Für alle die sich beschweren, dass es heutzutage zu wenig Innovationen in der Filmlandschaft gibt: Jetzt kommt Kaboom! Independentfilmer Gregg Araki schuf einen abgefahrenen Film, der nicht nur ständig zwischen den Genres wechselt, sondern zudem einen wilden, rasanten und unvorhersehbaren Drogentrip in der Welt der amerikanischen Collegestudenten zeigt, den man so sicherlich noch nie zu Gesicht bekam.
In der Arthouseszene hat sich Gregg Araki schon eine kleine Fangemeinde aufbauen können. Hauptthema seiner Filme ist oft die sich entwickelnde Sexualität seiner Figuren, die sich als zentrales Thema durch sein Schaffen zieht und mit Mysterious Skin bislang wohl seinen Höhepunkt gefunden hat. In Cannes präsentierte Araki im Jahre 2010 sein neuestes Werk, einen absolut durchgeknallten Film, der wohl keinem Genre wirklich zuzuordnen ist.
Der junge Smith sieht das Collegeleben als eine nicht enden wollende Party. Ob nun im Drogen- oder Sexualrausch; ob männlich oder weiblich spielt dabei keinerlei Rolle; wichtig ist der Spaß! Doch inmitten der alltäglichen Feierlaune hat er immer wieder seltsame Träume, in denen eine Frau von Männern mit Tiermasken gefoltert und ermordet wird. Hinzu kommen noch allerlei Beziehungsprobleme, sowie Geheimnisse und Verschwörungen, die eng mit Smiths Familie verbunden sind.
Kaboom zu beschreiben ist nahezu unmöglich. Noch schwieriger ist es, ihn in ein Genre einzuordnen, denn es handelt sich hierbei um einen wilden Mix aus Science Fiction Trash, Coming of Age Drama, Drogenklamotte und was es nicht alles sonst noch gibt. Auf einen solch abgefahrenen Drogentrip wäre selbst David Lynch stolz gewesen. Dank der sympathischen und gut ausgearbeiteten Charaktere ist die nicht zu durchschauende Geschichte enorm spannend und herrlich kompromisslos anzuschauen... auch wenn sich bei dem konsequenten Ende sicherlich einige der Kinozuschauer vor den Kopf gestoßen fühlen.
Araki inszenierte seinen surrealen Drogentrip in bester Twin Peaks-Manier mit einem Hauch von Brick. Seine wilde und rasante Inszenierung wird dabei stets in knallbunten Farben präsentiert und abwechselnd von rockiger und ruhiger Independentmusik untermalt. Dabei geht es für einen US-Film sehr freizügig zur Sache und nimmt zudem auch in Sachen Gewalt keinerlei Blatt vor den Mund.
Dass die Figuren so gut funktionieren, liegt auch an dem perfekt harmonierenden Darstellerensemble. Nachdem er in der kurzlebigen Terminator-Serie The Sarah Connor Chronicles noch enttäuschte, überrascht Hauptdarsteller Thomas Dekker mit einer hervorragenden Leistung in einer Rolle, die ihm wahrlich auf den Leib geschrieben scheint. Die wirkliche Entdeckung des Filmes ist jedoch die junge Britin Juno Temple, die zwar die dankbarste Rolle spielen darf, in dieser aber vollkommen aufgeht. Die beiden Darsteller werden unterstützt von der wunderbar lakonischen Haley Bennett, der verführerischen Roxane Mesquida und dem etwas tumben Sidekick Chris Zylka, die sich allesamt dem Niveau ihrer Kollegen anschließen.
Brick meets Die Regeln des Spiels und dazu gebe man noch einen Hauch von Twin Peaks und fertig ist dieser einzigartige Genremix, der sich als Fest für alle Sinne erweist. Araki bewegt sich damit einmal mehr abseits des Mainstreams und wird spätestens mit dem Finale sicherlich einige Kinozuschauer vor den Kopf stoßen. Kaboom ist ein echter Geheimtipp, der, wenn man sich denn auf ihn einlassen mag, definitiv das Zeug zum Kultfilm besitzt.