Warum macht Sacha Baron Cohen alias Ali G den Film, den wird uns von den beiden Lokalmatadoren Erkan & Stafan gewünscht haben? Das ist die Frage, die ich mir während seines Films Ali G. Indahouse gestellt habe, sofern ich mich nicht gerade vor Lachen in meinem Sitz verkrümmt habe. Die Antwort ist eigentlich recht einfach und setzt sich aus zwei Faktoren zusammen. Zum einen präsentiert sich die Produktion Ali G. Indahouse deutlich professioneller als der dagegen provinziell anmutende Film Erkan & Stefan gegen die Mächte der Finsternis, was offenkundig auf das Budget zurückzuführen ist. Zum anderen scheint das krasse Potential von Erkan & Stefan zur Neige zu gehen, da die beiden zuletzt einfach zu oft in der Gegend herumstylten. Dagegen kommt Sacha Baron Cohens Figur Ali G nahezu unverbraucht in die deutschen Kinos und kann uns mit seinen flotten Sprüchen, seinen abgedrehten Outfits und seinem Humor zu wahren Lachsalven verleiten.
Der Charakter Ali G ist eine Erfindung von Sacha Baron Cohen, der 1999 in der britischen TV Show The 11 O'Clock Show das erste Mal die Gelegenheit hatte seine Version des krassen Gangsters aus einem Londoner Vorort zu präsentieren. Er tat dies so erfolgreich, dass er schon ein Jahr später seine eigene Sendung Da Ali G Show bekam und bereits mit zwei Preisen bei den British Academy Awards ausgezeichnet wurde. In Deutschland stach uns Ali G erstmals in Madonnas Musikvideo Music ins Auge, bevor er dieses Jahr die MTV Video Music Awards in Frankfurt moderierte. Allerdings konnte er bei der Moderation nur wenig überzeugen. Man sollte Ali G nicht vorschnell als britische Version von Erkan & Stefan abstempeln, da er mehr den amerikanischen Gangster im Mutterland des Fußballs karikiert und da er viel besser mit seiner offensichtlichen Selbstironie zu arbeiten weis.
In der Komödie Ali G. Indahouse verschlägt es unseren einfältigen Helden Ali G, der eigentlich nur seine Gang "West Staines Massive", seine Freundin Me Julie und sein Jugendzentrum zum Leben braucht, in die britische Politik. Zunächst wird er völlig überraschend als Abgeordneter seines Stadtteils Staines ins Unterhaus gewählt, wo er durch seine pragmatischen Vorschläge für Furore sorgt und daraufhin ins Kabinett berufen wird. In der Blüte seiner politischen Laufbahn stolpert er zusammen mit dem Premierminister über eine inszenierte Drogen- bzw. Sexaffäre und schafft es schließlich doch, dem fiesen Finanzminister seinen Plan zu versauen. Wie man sieht ist die Story nicht besonders neu und wenig spektakulär, sie dient einfach dazu Ali G in einem Umfeld zu platzieren, an dem er sich durch sein stupides Wesen möglichst oft reiben kann. Dieses Konzept funktioniert blendend, da es immer wieder eine Freude ist, Ali G in seinen abgedrehten Outfits im steifen britischen Unterhaus, bei weltpolitischen Gipfeln oder bei der Queen zu beobachten.
Im Punkto Humor hat Ali G. Indahouse alles zu bieten, was man zu einer guten Komödie braucht. Zunächst verfügt der Film über einen humorvollen Unterton, der sich aus der Person Ali G, den anderen Charakteren, dem Umfeld und der Handlung zusammensetzt, so dass man fast Mühe hat, das Dauerschmunzeln abzustellen. Dazu kommen ein paar abgedroschene 0815 Kalauer, die aber Dank Ali G teilweise doch zünden, mehrere Witze für die die Floskel "Unter der Gürtellinie" fast schon zu milde ist und ein paar grandios getimte "Blockbuster"-Scherze mit Lachgarantie. Außerdem kommt dem Film zugute, dass er sich in keiner Sekunde ernst nimmt und dies in geeigneten Momenten unterstreicht.
Neben Ali G trifft man die beiden verdienten britischen Schauspieler Michael Gambon und Charles Dance in Ali G. Indahouse an, die sich nicht zu schade waren, jeglichen Blödsinn mitzumachen. Auch die Mitglieder von Ali Gs Gang wurden blendend gecastet und sind allein durch ihren Anblick einen Lacher wert. Die diversen hot Chicks, die uns im Laufe des Films oder in Ali Gs Gedanken begegnen, werden vor allem das männliche Publikum erfreuen. Regisseur Mark Mylod, der mit dem Film sein Kinodebüt feierte, lieferte eine sehr gut getimte Inszenierung und arbeitete je nach Bedarf mit routinierten und flippigen Einstellungen. Alles in allem entstand mit Ali G. Indahouse eine sehr lustige Komödie die einerseits ein wenig das Ghettogehabe karikiert, aber vor allem Sacha Baron Cohens Figur Ali G perfekt in Szene setzt. Wer sich ein breites Humorspektrum vom geschickt gefilmten Autorennen, das sich als 30er Zone nebeneinander herfahren entpuppt, bis hin zum Schweine rammelnden John Major zutraut, der wird sich hier unter Garantie schlapplachen.