Eine der beliebtesten Figuren der Shrek-Reihe bekommt einen eigenen Kinofilm: Der gestiefelte Kater. Auch wenn diese Version mit der ursprünglich aus einem Grimm-Märchen stammenden Figur absolut nichts mehr zu tun hat, überzeugt der Streifen auch als komplett eigenständige Interpretation eines Katers mit Stiefeln, der sich in bester Zorro-Manier durchs Leben schlägt. Für Kinder ein absolutes Highlight, filmerfahrene Erwachsene werden sich jedoch häufig an der oft an den Haaren herbeigezogenen, vorhersehbaren Story stoßen. Dafür werden sie aber mit gelungenen Gags, einigen wahnsinnig niedlichen Szenen und insgesamt solider Unterhaltung entschädigt.
Mit der Märchenfigur der Gebrüder Grimm hat der spanische Casanova-Kater aus Chris Millers Animationsfilm Der gestiefelte Kater nicht mehr viel gemeinsam. Aber da es sich hier um eine der beliebtesten Figuren aus dem Shrek-Universum handelt und damit natürlich eine enorme Freiheit in der Gestaltung dieses Charakters verbunden ist, geht das in Ordnung. Wichtig ist nur, jüngeren Zuschauern in irgendeiner Form den Unterschied klar zu machen, da sie sonst verwundert versuchen werden, die Geschichte der Gebrüder Grimm zu korrigieren - schließlich ist diese nicht halb so actionreich, und süße Kätzchen vernaschen darf der Kater im Originalmärchen auch nicht.
Wie in den Shrek-Filmen wurden auch in Der gestiefelte Kater verschiedene Märchen miteinander verknüpft, was leider nicht immer gut gelungen ist. Denn die einzelnen Elemente sind recht lieblos zusammengefügt und transportieren den Zuschauer nur von einer Actionszene zur nächsten. Diese gibt es dann auch wirklich reichlich zu sehen, was dem ein oder anderen sicherlich ein wenig zu viel wird. Dennoch sind diese Szenen gelungen und besonders der 3D-Effekt wurde hier wirklich vorbildlich genutzt. In Erinnerung bleibt vor allem eine Verfolgungsjagd zu Beginn, die zu den absoluten Highlights des Films gehört.
Erfahrene Filmfreunde werden recht schnell die absolut standardmäßig aufgebaute Dramaturgie wiedererkennen und sowohl Zeitpunkt als auch Art jeder Wendung schnell durchschauen können. Zu oft hat man derartige Handlungsabläufe schon gesehen, als dass für Überraschungsmomente Platz bliebe. Jüngere Zuschauer dürfte die vorhersehbare Handlung sicherlich weniger stören und so sind diese vielleicht von einigen Konflikten und Wendungen überrascht, weswegen dieser Kritikpunkt nicht für alle Zuschauer problematisch ist. Dennoch gewinnt Der gestiefelte Kater mit seiner erzwungenen Story sicherlich keinen Blumentopf. Wirklich gelungen ist in diesem Zusammenhang nur eine Szene, in der sich der Kater an seine Kindheit im Waisenhaus und seine Beziehung zu Humpty Dumpty erinnert. Leider nervt dieser (in Deutschland zudem recht unbekannte) Humpty Dumpty, ein Ei mit Gesicht, jedoch gewaltig und ist nicht halb so interessant wie der gestiefelte Kater oder sein weibliches Gegenstück, die für eine animierte Katze erschreckend attraktive Kitty Softpaws.
Der gestiefelte Kater ist nach wie vor eine tolle Figur. Er ist cool, vielleicht nicht so cool wie ein Rango, aber auf jeden Fall cool genug, um mit ihm eine Menge Spaß zu haben. So trägt er den Film von Gag zu Gag und von Actionszene zu Actionszene. Es gibt viele liebevolle Details und einige schöne Einfälle zu sehen, sodass am Ende nur die Story und die Figur des Humpty Dumpty als Wermutstropfen bleiben. Kurzweilige Unterhaltung ist aber auf jeden Fall garantiert und viel mehr wird wohl auch kaum jemand erwarten, wenn er sich entscheidet, sein Geld in eine Karte für diesen Streifen zu investieren.