Dass das Internet die unterschiedlichsten Gefahren birgt, weiß man nicht erst seit etwaigen Stoppschild-Diskussionen oder dubiosen Mahnwellen. Eine der potentiellen Gefahren lauert in Chatrooms, wo sich Menschen kennenlernen und intime Details austauschen, ohne einander jemals gesehen zu haben. Eine leider sehr reale Bedrohung thematisiert Trust auf äußerst bedrückende Art und Weise. Die Tatsache, dass dieser Film mit absolut glaubwürdigen und gut definierten Charakteren sowie einer nachvollziehbaren, niemals in Schmalz versinkenden Story aufwarten kann, macht ihn so erschütternd und beeindruckend zugleich.
Stoppschilder, Internet-Führerschein und viele weitere Schlagworte kursieren in periodisch wiederkehrenden Wellen durch die Nachrichten. Dabei verbergen sich hinter den häufig polemisch missbrauchten Diskussionen reale und schreckliche Tatbestände, wie Kinderpornografie und Sexualstraftaten. Zwar existieren diese Verbrechen nicht erst, seit es das Internet gibt, doch bietet das noch relativ junge Medium Menschen aller Neigungen eine Plattform und einen Raum, um sich zu entfalten. Leider geht dies in den meisten Fällen auf Kosten von Kindern, die missbraucht und geschändet werden.
Eine potentielle Gefahr stellen immer wieder Chaträume dar, da sich nicht selten hinter harmlos wirkenden Gleichaltrigen in Wirklichkeit kranke Erwachsene verbergen, die auf diese Weise nach Beute Ausschau halten und ihre Köder auswerfen. Meist merken die betroffenen Kinder und Jugendlichen viel zu spät, was sich wirklich hinter den anonymen Accounts verbirgt, und bezahlen nicht selten einen hohen Preis dafür.
Solch eine Schattenseite des Internets muss in David Schwimmers Film die 13-jährige Annie kennenlernen. Dabei fing alles so gut an. Endlich hat sie einen verständnisvollen, klugen und laut den Fotos auch noch gut aussehenden Typ kennengelernt, der ihr mit gutem Rat durch schwierige Aufgaben, wie die Aufnahmeprüfung in das Volleyballteam, hilft. Dabei kennt sie den 16-jährigen Charlie bislang nicht persönlich, wenn auch bereits ziemlich intensiv, dank stundenlanger Chat-Sessions. Alles ist prima, bis Charlie beichtet, dass er nicht 16, sondern bereits 20 Jahre alt sei. Der erste Schock über die Offenbarung verfliegt jedoch schnell bei dem jungen Mädchen, das sich nach männlicher Anerkennung sehnt, und die Chat-Beziehung nimmt ihren Lauf. Auch die Tatsache, dass Charlie plötzlich zugibt, 25 Jahre alt zu sein, kann daran nicht viel rütteln. Annie ist verliebt und sich sicher, dass Charlie ebenso fühlt. Als die Eltern den älteren Bruder zum Collegeanfang begleiten, bietet sich plötzlich die Chance, Charlie persönlich zu treffen, und Annie will sich diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen. Ein Treffpunkt im Einkaufszentrum scheint passend, und die Nervosität ist unermesslich. Doch dann steht er plötzlich vor ihr, Charlie, ein erwachsener Mann, der mindestens 35 Jahre alt sein muss. Annie ist geschockt, verängstigt und zutiefst verletzt. Doch Charlie beharrt darauf, dass sie eine besondere Verbindung hätten und das Alter doch nicht so eine große Rolle spielen würde. Schließlich lenkt Annie ein, verwirft ihre Bedenken ob des Altersunterschieds und verbringt einen schönen Nachmittag und schließlich auch die Nacht mit der Internetbekanntschaft.
Liana Liberato spielt die junge, verletzliche und hin- und hergerissene Annie derart glaubwürdig, dass man keine Sekunde daran zweifeln kann, dass das Gesehene nicht genau so ablaufen könnte. Selbst als sie zu ihm ins Auto steigt, hat man nur einen kurzen Moment, um gedanklich einen Warnschrei auszustoßen, nur um sich anschließend in das Schicksal der Protagonistin zu ergeben und mitzuerleben, was sie nun durchmachen muss. Dabei nimmt sich die Inszenierung genau in diesem furchtbaren Moment äußerst zurück, belässt es dabei, den Beginn des Übels zu skizzieren und ergötzt sich nicht an der Tat selbst. Der Film braucht glücklicherweise keine schockierenden Bilder, da das Thema an sich bereits schrecklich genug ist und dank der realistischen, eindringlichen Inszenierung von selbst ausreichend Wirkung entfaltet.
Es sind vor allem die Geschehnisse nach der Tat, die aufrütteln, betreffen und nicht mehr loslassen. Der Kampf der Eltern - großartig dargestellt von Clive Owen und Catherine Keener - aber auch die verschiedensten Phasen, die Annie noch durchleben muss. Hier kommt an keiner Stelle das Gefühl von übertriebener Konstruktion oder dramaturgischer Anpassungen auf. Man kann die Entscheidungen und Handlungen aller beteiligten Personen zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen und verstehen, was die gesamte Inszenierung äußerst eindringlich macht. Ständig kann man sich die Frage stellen: Wie würde ich handeln? Was kann man in solch einer Situation unternehmen? Nur um immer wieder zu dem Schluss zu kommen, dass man wahrscheinlich auch nicht "besser" oder anders reagieren würde.
David Schwimmer, hauptsächlich bekannt als Schauspieler aus der TV-Serie Friends, beweist ein unheimliches Geschick und Gespür in seiner Inszenierung dieses schwierigen Themas und trifft damit genau den richtigen Ton. Verlassen kann er sich dabei auf äußerst solide Schauspielerleistungen, wobei besonders der sonst eher mit Action in Verbindung gebrachte Clive Owen und die noch sehr junge Liana Liberato hervorgehoben werden müssen.
Das Ende des Films entlässt den Zuschauer schließlich mit einem Schlag in die Magengrube zurück in das wahre Leben, mit dem mulmigen Gefühl, dass ähnliche Fälle wahrscheinlich tagtäglich auf der ganzen Welt geschehen. Obwohl man die Gefahren kennt und denkt, davor gefeit zu sein, öffnet der Film ein stückweit die Augen für die Situation aller Beteiligten und offenbart eine Wahrheit, die man sich nicht gerne eingesteht, nämlich dass es jeden treffen kann.