Mit Burke & Hare präsentiert Regisseur John Landis eine rabenschwarze Komödie im Großstadtmilieu des 19. Jahrhunderts. Andy Serkis und Simon Pegg als unbeholfenes, mordendes Duo schaffen es, den Zuschauer über 90 Minuten hinweg durchweg gut zu unterhalten. Leider zündet nicht jeder Gag und stellenweise kommt etwas Langeweile auf.
Willkommen im Schottland des Jahres 1928. Die Crème de la Crème der Chirurgen sitzt im schottischen Edinburgh und schnippelt zur Erforschung der menschlichen Anatomie an Leichen herum. Doch woher stammen all diese Leichen?
Während Hingerichtete dank eines gerichtlichen Beschlusses an das Königliche College der Chirurgie gehen, sieht sich Professor Robert Knox von der Berkeley School für Anatomie plötzlich mit leeren Operationstischen konfrontiert. Zur selben Zeit befinden sich William Burke und William Hare auf der Suche nach Arbeit. Nachdem ihr letzter Job als "Wundermoos-Verkäufer" schneller den Bach runter ging als gedacht, entdecken sie die Marktlücke des Leichenbeschaffens für sich. Als einer ihrer Untermieter an Altersschwäche stirbt, ergreifen sie die Initiative und verkaufen dessen Leiche an die Berkeley School. Wo viele schon vor ihnen durch Grabschänderei zu Geld gekommen sind, wollen die beiden den Tod anderer Menschen nicht mehr dem Zufall überlassen und sich unabhängig von dem zufälligen, passiven dahinscheiden machen. So sind es bald schon "Unfalltote", deren Körper die Säle der Universitäten füllen.
Die Einleitung des Films ist sehr gelungen. Der Erzähler zeigt dem Zuschauer die örtlichen Gegebenheiten und weist auf die kritische Lage vieler Menschen zu der Zeit hin. Er äußert sich als gesellschaftlich aufgeklärter Mensch und als könnte er keiner Fliege etwas zu Leide tun. Dann steigt er auf das Schafott und zieht den Hebel.
Aber auch das Setting versetzt den Zuschauer wunderbar in die schmutzigen, stinkenden Straßen der schottischen Stadt, und zusammen mit der guten Ausstattung verkörpert der Film die damalige Zeit glaubhaft.
Die Morde sind alles andere als blutig dargestellt und geschehen meist nicht durch die Hände der Protagonisten selbst, sondern zum Beispiel durch fettleibigkeitsbedingten Herzstillstand oder die Bratpfanne aus der Hand von Hares Ehefrau. Zudem werden ihre Morde nicht übermäßig brutal oder psychisch krank dargestellt, sondern wirken eher notgedrungen, entstanden aus der Armut der Charaktere, was das Duo nicht in die Abscheulichkeit der historischen Vorlagen abrutschen lässt und sie bis zum Ende den Sympathien der Zuschauer aussetzt. Ihre Unbeholfenheit in jeglicher Hinsicht lässt von Seiten des Zuschauers nichts übelnehmen und steht im Gegensatz zu der eigentlichen Brutalität und Schonungslosigkeit der Taten.
Stellenweise fehlt dem Film dann leider doch die Bissigkeit anderer britischer Komödien, und die Gesellschaftskritik tritt zu Gunsten einiger Slapstick-Einlagen, von denen die besten bereits im Trailer zu sehen waren, in den Hintergrund. Dafür verliert der Film seinen vorhandenen, wenngleich nicht tiefschwarzen Humor selbst im Abspann nicht. Auch bewahrt sich der Film stets ein gutes Maß an Selbstironie, und die Charaktere verzeihen es, dass man wie bei vielen Komödien dieser Art stellenweise den Witz schon aus weiter Entfernung um die Ecke laufen sieht. Zudem rundet der erzählerische Ringschluss das Werk spürbar ab und hinterlässt einen positiven Gesamteindruck.
Alles in allem eine Komödie, die gerade wegen ihrer Thematik und der unbeholfen mordenden Charaktere Spaß macht. Eine Komödie, die zu dem Ekel der chirurgischen Sezierung eine gute Portion Humor bietet und dadurch wie eine Satire auf die damalige Zeit wirkt, aber leider nicht stringent genug dem schwarzen Humor treu bleibt. Wie Landis bei der Deutschland-Premiere des Films selbst sagte, gibt es bereits viele Verfilmungen des Stoffes um die beiden Mörder und Leichendiebe, jedoch habe keines der anderen Werke den historischen Wahrheitsgehalt dieses komödiantischen Werks, und gerade das lässt die Komödie ins Absurde und zwischenzeitlich humoristisch Treffsichere "abrutschen". Burke & Hare ist mit Sicherheit eine der besseren Komödien dieses Jahres.