Als Durchschnittstyp hat man es nicht immer leicht. Alex ist ein junger, sympathischer Lehrer, würde in einer Menschenmenge aber kaum herausstechen. Seine Freundin scheint aber von mehr zu träumen, zumindest wenn es ums Sexuelle geht. Nachdem er wieder Single ist, irrt er auf der Suche nach Antworten durch den Alltag. Er möchte endlich herausfinden, was den Mann von heute eigentlich ausmacht. Genauso wenig originell wie es klingt, ist das Ganze überwiegend auch. Wären nicht die gut aufgelegten Darsteller, würde der Film am Mangel an zündendem Witz und wenig überraschenden Pointen fast verenden. Doch auch so gelingt ihm nicht der Sprung über das Mittelmaß.
In emanzipierten Zeiten, in denen Frauen weder Ernährer noch Beschützer und schon gar keine Entscheider brauchen, scheint es schlecht bestellt um die Rolle des Mannes, und für manch einen gerät das gleich zur Identitätskrise. So ergeht es auch Matthias Schweighöfer (Friendship!) in seinem aktuellen Film. Der überaus beliebte wie vielseitige Schauspieler ist in What A Man nicht nur vor der Kamera als Hauptdarsteller aktiv, auch dahinter beansprucht er wesentliche Positionen, wie die des Regisseurs, des Drehbuchautors und des Co-Produzenten. Mit soviel Verantwortung hat sich allerdings schon manch einer verhoben.
Die Geschichte um den Anti-Helden Alex (Matthias Schweighöfer) beginnt mit einer ausgesprochenen Peinlichkeit: Als er überraschenderweise seine Freundin Carolin (Mavie Hörbiger) aus dem Krankenhaus abholen muss, erfährt er, dass die sich bei irgendwelchen Analpraktiken Rippen und Steißbein geprellt hat. Und da er daran nicht beteiligt war und sie sich das nicht selbst beibrachte, muss noch jemand anders mit von der Partie gewesen sein. Carolin beichtet ihm, dass sie ihn bereits seit Wochen nach Strich und Faden Hörner aufsetzt, mit dem kernigen Nachbarn Jens (Thomas Kretschmann). Das Geständnis ist natürlich gleichsam die Bankrotterklärung für die Beziehung.
Wieder Single versucht er auf seiner Reise zur "Mannbarkeit" zu ergründen, was Frauen an Männern wirklich schätzen und wann (heutzutage) überhaupt ein Mann als solcher gilt. Hilfe verspricht er sich von seiner besten Freundin Nele (Sibel Kekilli), einer etwas weltfremden Umweltaktivistin, die viel besser darin ist, bedrohte Pandas zu retten, als alltagsverwertbare Ratschläge zu erteilen. Alex' bester Freund Okke (Elyas Mbarek), der ihm gleich ein Machotraining mit absurden Übungsaufgaben auferlegt, scheint ebenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein. Und so irrlichtert Jens weiter durchs Leben, auf der Suche nach den ultimativen Beziehungsantworten und sammelt auch die eine oder andere leicht bizarre (Liebes-)Erfahrung, zu denen beispielsweise ausgedehnte Sahnespiele mit üppigen Damen gehören, bis er auf die einfachste aller möglichen Antworten verfällt, dass es lediglich darauf ankommt, dem Menschen zu begegnen, der ihn so zu schätzen weiß, wie er ist.
What A Man ist nett angedacht und die sympathischen Schauspieler vermögen den Film ordentlich weit zu tragen. Sibel Kekilli (Gegen die Wand, Die Fremde) macht in ihrer ersten Komödienerfahrung eine durchweg gute Figur. Leider ist die Geschichte an sich aber weder besonders einfallsreich, noch zünden genug Pointen, als dass der Unterhaltungsfaktor gleichmäßig hoch gehalten werden könnte. Zugutehalten kann man dem Film aber, dass er - trotz des Beginns mit den Verletzungen beim Analverkehr - im Grunde nie platt vulgär oder gar ordinär wird, und die feucht-fröhlichen Niederungen unterhalb der Gürtellinie geflissentlich vermeidet. Das ist zur Abwechslung angenehm entspannend, hat allerdings auch seine Schattenseiten: Versagt man sich konsequent die meisten Derbheiten, schränkt man sich komödiantisch auch sehr darin ein, was man dem Publikum noch zu kredenzen vermag.
Im Grunde krankt What A Man sowohl ein Stückweit an Intensitätsarmut, als auch an einem stets mitschwingenden melancholisch-romantischen Ton. Das ist zwar durch die Geschichte vorgegeben, schließlich dreht sich alles um die Selbstfindung und darum, den (einen) richtigen Menschen im Leben zu finden, dass dies allerdings auch sehr viel leichtfüssiger und mit wesentlich mehr (Selbst-)Ironie vonstatten gehen kann, beweist beispielsweise ein Woody Allen schon seit Jahrzehnten. Schließlich steht auch bei ihm der notorisch an sich zweifelnde Mann, der seine Rolle in der modernen Welt nicht mehr findet, oft im Mittelpunkt seiner Filme.
Als ebenso wenig hilfreich für die Inszenierung erweist es sich zudem, dass das vermeintliche neue, deutsche, Wunderkind des Pop, Lena Meyer-Landruth, mit beharrlicher Penetranz eine mainstreamig-durchgesoftete Version von Salt-n-Pepas Hit Whattaman im Verlauf des Films immer wieder zum Besten gibt. Allein schon mit einem etwas abwechslungsreicheren Soundtrack und etwas mehr Mut zu deftigerem Witz hätte Schweighöfer sich und seinem Film mit Sicherheit einen Dienst erweisen können, so fällt er aber kaum gesehen, schon wieder der Vergessenheit anheim.