Ein Erwachsener Mann Mitte Vierzig und eine junge Teenagerin lernen sich kennen und es entwickelt sich eine tiefgehende Freundschaft. So ist in dieser traurigen und zugleich amüsanten Geschichte der Ärger natürlich vorprogrammiert. Den liebevoll geschriebenen Figuren wird dabei von einem tollen Darstellerensemble Leben eingehaucht, und auch wenn sich der Film im Grunde kaum von dessen Genrestandards entfernt, ist er doch sehenswert.
Superheldenparodien sind in! Man nehme nur Kick-Ass oder den demnächst erscheinenden Super mit Ellen Page. Auf diesem Zuge möchte man wohl nun auch mit der etwas verspäteten deutschen Veröffentlichung von Paper Man aufspringen. Doch auch wenn Ryan Reynolds hier einen extrem überzeichneten Superhelden mimen mag und sich das Marketing auf ihn konzentriert: Im Grunde bekommt es der Zuschauer hier mit einem typischen melancholischen Independent-Movie zu tun und sollte nicht mit den falschen Erwartungen an dieses Werk herantreten.
Der Autor Richard Dunn hat ein Buch geschrieben, das keiner lesen wollte und bisher noch nicht ein Wort für sein Folgewerk zu Papier gebracht. Kurzerhand wird er von seiner Frau in ein ländliches Haus abtransportiert, damit er sich in Ruhe kreativ entfalten kann. Doch dummerweise fehlen auch dessen imaginärem Freund, dem Superhelden Captain Excellent, die Worte. Als er die Teenagerin Abby als Babysitter für sein Haus engagiert, scheint sich zwischen den beiden so etwas wie eine Freundschaft, fast schon Seelenverwandtschaft, anzubahnen, denn auch sie hat tiefer sitzende Probleme als es auf den ersten Blick den Anschein hat.
Mit Ausnahme von einer doch etwas größeren (und überaus gelungenen) Überraschung, geht die Geschichte den Weg, den Independent-Komödien üblicherweise eben zu gehen haben. Das mag vielleicht etwas negativ klingen, denn trotz fehlender Innovation funktioniert die Geschichte über weite Strecken durchaus. Die Geschichte zweier vom Alter sehr grundverschiedener Menschen, die jedoch ähnliche Probleme haben und diese durch ihre aufkeimende Freundschaft versuchen zu lösen, ist über weite Strecken die Stärke dieses sowohl amüsanten als auch nachdenklich stimmenden Feel-Good-Movies.
Auch inszenatorisch besinnen sich die Regiedebütanten genau auf das, was man sich von diesem Genre erwarten kann: Wunderbar schräg bebilderte Ideen, die gepaart mit einem tieftraurigen melancholischen Soundtrack beim Zuschauer genau ihren Zweck erfüllen. Auch hier schleicht sich das Gefühl ein, dass der Film eben nur den gewohnten Weg geht, ohne dabei auch nur ansatzweise etwas falsch zu machen.
Es ist vielleicht gar nicht so unklug vom deutschen Vertrieb, kurz vor dem Kinostart des Green Lantern einen Film herauszubringen, in dem Ryan Reynolds einen imaginären und überzeichneten Superhelden mimen darf. Dabei zeigt er sich herrlich selbstironisch, doch entgegen der Werbekampagne spielt er in Paper Man nur die zweite Geige. Das Hauptaugenmerk der Geschichte liegt auf den Figuren, die von Jeff Daniels und Emma Stone dargestellt werden. Während Daniels es bravourös versteht, seinen verschrobenen Charakter nicht zu dick auftragen zu lassen, fasziniert Emma Stone mit einer Natürlichkeit, die sowohl in den fröhlichen, als auch den traurigen Momenten immer den richtigen Ton zu treffen scheint. Als etwas undankbar erweist sich die Rolle des ehemaligen Friends-Sternchens Lisa Kudrow, die über weite Strecken nur als Stichwortgeber angelegt ist.
Im Grunde ist Paper Man ein gelungenes Independent-Movie, das ein tolles Darstellerensemble vorzuweisen hat und auch in Sachen Storyentwicklung überzeugen kann. Dummerweise jedoch schwemmen in letzter Zeit viel zu viele dieser Filme auf den Markt, die immer nach dem gleichen Schema verlaufen und man somit das Gefühl hat, nichts Neues gesehen zu haben. Doch das soll dem Film nicht angelastet werden, denn schließlich ist dieser schon 2009 entstanden, und was kann er dafür, dass er erst zwei Jahre später in Deutschland auf den Markt kam?