Es ist ein interessantes Stück Filmgeschichte, welches Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague anschaulich beleuchtet. Doch bleiben fernab zahlreicher Dokumente und Filmausschnitte neue Erkenntnisse und eine psychologische Durchdringung für Kenner der Materie weiterhin im Schatten.
Die Freundschaft und das Verhältnis zweier prägender Gestalten der Nouvelle Vague und wie sie sich entfremdet haben. Ein Stück Filmgeschichte, das in den Redaktionsfluren der Filmzeitschrift Cahiers du cinéma begann und sich schließlich neben der Zerstrittenheit der Beteiligten in der Bedeutungslosigkeit der kleinen Programmkinos verlor. Die Dokumentation Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague hegt hohe Ansprüche, will anhand der Sezierung eines persönlichen Verhältnisses die Ästhetik und Aufbruchstimmung einer ganzen Epoche einfangen. Dass dieses Vorhaben letztlich scheitert, ist nicht verwunderlich.
Regisseur Emmanuel Laurent suchte zwar fleißig Bild- und Interviewmaterial zusammen, montierte unzählige Filmausschnitte aneinander, schafft es aber nicht, Francois Truffaut und Jean-Luc Godard nahe zu kommen. Natürlich wird Truffauts elegant-verspielter Leichtfüßigkeit die radikal-kritische Strenge von Godard gegenüber gestellt, doch eine Reflexion dieser inhaltlichen Divergenz erfolgt ebenso wenig wie ein Einblick in das Innenleben der beiden großen Persönlichkeiten des französischen Kinos.
Viel lieber käut die Dokumentation die bekannte und dankbare Anekdote von Jean-Pierre Léaud wieder. Dieser diente Truffaut in seinen zahlreichen Rollen als "Antoine Doinel" als Alter Ego, gleichzeitig wurde er jedoch auch von Godard in zahlreichen Filmen besetzt. Er war der Sohn zweier Väter, die auf unterschiedlichen Pfaden zu ihrem letztlich sehr unterschiedlichen Stil des Filmemachens fanden. Zu Beginn waren beide jedoch der Neuartigkeit und Radikalität von realistischen Stoffen verpflichtet. Truffaut diente der Kinoreformbewegung mit dem Erfolg von Sie küssten und sie schlugen ihn auf den Filmfestspielen 1959 in Cannes als Initialzünder, Godard mit gewagten ästhetischen und selbstreflexiven Experimenten (Außer Atem, 1960) als Vorantreiber.
Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague liefert einen faktenreichen und auch leicht zugänglichen Einblick in die französische Filmgeschichte der 60er Jahre mit Fokus auf die beiden Regisseure. Als filmgeschichtlicher Nadelstich wird ein guter Überblick gegeben, für einen Mehrwert bei der Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsgegenstand fehlt jedoch schlicht die Tiefe. So ist es auch kein Wunder, dass das Schlussbild mit einem mystisch aufgeladenen Off-Kommentar belegt wird, in dem auf die Verweigerung einer eigenen psychologischen Deutung noch explizit hingewiesen wird.