2011 war Winter's Bone in dem Tate Taylor als Schauspieler fungierte für vier Oscars nominiert, ging aber leer aus. Nun legt Taylor als Regisseur vielversprechend nach: The Help ist die Verfilmung eines Romans seiner alten Freundin Kathryn Stockett und präsentiert ein Füllhorn an starken Frauen, verkörpert durch großartige Schauspielerinnen. Die Geschichte um schwarze Hausmädchen, die in den 1960er-Jahren mit Hilfe einer ambitionierten Jungautorin gegen ihre Knechtschaft aufbegehren, reißt mit.
In Jackson, Mississippi, sind die Rollen Mitte des 20. Jahrhunderts klar verteilt. Schwarze Haushälterinnen ziehen den Nachwuchs der weißen Bevölkerung groß, auch wenn die Mütter nicht arbeiten gehen. Die Segregation ist unbestritten, im streng konservativen Süden sogar gesetzlich manifestiert. Sie wird höchstens im Stillen angezweifelt. Das geht so weit, dass die hoffnungslos von ihren Überzeugungen angetriebene Wortführerin eines Frauenclubs, Hilly Holbrook (Bryce Dallas Howard, The Village - Das Dorf), ein Gesetz initiiert, das weiße Haushalte dazu verpflichtet, für ihre Hausmädchen separate Toiletten zu bauen. Begründung: Schwarze hätten andere Krankheitserreger als Weiße und man müsse doch die Kinder schützen.
In diese Atmosphäre kehrt nach vier Jahren an der Universität Eugenia Phelan, genannt Skeeter (Emma Stone, Crazy, Stupid, Love) zurück, die sich zum Kummer ihrer Mutter so gar nicht darum bemüht, einen Ehemann zu angeln, sondern Schriftstellerin werden will. Angewidert von der Weltanschauung ihrer Freundinnen beschließt Skeeter, anonym ein Buch über die Geschichten der Frauen zu erzählen, die auch sie großgezogen haben. Die eingeschüchterte Aibileen (Viola Davis, It's kind of a funny story) und die großmäulige Minny (Octavia Spencer, Dinner für Spinner) zögern zuerst noch, steigen dann aber doch in das Projekt ein - ebenso wie viele andere.
Im Herbst des Jahres 2011 sah es im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner für die Wahl 2012 tatsächlich kurzfristig so aus, als wäre es gar nicht so unwahrscheinlich, dass der Afroamerikaner Herman Cain gegen den afroamerikanischen Amtsinhaber Barack Obama antreten könnte. Was wäre das für eine Geschichte für das Land, das zumindest in einigen Staaten noch immer ein äußerst gespaltenes Verhältnis zur eigenen Vergangenheit hat? Mit schmieriger Doppelmoral agiert in The Help Hilly Holbrook, wenn sie - ganz gönnerhaft - einen Galaabend für hungerende Kinder in Afrika veranstaltet, ihrer unterbezahlten Haushälterin aber einen Vorschuss verweigert, damit die ihre Kinder auf die Schule schicken kann. Doch auch die Unterwürfigkeit der anderen Seite beleuchtet der Film und ist damit, obwohl sich freilich in den vergangenen fünf Jahrzehnten einiges getan hat, noch immer hochaktuell.
Regisseur Taylor und die Autorin der Vorlage "Gute Geister" Stockett wuchsen in den 70er-Jahren in Jackson, Mississippi, auf, haben das Denken und Leben vor Ort also mit der Muttermilch aufgesogen. Das ist zu spüren. The Help transportiert die Atmosphäre glaubhaft und erzählt eine witzige und mitreißende Geschichte, in der - das ist vielleicht der größte kleine Kritikpunkt - zuweilen etwas zu stark auf die Tränendrüse gedrückt wird. Getragen wird der Film von einer Gruppe großartiger Schauspielerinnen. Viola Davis und die herrlich boshafte Bryce Dallas Howard, Tochter des Regisseurs Ron Howard, stechen hervor, ebenso Jessica Chastain (The Tree of Life). Ohnehin eine der Neuentdeckungen des Jahres, begeistert diese in der Rolle einer aufgedrehten weißen Außenseiterin, die an der Ausgrenzung durch Hilly Holbrooks Frauenbande zu zerbrechen droht.
Einzig die Hauptdarstellerin Emma Stone hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wer von einem Magazin auf Platz drei der "Sexiest Woman Alive 2011" gewählt wird, dem nimmt man die Rolle des hässlichen, von den Männern ignorierten Entleins, das sich in die Schriftstellerei flüchtet, nur schwer ab.