten macht Soul Surfer vieles richtig und erreicht am Ende sogar sein ultimatives Ziel, nämlich den Zuschauer zu Tränen zu rühren.
Schlussendlich sollen noch die schauspielerischen Leistungen Erwähnung finden. Pluspunkte gibt es für die toll besetzte Hauptdarstellerin Robb (Brücke nach Terabithia). Sie bringt ihre, durch das Drehbuch arg limitierte, Bethany glaubhaft auf die Leinwand, ist aber insgesamt hoffnungslos unterfordert. Die Eltern, gespielt von Dennis Quaid (Pandorum) und Helen Hunt (Cast Away), bleiben über die gesamte Spielzeit relativ blass, und Kevin Sorbo agiert tatsächlich mal solide, was in seinen wenigen Szenen aber keine große Kunst darstellt.
"Wer schön sein will, muss leiden." Das Motto gilt in diesem Fall nicht nur für die perfekt geformten Körper der Filmsurfer, sondern auch für das filmische Erlebnis des Rezipienten. Ohne eine gewisse geistige Schmerztoleranz wird kein Zuschauer die ersten 15 Minuten überleben. Für das Kino ist der Streifen so oder so nicht gemacht. Wer sich von den vielen bereits genannten Mängeln jedoch nicht abschrecken lässt, der erhält dann aber doch eine durchaus unterhaltsame und schöne Underdog-Story. Zwar blendet der Film ein ums andere Mal die Tragik des Unglücks aus, die Konzentration auf das Surfercomeback überrascht aber mit viel Herz. Dadurch wird Soul Surfer nicht zu einem tollen Film, aber die Erwartungen der Glaskugel wurden damit mehr als übertroffen.