Arthur und die Minimoys 3 - Die große Entscheidung ist ebenso wie seine Vorgänger ein Sammelsurium gut geklauter Ideen. Technisch auf Augenhöhe mit vergleichbaren Hollywood-Produktionen fehlt es zudem durchweg an Spannung und eigenen Einfällen. Aber obwohl beinahe jede Szene irgendwie abgekupfert wirkt, weiß Luc Bessons dritte Verfilmung der französischen Kinderbuchreihe als bunter Wirrwarr ohne gehobenen Tiefsinn zu unterhalten.
Nachdem der böse Maltazar am Ende des zweiten Teils die Erdoberfläche erreicht hat und zu menschlicher Größe gewachsen ist, beginnt er die Suche nach seinem Feind Arthur, der derweil noch mit den Minimoys einen Plan ausheckt ihn schlussendlich zu besiegen. Es dauert nicht lange und man entscheidet sich, das Vergrößerungs-Elixier von Arthurs Großvater aufzutreiben, um dem griesgrämigen Bösewicht Paroli zu bieten. Dieser hat jedoch bereits den Menschen der Kleinstadt den Krieg angesagt.
Dass sich seit dem zweiten Teil kaum etwas an Bessons Art der Erzählung geändert hat, dürfte die kleineren Zuschauer nicht sonderlich stören. So sind es nach wie vor schrullige Wesen und magische Welten, die diese Generation bestens unterhalten dürften. Dass dabei zuweilen Sinn und Verstand auf der Strecke bleiben und teils unecht und billig wirkende Kulissen das Bild dominieren, dürfte eher Dorn im Auge der Erwachsenen sein. Allgemein hängt sich der Film nicht weiter an Logiklücken auf und folgt einem sehr vorhersehbaren roten Faden.
Neben einer humorvollen Anleihe bei Star Wars wurde sich besonders dreist bei Animationsfilmen wie Toy Story oder Antz bedient. Besonders hervorstechend ist jedoch auch die Ähnlichkeit mit der Kinderliteratur "Kleiner König Kalle Wirsch", die scheinbar das Grundkonstrukt des gesamten Films bildet. Gemischt mit einer halbherzigen Umweltmoral ergibt sich ein typisch gehaltloser Mainstreammischmasch, der unter seinem Potenzial bleibt. Spannungs-Limbo und die eigene Naivität führen zu einem Tauziehen zwischen Quantität und Qualität, wobei die Quantität im Laufe des Films deutlich an Kraft gewinnt.
Es lassen sich aber auch einige nennenswerte Dinge hervorheben. So wird in der "Amtsansprache" des Bösewichts sehr gut sein diktatorisches Motiv herausgearbeitet. Wenn er von einer "braunen Welt" redet, deutet dies zwar auf die Farbgebung seiner Anhänger hin, verweist jedoch ebenso klar auf die Nationalsozialistische Gewaltherrschaft und erschließt dadurch im Gesamtkontext des Films eine halbwegs herausstechende Gesamtmoral. Neben Respekt gegenüber anderen Individuen warnt der Film damit vor blinder Gefolgschaft und totalitären Regimen, wenngleich dieses Motiv eben nur eine relativ geringe Stellung in dem kunterbunten Gewusel einnimmt.
Trotz vieler Kritik macht Bill Kaulitz seine Sache als Synchronsprecher gut, um das zu hören und zu ertragen muss man in diesem Fall kein Tokio Hotel Fan sein. Im Gegensatz dazu wirkt die Synchronisation des Films insgesamt teilweise etwas holprig, vor allem in einigen Nebenrollen. Ansonsten ist die optische Ähnlichkeit von Maltazar und den Mangalores aus Bessons Das Fünfte Element wahrlich unverkennbar. Zudem liefert der Film vorab im Intro für diejenigen, die die beiden Prequels nicht gesehen haben, eine Zusammenfassung der bisherigen Handlung. Eine Herangehensweise, wie man sie in der Art bei anderen Reihen schon das ein oder andere Mal vermisst hat.
Der "Krieg zwischen zwei Welten", wie es der französische Titel behauptet, findet nur in den letzten Minuten statt und ist somit etwas unspektakulär angelegt. Außer einigen Explosionen und ein paar Flugmanövern hat das Ende nicht sonderlich viel Käferkrieg zu bieten. Auch wirkt die kleine Heimatstadt Arthurs in der Welt der Menschen recht künstlich und klein, wodurch der lang eingeläutete Endkampf zu einer Art Freizeitpark-Stuntshow vor bonbonfarbener Spanplattenkulisse verkommt. Auch lassen sich hier deutlicher als noch bei einer klaren Trennung beider Welten die kantigen Übergänge des Greenscreens entdecken. Das ist aber eher selten der Fall. Meist fügen sich die Figuren nahtlos in die reale Kulisse ein und die Effekte stehen Hollywood in nichts nach.
Trotz allen Ungereimtheiten weiß Besson mit dem dritten Teil seiner Arthur-Sage eine für Kinderaugen weitgehend glaubhafte Geschichte zu erzählen. Arthur und die Minimoys 3 - Die große Entscheidung ist zwar bei weitem kein moralisch oder pädagogisch äußerst wertvoller Film, und vor dem Hintergrund der Geldmacherei mit solchen Fortsetzungen durchaus mit Skepsis zu sehen. Letztendlich ist er aber deutlich für die Kleinen ausgelegt und bietet reines Popkorn-Mainstream Kino, das auf einfachste Art und Weise zu unterhalten versucht und es dabei aber schafft, einige magische Momente auf die Leinwand, beziehungsweise hierzulande "nur" auf den heimischen Bildschirm, zu zaubern.