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Nach einer achtjährigen Auszeit kehrt Tom Clancys Romanheld Jack Ryan wieder auf die Leinwand zurück. Nach Jagd auf Roter Oktober (1990), Patriot Games (1992) und Clear and Present Danger (1994), den drei bisherigen Verfilmungen der Jack Ryan Reihe, schaffte es nun der Roman Der Anschlag aufs Zelluloid. Der Roman aus dem Jahre 1991 war seiner Zeit offensichtlich voraus, da er nach dem 11. September genau die Ängste anspricht, die Bevölkerung der westlichen Welt plagen. Um mit der Film keiner Bevölkerungsgruppe an den Karren zu fahren, hielt man sich nicht ganz an Tom Clancys Vorgaben und tauschte die arabischen Terroristen des Buches durch ein paar Alt-Nazis aus.
Dass sich Autor Tom Clancy neben seinen fiktionalen Romanen auch mit dem politischen und militärischen Tagesgeschäft beschäftigt und dazu ebenfalls Bücher schreibt, merkt man Der Anschlag an. Denn bevor der Film überhaupt erst richtig losgehen kann, muss zunächst das komplette fiktionale aber irgendwie denkbare Hintergrundszenario aufgebaut werden. Dabei werden wir zunächst ins Jahr 1973 zurückversetzt und sehen wie ein israelischer Jet abgeschossen wird, der mit einer Atombombe nach Syrien unterwegs war. Die besagte Bombe verschwindet irgendwo in den sandigen Golanhöhen und wird erst in der Gegenwart von ein paar Wüstenbuddlern entdeckt, die die Massenvernichtungswaffe auf dem Schwarzmarkt zum Verkauf anbieten. Auf diesem Wege fällt die Bombe in die Hände des Alt-Nazis Richard Dressler, der damit die beiden Supermächte USA und Russland gegeneinander aufhetzen will. Parallel zu dem Handlungsstrang mit den Alt-Nazis, stirbt der russische Präsident und wird durch einen neuen und unbekannten Mann ersetzt.
Neben der Hintergrundstory müssen natürlich auch die wichtigsten Charaktere des Films vorgestellt werden. Da wäre zunächst der einfache CIA-Analyst Jack Ryan, der plötzlich die Gelegenheit bekommt in Konzert der Großen mitzumischen, da er wie kein anderer über den neuen russischen Präsidenten Nemerov bescheidweiß. Zusammen mit CIA-Chef William Cabot, der auch eine Art Mentor für den jungen Mann ist, schickt er sich an, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und das internationale Gefüge wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die beiden versuchen den US Präsidenten Fowler nach bestem Wissen und Gewissen zu beraten, damit er die richtigen Entscheidungen trifft. Außerdem muss noch der CIA-Agent John Clark Erwähnung finden, der stets Undercover unterwegs ist und die groben Aufgaben erledigt.
Nachdem dieses etwas zähe und teilweise arg gekünstelt wirkende Szenario endlich aufgebaut ist und die wichtigsten Charaktere eingeführt sind, kann der Thriller Der Anschlag endlich losgehen. Dabei laufen all die zuvor aufgebauten Handlungsstränge zusammen und die zuvor vorgestellten Personen fügen sich mehr und mehr ins Gesamtkonzept ein. Dabei entsteht ein vielschichtiges Handlungskonstrukt, dass es wirklich in sich hat und den komplexen Themen wie internationaler Politik und Terrorismus mehr als gerecht wird. Nur ab und zu offenbart die Handlung einige kleinere Lücken oder wirkt in machen Fällen (Jack Ryan rettet die Welt im Alleingang) unglaubwürdig. Auch das obligatirische Hollywood Happy End, dass die Auswirkungen der vorangegangenen Ereignisse vollends unter den Teppich kehrt, kann den positiven Gesamteindruck des Films nicht wesentlich trüben. Vor allem, da man sowieso damit rechnet.
Dass sich Der Anschlag nicht chronologisch in die Jack Ryan Serie einordnen lässt, da Darsteller Ben Affleck jünger ist als sein Vorgänger Harrison Ford, der Film aber in der Gegenwart spielt, wird auch nur die gröbsten Pedanten stören. Viel größere Sorgen hatte man im Vorfeld über die Jack Ryan-Tauglichkeit von Ben Affleck. Doch die Befürchtung der Pearl Harbor Darsteller könnte des Ansehen des tüchtigen CIA-Agenten beflecken, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, Ben Affleck schlug sich in seiner Rolle beachtlich und überzeugte als einfacher Analyst, der ins kalte (Kriegs-)Wasser geworfen wird und plötzlich ungeheuere Verantwortung zu tragen hat. Neben Ben Affleck gefällt auch Morgan Freeman, der seine Rolle als CIA-Chef William Cabot in gewohnt souveräner Manier ausfüllt.
Die Leinwandadaption von Tom Clancys Roman kann man als sehr gelungen bezeichnen, denn es ist den Autoren Paul Attanasio und Daniel Pyne gelungen die komplexe und vielschichtige Handlung in ein spannendes und packendes Drehbuch zu verwandeln. Einzig der etwas schwermütige Beginn des Films fällt diesbezüglich etwas negativ auf. Regisseur Phil Alden Robinson, der nach zehn langen Jahren erstmals wieder hinter der Kamera stand, traf mit seiner Inszenierung genau ins Schwarze und schlug immer den richtigen Ton an. Er behandelte das Thema mit der nötigen Ernsthaftigkeit, lies aber ab und zu etwas Humor aufblitzen. Vor allem die Schlüsselszene des Film ist mehr als gelungen und vermittelt in Bild und Ton das Horrorszenario in atemberaubender Weise. Ob das Der Anschlag Fieber in Deutschland in dem Maße ausbrechen wird wie in den USA, wo der Film einschlug wie eine Bombe, bleibt abzuwarten. Man kann aber mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass sich alle Tom Clancy Fans und die Anhänger politisch angehauchter Thriller gut unterhalten fühlen werden. |