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Die Anonymen Romantiker

(Les émotifs anonymes, 2010)

Dt.Start: 11. August 2011 Premiere: 09. November 2010 (Festival, Frankreich)
FSK: o.A. Genre: Komödie, Romanze
Länge: 77 min Land: Frankreich, Belgien
Darsteller: Benoit Poelvoorde (Jean-René Van Den Hugde), Isabelle Carré (Angélique Delange), Lorella Cravotta (Magda), Lise Lamétrie (Suzanne), Swann Arlaud (Antoine), Pierre Niney (Ludo), Stéphan Wojtowicz (der Psychologe), Jacques Boudet (Rémi, ein anonymer Romantiker), Alice Pol (Adèle, eine anonyme Romantikerin), Céline Duhamel (Mimi, eine anonyme Romantike), Philippe Fretun (Maxime, ein anonymer Romantiker), Grégoire Ludig (Julien, ein anonymer Romantiker), Philippe Gaulé (Philippe, ein anonymer Romantiker), Joelle Séchaud (Joëlle, eine anonyme Romantike), Isabelle Gruault (Sylviane, eine anonyme Romantike)
Regie: Jean-Pierre Améris
Drehbuch: Jean-Pierre Améris, Philippe Blasband


Inhalt

Angélique ist eine arbeitslose Schokoladenherstellerin und dazu noch schüchtern, extrem schüchtern sogar, sodass sie vor fremden Leuten oft in Ohnmacht fällt. Jean-René, Schokoladenfabrikant, sucht dringend eine neue Vertreterin für seine Firma und ist ebenfalls sehr schüchtern. Beide sind bereits in psychologischer Behandlung, um ihre Selbstsicherheit wiederzufinden. Wie es der Zufall will, heuert Angélique nach einiger Zeit bei Jean-René an, und sofort kommt es zu den ersten Missverständnissen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Die Anonymen Romantiker hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 62%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Die Anonymen Romantiker hat eine Wertung von 62%
Sie fällt gerne in Ohnmacht, wenn sie mit Menschen reden muss. Er ist der Chef einer Schokoladenmanufaktur, aber nicht in der Lage, eine einzige Verhandlung zu führen. Zusammen geben sie ein ideales Paar ab. Süffisante wie bitter-süße Romcom aus Belgien, die viel Charme hat, aber zu wenig Story, um komplett zu überzeugen.

Bild aus Die Anonymen Romantiker Jemanden anzusprechen, der einem gut gefällt, ist gar nicht so leicht. Ein gutes Bewerbungsgespräch, genau in der richtigen Balance, nicht zu forsch, nicht zu devot, weder zu albern, noch zu zugeknöpft zu führen, ist eine Kunst für sich. Alles Zwischenmenschliche hängt letzten Endes davon ab, wie unser Kommunikationsgeschick ausgeprägt ist. Was machen aber all jene, die, wenn es darauf ankommt, überhaupt keinen Laut herausbringen oder vor lauter Aufregung sogar Panikattacken erleiden?

Angélique (Isabelle Carré) ist eine Expertin für Schokoladen- und Pralinenherstellung. Leider ist sie zugleich derart empfindlich, dass sie beim Versuch, jemanden anzusprechen, schon mal in Ohnmacht fällt. Um ihre Überempfindsamkeit in den Griff zu bekommen, nimmt sie an einer Gruppentherapie teil. Zudem befindet sich Angélique aktuell auf Jobsuche, da der alte Herr mit dem Pralinengeschäft, der ihr immer ihre kleinen, selbsterzeugten Schokoladenkreationen abnahm, vor kurzem verstorben ist.

Auf der Suche nach Arbeit landet sie in der Schokoladenmanufaktur von Jean-René (Benoit Poelvoorde). Das angeschlagene Unternehmen, das kurz vor dem Bankrott steht, sucht nach einer ideenreichen und durchsetzungsstarken Vertriebspersönlichkeit, die der Manufaktur dazu verhelfen soll, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Jean-René ist dazu nicht in der Lage: Wenn er mit Menschen verhandeln muss, gerät er in Panik und bringt nur noch unzusammenhängendes Gestammel heraus. Das Vorstellungsgespräch verläuft dementsprechend wortkarg und leicht bizarr; überraschenderweise bekommt Angélique, die eigentlich Pralinen herstellen wollte, den Job als neue Top-Verkäuferin und weiß gar nicht, wie ihr geschieht. Jetzt muss ausgerechnet sie in die Welt hinaus und die Schokoläden-Betreiber überzeugen, aus der Herstellung von Jean-René Ware zu beziehen.

Jean-René hat indes eigene Sorgen: Das Herzrasen, das er beim Gespräch mit Angélique empfand, hatte wohl auch damit zu tun, dass ihm die hübsche Frau durchaus gut gefiel. Als er das seinem Therapeuten eröffnet, schlägt dieser vor, Jean-René solle Angélique einfach zum Essen einladen. Die Einladung bekommt Jean-René gerade noch hin, mit ihr an einem Tisch zu sitzen, ihr in die Augen zu schauen und gepflegt Konversation zu betreiben, stellt allerdings eine ganz andere Herausforderung dar.

Die Anonymen Romantiker ist eine Ode an alle Schüchternen, die den Mund nicht aufbekommen, auch wenn ihnen das Herz manchmal überzuquellen droht. In Wirklichkeit ist das für viele Menschen eine furchtbare Qual und sollte nicht oberflächlich komödiantisch verwurstet werden. Nun, skurril mögen die Protagonisten gezeichnet sein, doch ist der Umgang mit den Hauptfiguren und ihrem Verlegenheitsdilemma auch stets respektvoll. Zum Schenkelklopfen lädt der Film ohnehin nie ein. Er hat einen feinen, süffisanten Ton, schmeichelt sich ein und ist bitter-süß wie die Liebe selbst. Und wie gute Schokolade!

Isabelle Carré in der Rolle der Angélique und Benoit Poelvoorde, der zuvor in Nichts zu Verzollen zu sehen war, bezaubern mit viel Charme und sorgen immer wieder mit schrägen Gags für feines Amüsement, wie dem ersten Date der beiden in einem Restaurant, das zu einer Hemden-Wechsel-Orgie ausartet. Da es sich bei Die Anonymen Romantiker um eine belgische Produktion handelt und Belgien bekanntermaßen die inoffizielle Hauptstadt allen schokoladigen Lasters ist, war es naheliegend, die süße Sünde und den romantischen Herzschmerz miteinander in einem Film zu vereinen. Leider ist die Story aber derart dünn, dass es bei aller Sympathie für diesen netten, kleinen Film schwerfällt, eine uneingeschränkte Kinoempfehlung zu geben - da er auch trotz seiner knappen 80 Minuten schlussendlich ein wenig langatmig wirkt. Vielleicht also doch lieber für das Silberscheibenarchiv, für kuschelige Stunden zu zweit auf dem heimischen Sofa mit ein paar Pralinen und mehr.



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