Woody Allens fiktives Biopic über den zu Zeiten Django Reinhardts zweitbesten Jazz-Gitarristen der Welt, Emmet Ray, überzeugt vor allem durch die fantastischen Darsteller und die großartige Musik. Besonders zu Beginn und gegen Ende ist Sweet and Lowdown zudem recht amüsant. Schade ist nur, dass sich im Mittelteil einige Längen einschleichen, wodurch der Film spürbar an Fahrt verliert. Dennoch ist der Film für Freunde guter Gitarrenmusik und Woody Allen-Fans ein Muss!
Nachdem Kultfilmemacher und Jazzmusiker Woody Allen mit Woody der Unglücksrabe bereits 1969 eine fiktive Biographie auf Zelluloid bannte und sich vierzehn Jahre später selbst in angeblich zeitgenössische Dokumentaraufnahmen in Zelig zauberte, entwarf er Ende der Neunziger die fiktive Figur Emmet Ray und machte ihn zum Mittelpunkt eines fiktiven Biopics. Das Ergebnis ist ein Spielfilm mit dokumentarischen Anleihen, der überhaupt keine Anstalten unternimmt, den Zuschauer von vornherein darüber aufzuklären, dass die portraitierte Figur niemals existierte.
Trotz des inszenierten pseudo-dokumentarischen Anteils, handelt es sich bei Sweet and Lowdown keinesfalls um einen Mockumentary im Sinne von Mann beißt Hund, sondern um einen Spielfilm mit einer entsprechenden, an sich recht konventionellen Erzählstruktur, die lediglich durch kurze Statements von Kennern und Bewunderern von Emmet Rays Werk unterbrochen wird. Zu den Personen, die sich zu der angeblichen Musiklegende äußern, zählen neben Allen selbst, auch andere, real existierende Jazzmusiker. Die Interview-Ausschnitte bilden somit auch den Rahmen und strukturieren den Film zusätzlich. Während am Anfang und am Ende recht häufig von diesem Stilmittel Gebrauch gemacht wird, wird im Mittelteil jedoch über weite Strecken auf Unterbrechungen der Handlung verzichtet.
Wahrscheinlich liegt darin auch die Schwäche des Filmes. Denn er verliert besonders im Mittelteil streckenweise stark an Tempo und schafft es nicht, die großartige Stimmung des Anfangs aufrecht zu erhalten. Doch dies liegt nicht nur am Verzicht auf die Interviews. Ist Sweet and Lowdown zu Beginn noch sehr witzig, verschwindet der Humor systematisch beinahe ganz, was trotz der bewussten Zunahme von tragischen Elementen nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Wenn, dann ist nur noch ein sehr feiner, leiser Humor, der sich fast ausschließlich aus dem eigenwilligen Charakter der Figur Emmet Ray ergibt, erkennbar. Gegen Ende dreht der Film noch einmal auf und überzeugt mit ausgesprochen originellen Einfällen.
Bei der Wahl seiner Darsteller erwies Woody Allen einmal mehr großes Geschick und fand mit Sean Penn (U-Turn) einen Schauspieler, der fast schon überraschend gut auf die Rolle des egomanischen Künstlers passt. Natürlich musste Penn schon 1999 nichts mehr beweisen, aber dennoch sei lobend erwähnt, dass er es eindrucksvoll schafft, den Film zu tragen. Doch es ist nicht Penn alleine, der überzeugt, viel mehr weiß der gesamte Cast durchgehend zu gefallen und streckenweise wahrhaftig zu begeistern. Während Uma Thurman (Kill Bill - Volume 1) in der Rolle von Rays Affäre Blanche fast schon etwas zu kurz kommt, ist es Samantha Morton (Minority Report) die in der Qualität ihrer Darstellung locker mit Penn mithalten kann und mit ihren damals zweiundzwanzig Jahren ihre anspruchsvolle Rolle als stumme, naive Geliebte überzeugend verkörpert.
Auch wenn es sich bei Sweet and Lowdown um einen hervorragend gespielten und technisch sehr anspruchsvoll inszenierten Film handelt, gewinnt er vor allem durch die großartige Musik zusätzlich stark an Qualität. Dabei stammen die Gitarrenklänge Emmet Rays in Wahrheit von dem kalifornischen Jazz-Gitarristen Howard Alden der die Stücke speziell für den Film komponierte. Das Gesamtpaket ist also absolut sehenswert.