Essential Killing lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen: Vincent Gallo als vermutlicher Taliban auf der Flucht durch einen eisigen, verschneiten Wald. Viel mehr passiert nicht. In diesem Zusammenhang wird der Überlebenskampf eines Mannes gezeigt, der bereit ist, skrupellos zu töten und sich rücksichtslos aller Tricks bedient, um selbst am Leben zu bleiben. Vincent Gallo überzeugt auf ganzer Linie und beweist sich einmal mehr als ernstzunehmender Schauspieler. Leider fühlt man zwar, beeindruckt vom Überlebenswillen des Protagonisten, mit dem möglichen Terroristen, das reicht jedoch nicht, um Spannung aufkommen zu lassen oder einen ansprechenden Unterhaltungswert zu schaffen. Die Systemkritik geht größtenteils im verschneiten Wald verloren und der künstlerische Anspruch allein will den Streifen auch nicht tragen. Allein wegen Gallo und dem recht innovativen Ansatz für geduldige Filmfans interessant.
Essential Killing beginnt wie ein Actionfilm oder Polit-Thriller und entwickelt sich recht schnell zu einem Bericht über den Überlebenskampf eines einzelnen (möglichen) Terroristen in lebensfeindlicher Umgebung. Zu den Hintergründen dieser Person (sein Name wird im Film nicht genannt, der offiziellen Inhaltsangabe nach heißt er wohl Mohammed) wird nichts Näheres offenbart, auch er selbst verliert nicht ein Wort, was im Gesamtkontext durchaus Sinn macht, jedoch verhindert, dass der Zuschauer Sympathien für ihn entwickelt oder sich gar mit ihm identifizieren kann. Auch wenn das sicherlich gewollt war, um den Zuschauer unkommentiert in ein moralisches Dilemma zu stürzen, verhindert dies leider auch das Aufkommen von Spannung. Das erwähnte Dilemma besteht natürlich darin, nicht zu wissen, ob man mit einem Terroristen oder einem unschuldig von den im Film prinzipiell als bösartig und dumm charakterisierten Amerikanern Inhaftierten und später von russischsprachigen Sonderkommandos Verfolgten mitfühlt. Alles, was recht schnell klar wird, ist, dass dieser Mann tötet, um selbst zu überleben, wobei er auch Unschuldigen das Leben nimmt und dabei eine Kaltblütigkeit und Routine an den Tag legt, die darauf hindeutet, dass er wahrscheinlich nicht nur ein afghanischer Schafshirte ist.
Handwerklich ist der Film überzeugend umgesetzt. Der Winterwald des nicht näher benannten, aber höchstwahrscheinlich osteuropäischen Landes, in das Mohammed aus unbekannten Gründen gebracht wird, wird als eisig und überlebensfeindlich dargestellt. Es gibt kaum Farben, alles ist in verschiedenen Weiß-, Grau- und Schwarztönen gehalten, was sehr monoton ist und in diesem Fall mit der Zeit auch anstrengend wird. Lediglich Blut fungiert hier als eine Art "optisches Schmankerl". Insgesamt dominiert neben einigen kunstvoll arrangierten Einstellungen - wobei besonders die letzte im Film in Erinnerung bleibt - jedoch eine ermüdende, visuelle Langeweile.
Letzten Endes steht einmal mehr die Frage nach dem Sinn des Ganzen: Als systemkritischer Polit-Thriller will Essential Killing nicht so recht funktionieren; zu unspektakulär, zu knapp angerissen, zu abstrakt und zu bekannt sind die Probleme, mit denen sich der Film beschäftigt. So reduziert sich der Inhalt auf die Flucht und damit auf den Überlebenskampf eines Mannes und ein Spiel mit dem Sympathieempfinden des Zuschauers. Dieser leidet mit dem Verfolgten, was vor allem dem großartigen Spiel Vincent Gallos (The Brown Bunny) zu verdanken ist. Sein Überlebenswille ist fast schon ergreifend, wobei man ihm selbst moralisch nicht vertretbare Handlungen kurzzeitig verzeiht. Das ist sicherlich interessant, jedoch reicht das noch nicht, um den Film zu tragen.
Gesprochen wird insgesamt sehr wenig und größtenteils am Anfang. Interessant hierbei ist, dass in der Originalfassung jedes Wort nur leise und passiv hörbar ist, die deutsche Synchronisation hingegen schreit einem fast schon amateurhaft und unlogisch übersetzt entgegen und kann getrost als misslungen bezeichnet werden. Würde die Synchronisation nicht recht bald bedeutungslos werden, müsste man wohl grundsätzlich von der deutschen Fassung des Filmes abraten.