Spätestens seit dem Überraschungserfolg Hangover kennt man Ed Helms als verweichlichten Waschlappen, der aber gerne einmal über die Stränge schlägt. In Willkommen in Cedar Rapids schlüpft er in eine ähnlich angelegte Rolle und kann neben John C. Reilly und Anne Heche für einige Lacher sorgen. Der Film punktet hauptsächlich aufgrund seiner skurrilen Charaktere und deren absurdem Verhalten. Wenn man sich davon nicht abschrecken oder nerven lässt, kann man durchaus einen vergnüglichen Abend in Cedar Rapids verbringen.
Versicherungsvertreter sind nicht unbedingt das, was man gemeinhin als "cool" oder "angesagt" bezeichnen würde. Ganz im Gegenteil. Ein Versicherungsvertreter genießt meist wenig Ansehen und muss sich noch mit vielen weiteren negativen Eigenschaften bezeichnen lassen. Umso skurriler die Tatsache, dass genau diese Berufssparte in Miguel Artertas Komödie die Hauptrolle spielt und sich als wahrer Partygarant darstellt.
Dabei haben wir es natürlich mit ganz besonderen Exemplaren zu tun: Allen voran Tim Lippe, ein Kleinstadttrottel wie er im Buche steht. Er hat die bescheidenen Grenzen von Brown Valley noch niemals überschritten, pflegt eine Affäre mit seiner ehemaligen Lehrerin (Sigourney Weaver) und hat im Leben bisher noch nicht viel erreicht. Ausgerechnet diese Ansammlung von Naivität und Unsicherheit wird von seinem Boss auf den alljährlichen Kongress der Versicherungsvertreter nach Cedar Rapids geschickt. Damit wird bereits der Vorgang des Eincheckens im Tagungshotel zu einem riesigen Spaß. Dass Ed Helms diese Art von Charakter hervorragend und glaubwürdig verkörpern kann, hat er bereits in Hangover bewiesen und kann das mit seiner Darbietung in Willkommen in Cedar Rapids noch untermauern. Er spielt seinen Tim Lippe liebenswert naiv und glaubwürdig, so dass man selbst über die absurdesten Aktionen noch lachen kann.
Doch auch seine Kollegen stehen ihm in nichts nach. John C. Reilly als abgehalfterter Partylöwe, der scheinbar immer auf Hochtouren läuft, bietet eine Freakshow vom feinsten und zieht den armen Tim einfach mit. Aber auch Anne Heche passt gut ins Team: Sie ist auf Spaß und Feiern aus, bietet aber gleichermaßen den ruhenden weiblichen Ausgleich zu der Männertruppe. Zu Hause in Brown Valley fungiert Sigourney Weaver als ehemalige Lehrerin, jetzt Geliebte und Mama-Ersatz für Tim als Ankerpunkt, der ihm in manch schwieriger Situation mit Rat und Tat zur Seite steht.
Die Geschichte in Willkommen in Cedar Rapids ist erwartungsgemäß flach und, abgesehen von der Tatsache, dass wir uns auf einem Kongress von Versicherungsvertretern befinden, wenig innovativ. Tim durchläuft natürlich eine Art Prozess des Erwachsenwerdens, der von Party, Alkohol- und Drogenexzessen und weiteren Peinlichkeiten begleitet wird. Doch dank der gut definierten und glaubhaft dargestellten Charaktere, fällt dieses Manko weniger stark auf. Ist man sich dieser Tatsache bewusst und lässt sich auf die skurrilen und chaotischen, wenig ernst zu nehmenden Charaktere und deren Handlungen ein, so kann man einen amüsanten Abstecher nach Cedar Rapids wagen und sich freuen, dass man selbst nicht so bescheuert ist.