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Bedways

(Bedways, 2010)

Dt.Start: 03. Juni 2010
DVD: 04. März 2011
Premiere: 21. Februar 2010 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 16 Genre: Erotik
Länge: 76 min Land: Deutschland
Darsteller: Miriam Mayet (Nina Bader), Matthias Faust (Hans Alexander Dahn), Lana Cooper (Marie Traunstein), Laura Tonke (Luise Walther), Arno Frisch (Max König), Moritz Ross (Georg Reitzenstein), Helge-Björn Meyer (Türsteher)
Regie: Rolf Peter Kahl
Drehbuch: Rolf Peter Kahl


Inhalt

In einem heruntergekommenen Apartment in Berlin Mitte probt Regisseurin Nina für ihren Film. Marie und Hans Alexander sollen zusammen Sex vor der Kamera haben, ein ausgearbeitetes Drehbuch existiert nicht. Realität und Fiktion verschwimmen ineinander und bei dem Trio offenbart sich ein ungeahntes Spannungsverhältnis.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Bedways hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 77%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Lutz Granert
Bedways hat eine Wertung von 77%
Eine leer stehende Berliner Wohnung und zwei Protagonisten, welche die Vision einer nach Erkenntnis strebenden Regisseurin verwirklichen: Bedways ist in seiner Kargheit ein selbstreflexives Experiment, auf das man sich einlassen muss - aber genau wenn der Zuschauer das tut, gelingt es.

Bild aus Bedways Die Idee des Films im Film ist spätestens seit Godards Die Verachtung und Fellinis Achteinhalb (beide 1963) im europäischen Autorenfilm zu finden. Der Entstehungsprozess eines Films im Film wird thematisiert, das Gemachte und Künstliche hinter dem Film, der sich Jahrzehnte allen unmittelbaren Verweisen auf seinen technischen Produktionsprozess entledigt hat, wird sichtbar. Das, was dem Zuschauer im klassischen Hollywood verborgen blieb - wenn man einmal von Spielereien wie Singin' in the Rain absieht, die jedoch fernab der Selbstreferenz auf ein Stück Filmgeschichte rekurrieren.

Unter diesem Siegel des europäischen Autorenfilms passt Bedways wie die Faust aufs Auge - und ist doch wie ein Schlag ins Gesicht des Publikums. Jenes Publikums, dessen Kunstgeilheit sich aufgrund solcher "realistischen" Arthouse-Filme wie Intimacy und 9 Songs in den letzten Jahren um die Kunst erleichtert hat. Der Sex in seiner naturalistischen, "echten" Darstellung rückte dabei stark in den Fokus der Kameraobjektive wie des Publikumsinteresses, während zugleich der Produktionsprozess des Filmprojekts trotz der etablierten Digitalästhetik wieder verborgen wurde. Rolf Peter Kahl vereint mit Bedways diese beiden Formen des filmischen Exhibitionismus und fragt nach dem State of the Art des sich verkopft gebenden, intellektuell immer weiter vom Mainstream entfernenden Autorenfilms. Das ist anstrengend, das ist anmaßend, das ist radikal, das ist respektlos - und trotzdem beeindruckend.

Eine rahmende Masturbationsszene gibt das nahezu unanständig hohe Interesse seines Werks weniger an einem Diskurs um Sexualität als vielmehr ihren Auslebungsformen vor, bevor noch während des Vorspanns das Credo Flesh is the Law in einem Song der Band Mypark ausgerufen wird. Das Credo freilich, unter welchem Regisseurin Nina (Miriam Mayet) ihr assoziativ-aktionistisches, nicht weiter überlegtes Filmprojekt realisieren will. Budgetkalkulationen und Drehbuch benötigt sie nicht ("Ich weiß, was ich will - das reicht."), die antreibende Kraft ist ihr Trieb. Ihr Film habe den Sinn, zu sehen, wie Hans-Alexander (Matthias Faust) und Marie (Lana Cooper) miteinander schlafen, wie ein Dialog entlarvt. Der von Laura Mulvey examinierte Sexismus im Blick der Kamera, der skopophile Bedürfnisse befriedigt, erfährt in Bedways seine radikale Überhöhung. Wie bei Mulvey kommt es zur Dopplung der Lust am (Zu-)Schauen durch Ninas Wunsch, angesehen zu werden. Dabei sitzt sie vor einem Videoschirm und masturbiert - die Rahmung von Bedways und gleichzeitig jene Spiegelung des Voyeurismus durch den Filmzuschauer, dem nach intellektueller Stimulation durch die körperliche auf der Leinwand dürstet.

Das sich gegen jede Genreeinordnung sträubende Werk spielt mit der Attitüde seiner filmischen Artgenossen, indem es eine ganze Bandbreite jener als intellektuell bis prätentiös verschrienen Elemente des Autorenfilms implementiert. Seien es die Einteilung in Kapitel und mit längeren Schwarzblenden illustrierte Szenenübergänge auf der filmtechnischen, seien es nahezu leere, durch fehlende Tapete unwirtliche Räume als Schauplatz und radikal verknappte Dialoge auf der inhaltlichen Ebene. Bei letzteren reihen sich fragwürdige Leitgedanken zum Filmprojekt an oberflächliche Nichtigkeiten, ähnlich jenen, die Paare in der Endphase ihrer Beziehung miteinander austauschen. Keinerlei Charakterzeichnung findet statt, keinerlei Rückschlüsse auf das unsichtbare Innenleben ist möglich, weil am Ende doch nur das sichtbare Außenleben - der mit sexuellen Reizen behaftete Körper in all seinen Variationen - zur Schau gestellt wird, bevor mit einem Foucault-Zitat die "Neugier auf den Sex" vor Augen geführt wird. An diesem Punkt fühlt sich der Zuschauer ertappt, weil ihm der Spiegel vorgehalten wird. Ein Spiegel, der zugleich Blendwerk ist, vorgibt, intellektuelle Bedürfnisse zu befriedigen, doch nur mit der medial allgegenwärtig kolportierten Lust auf nackte Haut kokettiert. Auch dafür ist in Bedways innerhalb von zwei Szenen eine eindeutige Repräsentation zu finden.

Wenn in der kalten, betont subversiven Inszenierung dieses Low-Budget-Films ab und an einmal nicht mit dem europäischen Kunstkino abgerechnet wird, hat Bedways seine schlechtesten Momente, die in seinem bemühten Ästhetizismus beschämend an einen Amateurfilm erinnern. Doch über weite Strecken ist dieses sperrige Werk beeindruckend in seiner radikalen Konsequenz, widerlich in seiner emotionalen Distanziertheit, verstörend und verärgernd in seiner inhaltlichen Reduziertheit - also: schlicht brillantes, negiertes Autorenkino.



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Dt. Start: 07. Juni 2001
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