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In dem Thriller One Hour Photo lernen wir den Angestellten Sy Parrish kennen, der in einem großen Supermarkt in der Fotoabteilung arbeitet. Die Fotographie ist sein einzige Passion und so geht er mit großer Sorgfalt und mit Liebe zum Detail bei der Entwicklung der Fotos vor. Er betrachtet seine Arbeit als sehr wichtig, da er für andere Menschen die schönsten Momente im Leben von der Filmrolle aufs Papier bringt. Wenn der Supermarkt seine Pforten schließt, wird Sy in sein tristes Privatleben ohne Hobbys und Freunde entlassen. Er fristet sein Dasein in seiner blitzsauberen Wohnung, die bis auf ein Zimmer, in sterilen Einheitsgrau gehalten ist und ein wenig Krankenhausflair versprüht. Die private Tristesse macht sich auch in Sys Auftreten bemerkbar. Anderen Menschen gegenüber wirkt er stets verunsichert, versucht aber trotzdem seine Unsicherheit durch netten Smalltalk zu überspielen. Auch durch seine hauptsächlich grau und hellbeige Kleidung will Sy möglichst wenig auffallen und geht nahezu chamäleonartig durch die Welt.
Das Ehepaar Nina und Will Yorkin und ihr Sohn Jakob führen ein vollkommen anderes Leben als Sy Parrish. Sie sind eine sehr glückliche Familie, die sich dank des guten Einkommens von Will, einen gehobenen Lebensstandard leisten kann. Dieser macht sich in der Designerkleidung, dem Haus, der noblen Einrichtung, dem Auto und den zahlreichen Spielsachen von Jakob bemerkbar. Die Familie Yorkin bringt ihre Fotos stets zu Sy in den Supermarkt und lässt auf diese Weise den schüchternen Sy an ihrem Privatleben teilhaben. Sy geht sogar so weit, dass er sich von jedem Film der Familie Yorkin eine extra Kopie für seine private Yorkin Fotowand anfertigt. Diese Fotowand befindet sich in Sys einzigem nicht sterilem Zimmer, das oben bereits erwähnt wurde, und markiert das Highlight seiner heimischen vier Wände.
Zunächst ist nicht ganz klar warum Sy das Leben der Familie Yorkin verfolgt und was er damit bezwecken will. Mit der Zeit wird allerdings klar, dass die Yorkins die Familienidylle symbolisieren, die sie Sy immer gewünscht hat. Er begnügt sich zunächst damit, über die Fotos am Leben der Yorkins teilzunehmen, doch mit der Zeit sucht er zwischenmenschlichen Kontakt zu Nina und zu Jakob. Dadurch ist man versucht zu glauben, Sy wolle die Position von Will als Ehemann und Vater einnehmen, doch er will einfach nur der nette Onkel Sy sein. Hinter dem Namen Yorkin verbirgt sich übrigens das kleine Wortspiel "your kin", was soviel heißt wie "Deine Verwanschaft".
Das Drehbuch zu One Hour Photo stammt von dem bekannten Musikvideofilmer Mark Romanek, der außerdem die Regie übernahm. Dank seines guten Hauptdarstellers Robin Williams, der erstmals in seiner Karriere einen "Bösewicht" spielte, entstand ein gelungener Thriller über einen labilen Einzelgänger, der aber trotzdem einige Macken hat. Zwar ist es einerseits bewundernswert, dass Sys steriles Umfeld mit unbeirrbarer Konsequenz durchgezogen wurde, aber andererseits wird das bleiche und eintönige Bild mit der Zeit immer ermüdender. Die Story bezieht ihre Spannung aus dem endlosen Warten auf den letzten Tropfen, der Sy zum Überlaufen bringt und hätte bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht mir etwas mehr Pep inszeniert werden müssen. Negativ fielen dabei vor allem die zahlreichen Shots auf Robin Willams auf, in denen er meist ausdruckslos und debil in die Kamera blickte.
Ab dem angedeuteten Zeitpunkt X wirkt die Story auf dem ersten Blick inkonsequent und entschärft, was sich aber im Nachhinein doch als richtig herausstellt, da Sy nie die Absicht hatte, mit mehr als seinen Mitteln zurückzuschlagen. Nur die Rehabilitation Sys kurz vor Ende, stieß etwas übel auf und vermittelte den Eindruck, als wäre es nicht möglich Robin Willams einfach nur den sick-twisted Photo-Guy sein zu lassen. Robin Willams leistete in One Hour Photo gute Arbeit und zeigte, dass er nicht nur in netten oder lustigen Rollen auf ihn Verlass ist. Ihn dafür in den Himmel zu loben, ist allerdings maßlos übertrieben, zumal wir seine Qualitäten kennen und schätzen. |