Gefühlvoll, ruhig, analysierend, tiefgründig... alles Adjektive die sehr gut zu Tom McCarthys Win Win passen. Glücklicherweise belässt es der Regisseur von Ein Sommer in New York nicht dabei und paart die schöne Geschichte nicht nur mit einem tollen Cast, sondern auch noch mit der nötigen Prise Humor. Dadurch entsteht ein sehr sympathischer und kurzweiliger Streifen, in dem ein Paul Giamatti in der Hauptrolle absolut überzeugen kann!
Mike Flaherty ist Anwalt, doch leider keiner dieser hochbezahlten Staranwälte, sondern ein relativ erfolgloser Provinzanwalt in einer Stadt in der - gefühlt - jeder ein wenig Glück benötigen würde. Aus Geldsorgen und um seiner Familie ein zuverlässiges Einkommen zu ermöglichen, übernimmt er daher die Vormundschaft für einen älteren Klienten - nicht ganz legal und uneigennützig. Doch als dessen Enkel Kyle auftaucht, scheint sich für alle Beteiligten sehr vieles zum Guten zu wenden.
Ehrenamtlich ist Mike nämlich als Ringkampf-Trainer tätig, doch das lokale Team ist nur mäßig erfolgreich und gilt als sicherer Punktelieferant für die anderen Teams. Doch als Kyle sich dem Team anschließt, ändert sich nicht nur die Stimmung, sondern auch der Erfolg stellt sich ein. Es scheint für Mike, Kyle und deren Umfeld nicht besser laufen zu können - eine typische Win-Win-Situation bis Kyles Mutter Cindy auftaucht. Gerade aus der Entzugsklinik entlassen und finanziell am Boden stellt sie eine enorme Gefahr für die positive Entwicklung dar.
Mit sehr viel Fingerspitzengefühl arbeitet sich McCarthy an die gut ausgearbeiteten Charaktere heran und lässt den Darstellern den nötigen Freiraum, die Situation auch wirklich zu durchleben. So bleiben alle Handlungen, Folgen und Entwicklungen immer nachvollziehbar und wirken keineswegs aufgesetzt. Ganz deutlich zeigt sich dies bei Paul Giamatti, der derzeit mit Barney's Version und Ironclad einiges an Leinwandpräsenz bekommt, aber auch in Win Win zeigt, dass er es durchaus verdient hat, so beachtet zu werden.
Doch nicht nur die schauspielerischen Leistungen, sondern auch die Story an sich hat Einiges zu bieten. Allein die Figur des Mike, der nur das Beste für Alle erreichen will und deswegen nicht nur die Grenzen des legalen sehr stark dehnt, sondern auch immer wieder an seine Grenzen stößt, ist fantastisch ausgearbeitet. In Kombination mit Kyle, der sich wütend, verängstigt, resigniert zurück zieht und keinem Erwachsenen traut, entsteht eine positive Spannung, die den Film abhebt von anderen Inszenierungen. Hinzu kommt dann noch die teils humorvolle Inszenierung mit einem sehr guten Timing.
Insgesamt ist Win Win ein sehr sehenswerter kurzweiliger Streifen, der nur leichte Längen aufweist. Wer Spaß an gut ausgearbeiteten Charakteren hat und sich gerne besondere Alltagsgeschichten über zwischenmenschliche Beziehungen und den damit einhergehenden Problemen ansieht, der ist mit einem Kinoticket für diesen Streifen definitiv gut bedient!