Bilder sind ein wichtiges Medium der Berichterstattung. Sie visualisieren und geben ein Gesicht, fangen dabei aber meist nur einen Moment einer Geschichte ein. Dabei können Fotos manchmal sehr viel stärkere Botschaften vermitteln, als es geschriebener Text oder kommentierte Bewegtbilder vermögen. Für solch einen "perfekten Schuss" begeben sich Fotojournalisten mitten hinein in Kriegsgebiete und Krisenherde, fotografieren und dokumentieren die Geschehnisse. Dass sie dabei nicht immer nur eiskalte und unbeteiligte Beobachter bleiben, visualisiert der Film The Bang Bang Club nach einer wahren Begebenheit und unter Mithilfe zweier Beteiligter. Das rüttelt auf und regt zum nachdenken an, da dem Zuschauer ein anderer Blickwinkel ermöglicht wird.
Wir sind es heutzutage gewohnt, grausame oder spektakuläre Bilder zu sehen, seien es Fotos oder Videoaufnahmen. Wir sehen deren Inhalt, wenden uns ab oder sind gefesselt und fasziniert. Doch woher derartige Aufnahmen stammen, dass es immer eine Person geben muss, die die Linse draufhält und den Auslöser betätigt, daran wird selten ein Gedanke verschwendet. The Bang Bang Club stellt genau diese Individuen hinter der Kamera in den Mittelpunkt seiner Geschichte und kann damit eine etwas andere Perspektive auf die Unruhen der 90er Jahre in Südafrika, die dem Ende der Apartheid voraus gingen, ermöglichen.
Greg Marinovich, Kevin Carter, Ken Oosterbroek und Joao Silva sind Fotografen. Sie dokumentieren die Grausamkeiten in Südafrika und schicken ihre Bilder hinaus in die Welt. Dazu müssen sie sich mitten hinein begeben in die Unruhen und Kampfhandlungen, nicht selten unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Was zu Beginn des Films noch äußerst befremdlich wirkt - Fotografen, die zwischen zwei sich feindlich gegenüberstehenden Menschenmassen stehen und fotografieren - wird schnell zum normalen Alltag dieser Berufssparte. Dabei wird im weiteren Verlauf klar, welchen Preis die vier Männer für ihre Arbeit zahlen müssen. Dass es gerade die Bilder sind, die ihnen einen Pulitzer Preis eingebracht haben, die Greg und Kevin an den Rande ihrer Belastbarkeit treiben, ist hierbei das stärkste Indiz dafür. Obwohl der Film mitten im Geschehen einsetzt und nicht viel Zeit vergeht, bis Greg in eine brenzlige Situation gerät, dauert es einen Moment, bis man die Beweggründe und das Innere der Fotografen verstehen und deuten kann. Während zu Anfang zumindest die drei bereits seit längerem in Südafrika tätigen Kollegen Kevin, Ken und Joao noch äußerst entspannt und fast kaltblütig wirken, geben sie im weiteren Verlauf immer mehr von ihrem Seelenleben preis, exemplarisch hierfür stehen Greg und Kevin, auf denen der Fokus der Erzählung liegt.
Entstanden ist der Film auf der Basis des Buches, das Greg Marinovich und Joao Silva nach ihren Erlebnissen in Südafrika geschrieben haben. Sie waren auch am Set des Drehs zu The Bang Bang Club anwesend und berichteten den Filmemachern persönlich von ihren Erlebnissen. Das macht die Tatsache, dass nicht Joao sondern Kevin eine zentrale Rolle im Film neben Greg einnimmt, etwas befremdlich. Ken und auch Joao spielen eine weniger präsente Rolle, wodurch man über sie auch nicht sonderlich viel erfährt.
In diesem Punkt wirkt die Inszenierung grundsätzlich unausgewogen, da der Fokus stetig zwischen Kevin und Greg wechselt. So fügt sich auch die Geschichte um das Foto, für das Kevin mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde, nicht ganz rund in die sonstige Handlung ein, da es eine Aufnahme ist, die er im Sudan geschossen hat. Aus diesem Seitenstrang entwickelt sich zwar im weiteren Verlauf ein wichtiger Aspekt, doch grundsätzlich wirkt die Handlung an dieser Stelle fehl am Platz und lässt den Gesamteindruck unstetig wirken. So auch in weiteren Szenen, die irgendwie relevant sind, aber viel zu kurz gehalten werden, um überhaupt eine Bedeutung zu bekommen. Dies lässt Zweifel über die Notwendigkeit dieser Nebenhandlungen aufkommen und die gesamte Erzählung etwas holpern.
Doch trotz dieser Kritikpunkte bleibt The Bang Bang Club eine gute Inszenierung eines durchaus spannenden Themas. Sie wirft den Zuschauer mitten ins Geschehen und man fragt sich nicht nur einmal, was das für Menschen sein müssen, die solch einen Job machen. Auch wirft sie die Frage auf, ob Fotografen und Journalisten im Allgemeinen wirklich nur neutrale Beobachter sein können oder nach dem Schuss auch ganz normale Menschen sind, die Leid nicht nur dokumentieren, sondern auch in die Situation einschreiten. Der Film entzieht sich hier, verständlicher- und lobenswerterweise, einer klaren Stellungnahme und entlässt den Zuschauer mit seinen Gedanken und Gefühlen sowie einer geschärften Wahrnehmung was die Kriegsberichterstattung angeht in die Welt.