I'm Still Here Poster

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I'm Still Here

(I'm Still Here, 2010)

Dt.Start: 11. August 2011 Premiere: 06. September 2010 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 16 Genre: Komödie, Drama, Musik
Länge: 106 min Land: USA
Darsteller: Joaquin Phoenix (er selbst), Antony Langdon (Anton), Larry McHale (er selbst), Casey Affleck (er selbst), Jack Nicholson (er selbst), Billy Crystal (er selbst), Danny Glover (er selbst), Bruce Willis (er selbst), Robin Wright (sie selbst), Danny DeVito (er selbst), Jerry Penacoli (er selbst), Susan Patricola (sie selbst), Patrick Whitesell (er selbst), Nicole Acacio (sie selbst)
Regie: Casey Affleck
Drehbuch: Casey Affleck, Joaquin Phoenix


Inhalt

Joaquin Phoenix hat für seine Darstellung der Country-Legende Johnny Cash eine Oscar-Nominierung erhalten. Kurz danach verkündet der Schauspieler, dass er sich jetzt, auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen, aus dem Schauspielgeschäft zurückzieht. Scheinbar verwahrlost taucht Phoenix in mehreren Talkshows auf und berichtet, dass er sich nur noch der Musik widmen will.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

I'm Still Here hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 14%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
I'm Still Here hat eine Wertung von 14%
Auf der Höhe seines Erfolgs erklärt der Oscar-Nominierte Joaquin Phoenix seinen Rückzug aus dem Filmbusiness. Stattdessen plagt er sich mit einer kruden Karriere, begleitet voll bizarrer Selbstinszenierung, als Rap-Musiker herum. Auf Fragen hin erklärt er immer wieder, dass dies sein Weg zu seinem wahren Selbst sei. Der Schauspieler Casey Affleck begleitete Phoenix während dieser Zeit filmisch. Daraus entstand eine schräge Doku, die zum Stirnrunzeln, Haareraufen und Fremdschämen einlädt und besser nie in die Kinos gelangt wäre.

Bild aus I'm Still Here River Phoenix galt stets als der talentiertere der beiden Phoenix-Brüder. Im Alter von 16 gelingt ihm 1986 mit Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers der Durchbruch. Wenig später spielt er bereits zusammen mit den Weltstars Robert Redford und Sidney Poitier in Sneakers - Die Lautlosen. Doch ebenso kometenhaft wie sein Aufstieg kam, findet er auch sein Ende: 1993 bricht er nach dem Konsum eines Drogencocktails (achtfache Überdosis) in den Armen seines Bruders Joaquin zusammen und stirbt wenig später.

Der vier Jahre jüngere Joaquin schlägt gleichfalls die Laufbahn als Schauspieler ein, steht aber lange Zeit in Schatten seines Bruders, den posthum eine Art James-Dean-Aura umgibt. Mit der Zeit geht allerdings auch sein Stern in Hollywood auf. Er spielt immer wieder größere Nebenrollen neben Top-Stars: 1999 in 8 mm - Acht Millimeter neben Nicholas Cage, 2000 in Gladiator zusammen mit Russell Crowe und 2002 in Signs - Zeichen mit Mel Gibson. Für seine Darbietung des römischen Kaisers Commodus in Gladiator erhält er sogar eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller. Der endgültige Durchbruch folgt mit Walk the Line, der Verfilmung des Lebens von Country-Legende Johnny Cash, wofür er sowohl den Golden Globe als auch eine weitere Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller erhält.

Weitere Filme folgen. Joaquin Phoenix, scheint es, hat sich von der Last der Vergangenheit endgültig befreit. 2008 dann gibt er plötzlich seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft bekannt. Er behauptet, fertig mit dieser oberflächlichen, rein auf Äußerlichkeiten fokussierten Kunstwelt zu sein und will sich jetzt seiner Musikkarriere als (Skandal-)Rapper widmen. Im Dokumentarfilm I'm Still Here, der unter der Regie von Casey Affleck, dem jüngeren Bruder von Ben Affleck und Schwager von Joaquin Phoenix, entstand, werden seine Bemühungen auf dem Weg der Selbstverwirklichung als Musiker eingefangen; und dazu gehört auch allerlei Abstoßendes wie Ekelerregendes.

Die Medien verfolgen die bizarren Auftritte Phoenix' mit Interesse. Viele beginnen aber angesichts von Zottelbart, Schmuddellook, peinlichen Nacktauftritten und unverhohlenen Drogenexzessen, an seiner geistigen Gesundheit zu zweifeln. Innerhalb kürzester Zeit macht er sich mit dieser abstrusen Nummer zur Ikone des schlechten Geschmacks. Und immer wieder stellt sich die Frage: Wofür das alles? Nun, inzwischen ist öffentlich bekannt, das dies alles nichts weiter als ein gigantischer Schwindel war. Ein Fake, mit dem Phoenix nach eigener Aussage die Medien an der Nase herumführen wollte. Demnächst steht er also wieder - ganz brav und ordentlich - vor der Kamera, und diese krude Episode sollte besser in den tiefsten und dunkelsten Archiven verschwinden und in Vergessenheit geraten, gäbe es da nicht eine gewisse Faszination am Schrecklichen.

Ob diese Mockumentary qualitativ irgendetwas Neues über die Funktionsweise der Medien ans Tageslicht förderte, ungewollte Einblicke ins Leben von (Pseudo-)Rap-Musikern gewährte oder Phoenix PR-mäßig etwas brachte, sei dahingestellt. Die eigentliche Dreistigkeit besteht aber darin, dass mit dieser Orgie schlechten Geschmacks noch Kohle gescheffelt werden soll und sie schamlos Lichtspielhäuser zumüllen darf, statt dieses meschuggene Kapitel aus der Welt zu tilgen. Wer sich für genialische Medienmanipulationen interessiert, greift besser auf Dokus wie Banksy - Exit through the Gift Shop oder Bad Boy Kummer zurück. I'm still Here ist leider nicht mehr als 107 Minuten unkultiges Anti-Selbstproduzieren zum Abgewöhnen, das nur Fragezeichen im Kopf und leichten Brechreiz im Magen hinterlässt.



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