Die Liebe ist wohl das meistverfilmte Thema weltweit und gerade deswegen ist es wichtig, hier innovative, kreative und neue Drehbücher zu bringen. Mit Beginners schafft es Mike Mills (Thumbsucker) sehr gekonnt, die positive Erfahrung der großen Liebe zu kombinieren mit den negativen Emotionen aus Tod und Alter. Das im Zusammenspiel mit einem gut aufgelegten Ewan McGregor, einem fantastischen Christopher Plummer und einer atemberaubenden Melanie Laurent sorgt für einen tollen Film, der aber dem Zuschauer auch einiges abverlangt!
Die Suche nach der großen Liebe, dem Glück, welches damit einhergeht, aber auch der Verantwortung, diese Beziehung funktionieren zu lassen und aufrecht zu halten - das sind die zentralen Themen von Beginners. Im Zentrum steht Oliver, der kurz nach dem Tod seines Vaters Hal die sehr eigene Anna kennen lernt und sich in sie verliebt. Die Trauer über seinen Verlust steckt noch sehr tief und so erinnert er sich dank Anna an die letzten Jahre mit seinem Vater.
Nach 44 Jahren Ehe bekannte dieser sich zu seiner Homosexualität und lebte die glücklichsten Jahre seines Lebens. Auch wenn Oliver anfänglich Probleme mit dem Coming-Out von Hal hatte, so arrangiert er sich mit der neuen Situation. Als dann die Diagnose Krebs die Welt seines Vaters erschüttert, ist Oliver ihm so nah wie nie zuvor.
Die Story von Beginners basiert auf zwei wichtigen Eckpfeilern: Einerseits ist das die Liebe zwischen Anna und Oliver, die sich langsam entwickelt und sehr skurril beginnt. Auf der anderen Seite gibt es da den Vater Hal, der an Krebs gestorben ist und dessen letzte Lebensjahre so bewegend und prägend für Oliver waren, dass diese einschneidenden Erlebnisse in sehr langen Einzelgeschichten als Erinnerungen gezeigt werden. Durch diese Art des Filmaufbaus schafft Mike Mills eine ganz eigene Stimmung, die dem Film über die komplette Laufzeit eine gewisse "Eigenheit" mitgibt, die sehr erfrischend wirkt.
Während dem Zuschauer bei der Geschichte um Hal und dessen Erlebnisse mit dem Krebs durchaus einiges abverlangt wird, weil es ehrlich und realistisch gezeigt wird, steht im krassen Widerspruch dazu die tiefgründige Liebesgeschichte, die sich nicht mit Oberflächlichkeiten aufhält, sondern dem Zuschauer sehr viel Feingefühl abverlangt, um die Charaktere zu verstehen und deren Handlungen nachvollziehen zu können. Die Kombination der Traurigkeit und der Liebe, der Vergänglichkeit und des Glücks ist es, was Beginners von anderen Filmen des Genres deutlich abhebt.
Die ruhige und unaufdringliche Erzählweise weiß über die gesamte Laufzeit dabei ebenso zu gefallen, wie die gesamte Schauspielerriege. Ewan McGregor mimt einen realistischen, sympathischen und einfühlsamen Oliver, dem man zu jedem Zeitpunkt seine Zwiespältigkeit der Situation ansieht und abkauft. Ebenso Christopher Plummer als schwuler Hal, der erst mit 75 Jahren sein Coming-Out hat und sich fortan mit jüngeren Männern vergnügt, wirkt in jeder Szene glaubhaft und souverän. Auch als ihn dann seine Krankheit mehr und mehr einschränkt, spielt der Oscarnominierte jede Szene mit viel Emotion, die den Zuschauer packt.
Beginners überzeugt an eigentlich allen Stellen und ist für Fans von dramatischen, tiefgründigen und anspruchsvollen Filmen mit einem ernsten Thema absolut zu empfehlen. Vorsichtig sollte man nur sein, wenn man mit dem schweren Schicksal von Krebspatienten nicht gut umgehen kann, denn dann ist der Streifen sicherlich äußerst hart an zu sehen - was aber keinerlei Kritik am Film selbst ist! Die Liebesgeschichte zwischen Anna und Oliver rückt an manchen Stellen leider etwas zu sehr in den Hintergrund und darauf sollte man vorbereitet sein, denn Beginners ist ein sehr gutes Drama mit einer leicht romantischen Note bei dem man nichts falsch machen kann!