Azur und Asmar Poster

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Azur und Asmar

(Azur et Asmar, 2006)

Dt.Start: 07. April 2011 Premiere: 21. Mai 2006 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: nicht bekannt Genre: Abenteuer, Animation
Länge: 99 min Land: Frankreich, Belgien, Spanien
Darsteller: Cyril Mourali (Azur), Karim M'Riba (Asmar), Hiam Abbass (Jenane), Patrick Timsit (Crapoux), Rayan Mahjoub (Azur, erwachsen), Abdelsselem Ben Amar (Asmar, erwachsen), Fatma Ben Khell (Prinzessin Chamsous Sabah), Tissa Bensalah d'Avila (Fee der Djinns), Sofia Boutella (Fee der Elfen), Olivier Claverie (Yadoa), Jacques Pater
Regie: Michel Ocelot
Drehbuch: Michel Ocelot


Inhalt

Der blonde, blauäugige Azur und der dunkelhäutige Asmar werden gemeinsam von Jénane großgezogen. Sie hören von ihrer Ziehmutter immer wieder die Geschichte einer geheimnisvollen, in Gefangenschaft gehaltenen Fee, die darauf wartet, von einem Prinzen befreit zu werden. Ihre Wege trennen sich, als Azurs Vater Jénane und Asmar verbannt und seinen Sohn zu einem Privatlehrer in die Stadt schickt. Jahre später macht sich Azur auf die Suche nach der Fee und trifft dabei Asmar wieder. Schnell wird deutlich, dass zwischen den einstigen Seelenverwandten eine heftige Rivalität entstanden ist.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Azur und Asmar hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 85%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Harald Witz
Azur und Asmar hat eine Wertung von 85%
Nach den Kiriku-Filmen kehrt Frankreichs Animationsfilm-Meister Michel Ocelot mit einem wunderschönen Märchen wie aus Tausend und eine Nacht in unsere Kinos zurück.Im Mittelalter wachsen ein afrikanischer und ein europäischer Junge wie Brüder bei der Amme auf, bis der Burgherr sie trennt und die Amme und ihren Sohn fortschickt. Als Erwachsene kreuzen sich ihre Schicksale wieder, weil sie beide um die Gunst der schönen Fee der Dschinn buhlen. Trotz vieler Filmpreise hat es fünf Jahre gedauert, bis die wunderschöne Filmerzählung für Kinder und Erwachsene endlich den Weg in unsere Kinos gefunden hat.

Bild aus Azur und Asmar Nicht-amerikanische Animationsfilme haben es in Deutschland schwer. Selbst die Filme von Japans Meisterregisseur Hiyao Miyazaki aus dem Studio Ghibli finden nicht immer den Weg in unsere Kinos. Tomm Moores und Nora Twomys Oscar-nominiertes Brendan und das Geheimnis von Kells wartet seit zwei Jahren auf eine deutsche Auswertung. Und Michel Ocelots meisterliches Azur & Asmar (2006) hat es trotz Preisen auf deutschen Kinderfilmfesten sogar erst mit fünf Jahren Verspätung in unsere Kinos geschafft.

Dass das so liebevoll gestaltete und visuell so ungewöhnliche Werk in die Kinos gehört, merkt man spätestens an den Reaktionen der großen und kleinen Zuschauer: Mit strahlenden Gesichtern verließen sie den Kinosaal beim Filmfest München und sprachen dem Werk begeistert den Publikumspreis des Kinderfilmfestes in München (2007) zu.

Nach zwei Kiriku-Filmen, die in einem schwarzafrikanischen Dorf spielen, wendet sich der französische Animationsguru mit Azur & Asmar dem Orient zu. Ambitioniert und mutig nimmt das Märchen von den zwei eifersüchtigen "Brüdern" Stellung in der aktuellen Integrations- und Islamdebatte, ohne oberlehrerhaft den Kindern eine Meinung überzustülpen.

Ocelot entführt zunächst ins Mittelalter auf eine südfranzösische Burg, wo die afrikanische Amme Jénane den Sohn des Burgherrn gemeinsam mit ihrem eigenen Sohn aufzieht. Der blonde Azur und der dunkle Asmar wachsen wie Brüder auf, ohne Berührungsängste vor der Kultur und den Sitten des anderen. So ist auch der blonde, blauäugige Azur von der Sage über die Fee der Dschinns begeistert, die Asmars Mutter erzählt. Azurs Vater ist von dem heidnischen Unsinn aber entsetzt, engagiert für den Sohn einen Hauslehrer und schickt die Amme mit ihrem Sohn fort.

Die sagenumwobene Fee lässt Azur nicht los, und als Erwachsener macht er sich auf, sie zu finden. Doch der junge Mann erleidet Schiffbruch in einem unbekannten Land und muss wegen seines europäischen Aussehens Angst haben, von den arabischen Einheimischen angegriffen zu werden. Auf Rat eines heruntergekommen Landsmannes verkleidet sich Azur deshalb als blinder Bettler, bis er in einer großen Stadt unvermutet auf Jénane und Asmar trifft. Die frühere Amme ist eine erfolgreiche Kauffrau geworden und der Bruder als Hauptmann der Palastwache ein Held.

Auch Asmar hat die Geschichten seiner Kindheit nicht vergessen und sehnt sich danach, die Fee zu finden und für sich zu gewinnen. So werden die Brüder zu Rivalen, die, ausgerüstet von der Mutter, ins Ungewisse aufbrechen, um ihre Sehnsucht zu stillen. Es ist eine Reise voller Abenteuer und Wunder, aber auch Gefahren. Und diese schweißen die beiden brüderlichen Konkurrenten wieder zusammen...

War Kiriku und die Zauberin noch von der Exotik Zentralafrikas geprägt, so entfaltet Michel Ocelot für die Kinogänger nun die ganze bunte Pracht des Orients. Arabisch-islamische Architektur, Mode und Kultur lassen die magische Bild- und Formensprache der Erzählung förmlich explodieren. Dieser staunenswerte, visuelle Bilderbogen allein ist das Eintrittsgeld wert. Dennoch bleibt Ocelot seinem schnittartigen Animationsstil treu, sodass seine Visionen auch die jüngsten Fans nicht überreizen. Vielmehr sorgen klare Strukturen und Formen sowie eine ruhige Erzählweise ohne hektische Schnitte für ein großes Sehvergnügen.

Ocelots allegorische und dennoch spannende Erzählung spannt mit manch kleinem Zitat den Bogen bis in die Moderne. So verbeugt sich der Franzose bei der Kreation des Inneren des Feenpalastes vor Douglas Fairbanks' Stummfilmklassiker Der Dieb von Bagdad. Und auch das Remake von 1940 oder Arabische Nächte (1942) finden ihren Niederschlag.

Doch Ocelot stellt klar, dass über allem die Fabel von der Toleranz steht. In klaren, einfachen Bildern stellt er rassistische und religiöse Vorurteile bloß. Und feiert ausgelassen die Verbrüderung der Menschheit, wenn Azur und Asmar gemeinsam ihr Glück finden. Erwachsene wie Kinder jeder Altersstufe, vor allem aber die Fans von Kiriku werden von dem universalen Märchen begeistert sein. Es ist deshalb auch kein Wunder, dass sowohl Pixars John Lasseter als auch Ghibli-Magier Miyazaki persönlich den internationalen Vertrieb des Meisterwerkes gefördert haben.



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