Drei Abenteuer der Spy Kids-Reihe hat Robert Rodriguez bereits inszeniert, der Regisseur, den man eher für Filme wie Sin City, Predators oder Machete auf der Rechnung hat. Die letzte Episode mit dem Agentennachwuchs, Mission 3D, stammt allerdings bereits aus dem Jahr 2004. Der aktuelle Teil machte dementsprechend acht Jahre später eine komplette Neubesetzung nötig. Die Kids von damals sind schließlich inzwischen junge Erwachsene. Ein neues Team von Junioragenten unter der Führung von Jessica Alba tritt in deren Fußstapfen, legt gleich temporeich los und liefert eine furiose, wenn auch leidlich wirre Show ab.
Spy Kids 4D kommt, wie es der Titel bereits verrät, mit einem weiteren Upgrade daher. Vollführte der dritte Teil den Sprung vom konventionellen Kino hin zur dritten Dimension, fügt das vierte Sequel nun noch eine weitere hinzu. Tatsächlich verbirgt sich dahinter lediglich ein Gimmick mit zweifelhaftem Nutzwert: Vor der Vorstellung gibt es mit dem Ticket eine Postkarte, die acht durchnummerierte Felder enthält. Während des Films werden dann Zahlen von 1-8 eingeblendet, und der geneigte Zuschauer darf das entsprechende Feld auf seiner Karte freirubbeln, um zur Szene passende Gerüche freizusetzen (Aroma Scope nennt sich der Spaß). Nun, falls es überhaupt gelingt, im dunklen Kino das richtige Feld zu finden und es freizurubbeln, riecht alles ohnehin nur nach Bubblegum.
Ansonsten bleibt es trendgemäß bei einer Aufführung in 3D, auf das streng genommen, wie so oft, auch gut hätte verzichtet werden können. Rodriguez wäre aber nicht Rodriguez, wenn er sich mit dem 4D nicht zumindest was gedacht hätte: So dreht sich in Spy Kids 4D alles um die wirkliche vierte Dimension, die Zeit - oder besser: deren Manipulation durch einen Super-Villain.
Hochschwanger auf Spionjagd zu gehen, ist nicht wirklich sinnvoll. Deshalb hängt die Topagentin Marissa Cortez Wilson (Jessica Alba) ihren Job in der Organisation der Super-Spione (OSS) an den Nagel, um in Zukunft gemeinsam mit ihrem Gatten Wilbur (Joel McHale), einem halberfolgreichen TV-Showmaster, ein harmonisches Familienleben zu führen. Allerdings machen es ihr die beiden Kinder, Rebecca (Rowan Blanchard) und Cecil (Mason Cook), aus der ersten Ehe ihre Mannes alles andere als leicht. Die beiden trauern immer noch um ihre verstorbene Mutter und wollen Marissa nicht akzeptieren.
Indes plant der Schurke Tick Tock (Jeremy Piven) ein ganz großes Ding. Er hat eine Methode entwickelt, um allen Menschen die Zeit zu stehlen; zu diesem Zweck arbeitet er mit dem finsteren Timekeeper zusammen. Kaum aus dem Kreißsaal raus, wird deshalb Marissa von der OSS reaktiviert, da diese in der Vergangenheit bereits Erfahrung mit Tick Tock sammeln konnte. Die Bösewichter haben aber bereits ihren privaten Wohnsitz ins Auge gefasst und drohen, ihre Stiefkinder zu entführen. In letzter Sekunde gelingt es Marissa, die beiden ins Hauptquartier der OSS zu evakuieren. Als die Kids feststellen, dass ihre Stiefmama eine Eliteagentin ist, wollen sie ihr selbstverständlich im Kampf gegen die Zeitdiebe beistehen.
Das alles klingt zugegebenermaßen etwas wirr und wirkt zuweilen weder richtig rund, noch sonderlich gut durchdacht; dementsprechend wundert es nicht, wenn mitunter zwischendurch der Handlungsfaden verloren geht. Es lohnt aber nicht wirklich, nachzufragen, wer, was, wann, wo und warum bewerkstelligen wollte und was die Schurken mit der ganzen Zeit eigentlich vorhaben. Der Film ist eindeutig für ein junges Publikum gemacht, und für das liefert die trubelige Show jede Menge rasante Action, Slapstick und Klamauk, gewürzt mit dem üblichen (leicht schrägen, obwohl hier zurückhaltend eingesetzten) Rodriguez-Humor. Langweilig wird es den lieben Kleinen somit nicht, und darauf kommt es bei solch einem Steifen letzten Endes auch an. Der neue Cast schlägt sich zudem wacker, und Jessica Alba mit Riesenbauch Bösewichter weichklopfen zu sehen, ist halt schon augenzwinkernd Rodriguez-like.
Der vielseitige Regisseur, Produzent und Autor stellt wiedermal unter Beweis, dass er von der avantgardistischen Comic-Adaption über den Killer-Trash bis zum turbulenten Kinderspaß sein Handwerk versteht. Das aktuelle Spy Kids-Abenteuer ist dennoch kein Meilenstein der Kinderunterhaltung. Das hat der Meister schon besser hinbekommen, wie in Das Geheimnis des Regenbogensteins. Spy Kids 4D krankt ein wenig am Erzählrhythmus und der wenig durchstrukturierten Story; 3- und 4D sind zudem Augenwischerei. Für ein wenig Realitätsflucht an einem lauen Kinonachmittag mit den Kindern langt es aber dann doch noch.