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Cairo Time

(Cairo Time, 2009)

Dt.Start: 01. September 2011 Premiere: 13. September 2009 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 6 Genre: Drama, Romanze
Länge: 90 min Land: Kanada, Irland, Ägypten
Darsteller: Patricia Clarkson (Juliette Grant), Alexander Siddig (Tareq Khalifa), Elena Anaya (Kathryn), Amina Annabi (Yasmeen), Tom McCamus (Mark), Mona Hala (Jameelah), Fadia Nadda (Hanan), Roanne Bell (Sharon), Andrew Cullen (Jim)
Regie: Ruba Nadda
Drehbuch: Ruba Nadda


Inhalt

Die kanadische Verlegerin Juliette macht Urlaub in der ägyptischen Metropole Kairo. Ihr vielbeschäftigter Ehemann Mark macht sie mit Tareq bekannt, der sie bald durch die Stadt führt. Dabei verliebt sich Juliette Hals über Kopf in den Kaffeehausbesitzer, und der Urlaub nimmt einen unerwarteten Verlauf.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Cairo Time hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 72%
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Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Cairo Time hat eine Wertung von 72%
In der ägyptischen Metropole Kairo treffen die westliche Journalistin Juliette und der weltoffene, aber traditionsbewusste Ägypter Tareq aufeinander. Während Juliette darauf wartet, dass ihr Mann aus Gaza eintrifft, zeigt ihr Tareq, wie bezaubernd Kairo sein kann. Juliette ist bald hingerissen, nicht nur von der Stadt allein. Wunderschöne Romanze zwischen Orient und Okzident, grandios geschauspielert und mit magischen Bildern unterlegt. Leider lässt das Ende aber etwas die notwendige inszenatorische Eleganz vermissen, die Cairo Time sonst überwiegend auszeichnet.

Bild aus Cairo Time Alexander Siddig, der vielen Sci-Fi-Fans noch aus Star-Trek-Zeiten ein Begriff sein könnte, als er von 1993 - 1999 in dem Star-Trek-Ableger Deep Space Nine den Stationsarzt Dr. Bashir spielte, hat sich in den letzten Jahren zu einem veritablen Schauspieler gemausert. So war er neben manch einem Hollywood-Star in Big-Pictures wie Königreich der Himmel, Syriana und Kampf der Titanen zu sehen. Aktuell kehrt er in die Kinos mit einer wunderschönen Romanze und zugleich Liebeserklärung an eine der lebendigsten Metropolen der Welt zurück.

Juliette (Patricia Clarkson) ist Chefradakteurin eines Mode- und Lifestylemagazins. Ihr Mann Mark (Tom McCamus) beschäftigt sich mit gehaltvolleren Dingen: Er arbeitet für die UN und hält sich derzeit im Gaza-Streifen auf. Da die beiden sich schon länger nicht mehr gesehen haben und lediglich telefonisch Kontakt halten, nimmt sich Juliette ein paar Wochen frei, um ihn zu besuchen. Sie beschließen, sich in Kairo zu treffen. Als Juliette dort ankommt, muss sie allerdings feststellen, dass ihr Mann immer noch im Gaza-Streifen weilt. Am Flugplatz holt sie sein guter Freund Tareq (Alexander Siddig) ab, der früher selber einmal für die UN arbeitete, nun aber stolzer Kaffeehausbesitzer ist - und seiner Aussage nach den besten Kaffee der Welt zubereitet.

Während Juliette viele Tage auf die Rückkehr Marks wartet, beginnt sie - ganz emanzipiert - die Umgebung des Hotels zu erforschen. Schnell lernt sie dabei, das Kairo nicht nur eine berauschende und pulsierende Mega-City ist, sondern dass es nicht unbedingt klug ist, als blonde, westliche Touristin in einem luftigen Sommerkleid durch die Gassen zu wandeln. Nur mit Glück gelingt es ihr, einige sehr beharrliche, ungebetene Begleiter wieder los zu werden. Tareq als vollendeter Gentleman bietet sich daraufhin an, ihr die Stadt zu zeigen. Mit ihm an ihrer Seite kann sie sich ganz sicher fühlen. In der Abwesenheit ihres Mannes, die sich immer weiter hinzieht, lernt sie Tareqs höfliche, einfühlsame und warmherzige Art mehr und mehr zu schätzen. Und auch Tareq fühlt sich zu der leicht spröden Frau hingezogen.

Neben den wunderschönen Impressionen der ägyptischen Hauptstadt, deren Einwohnerzahl recht unpräzise (je nach Quelle) zwischen 13 und 16 Millionen angegeben wird, liefert die kanadisch-syrische Regisseurin Ruba Nadda eine traumhaft schöne Romanze ab, die einerseits extrem "prüde" wirkt, aber gerade wegen dieser minnehaften Züchtigkeit einen ausgesprochenen Charme entfaltet. Ganz klischeefrei bleibt die Geschichte allerdings nicht: Es mutet schon etwas befremdlich an, wie die welterfahrene Frau eines UN-Mitarbeiters relativ freizügig (für die dortigen Verhältnisse) durch die Straßen eines islamischen Landes wandelt. Soviel Naivität wird der Figur augenscheinlich rein zu inszenatorischen Zwecken eingegeben, um daran sinnbildlich den Clash of Cultures festzumachen. Etwas, das bestimmt auch dezenter gegangen wäre, wie es Nadda prinzipiell sonst auch gelingt umzusetzen.

Siddig als Tareq, der Ägypter, gibt den vollendeten Verführer aus dem Orient: zurückhaltend, immer höflich, auf eine respektvolle, nie aufdringliche Weise die Frau umgarnend und sich ihr nie weiter nähernd, als die zulässt. Darin und in der an Perfektion heranreichenden Performance der hin-und-hergerissenen, vernachlässigten, westlichen Frau, die Patricia Clarkson hingebungsvoll verkörpert, spiegelt sich auf eine viel elegantere Weise das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Lebensarten. Darüber hinaus bedürfte es keiner überdeutlichen Zurschaustellung bereits derart oft strapazierter Motive.

Trotz dieser Stolpersteine liegt die Stärke von Cairo Time dennoch in seinen magischen Bildern, dem Lokalkolorit in den schmalen Gassen der Stadt, durch die sich der Bazar mit seinen unzähligen Ständen und Geschäften schlängelt, den kleinen Kaffeehäusern, in denen man sich schlagartig in eine andere Epoche zurückversetzt fühlt, lokalen Feierlichkeiten, der Wüste und rotglühenden Pyramiden bei Sonnenaufgang. Das alles schafft einen unvergleichlichen poetischen Flair und eine hinreißende Atmosphäre.

Dennoch tragen Bilder und die Romanze nur soweit, wie es immer wieder einen visuellen Neureiz oder eine Entwicklung im Zwischenmenschlichen gibt. In den knappen 88 Minuten, die lange Zeit schwelgerisch ausgekostet werden, komprimieren sich diese Entwicklungen aber final zu stark, sodass der Film am Ende erzählerisch holpert. Dieser Eindruck verstärkt sich zudem dadurch, dass sich das Gefühl einstellt, dass die Regisseurin nicht den optimalen Punkt für den Absprung fand. So liefert sie gewissermaßen drei Enden, wovon man sich eines "aussuchen" darf. Den positiven Gesamteindruck schmälert das etwas, vermag aber diesen so gefühlvollen wie galanten Film nicht komplett zu beschädigen.



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