Entscheiden allein die Mathematik und das Geld darüber, ob ein Club am Ende der Saison die Meisterschaft erringt, oder ist es doch auch der Teamspirit und die individuelle Klasse? Billy Beane ist Scout bei einem finanzschwachen Baseballclub und kämpft darum, mit einem bescheidenen Budget gute Spieler fürs Team zu bekommen. Kurz vor dem Verzweifeln begegnet er Peter Brand, und der bewertet gute oder schlechte Spieler ganz anders. Moneyball lässt ein wenig hinter die Kulissen des Business der uramerikanischsten aller Sportarten blicken, die große Erhellung bleibt aber aus. Und emotional wirkt dieses Sportdrama ohnehin etwas unterkühlt.
Reine Sport- oder Sportlerdramen sprechen meist nur diejenigen an, die mit der jeweiligen Sportart auch etwas anzufangen wissen. Da sich in der Welt des Sports aber bekanntlich alles letzten Endes ums liebe Geld dreht, sind solche Filme gespickt mit üblen Intrigen und verbrecherischen Machenschaften, die dem Ganzen über die reinen Aspekte des Spiels hinaus Würze verleihen. Moneyball kommt diesbezüglich eher still daher; die fiesen Machenschaften sind nichts weiter als die legalen Mittel, welche die Vereine einsetzen, um sich die besten Spieler zu sichern. Logischerweise entscheidet dabei das Geld.
Billy Beane (Brad Pitt) wurde in den 1980ern als der kommende Superstar des Baseball gehandelt. Statt also ein Stipendium zu nutzen und einen Universitätsabschluss zu machen, wechselte er in die Profiliga. Die 80er vergingen, die 90er kamen und das ewige Talent hatte seinen Durchbruch als Profi immer noch nicht geschafft. Erfolglos wechselte er dann am Ende vom Spieler zum Scout. Inzwischen ist es das Jahr 2002. Billy arbeitet für die Oakland A's, ein kleines Team, das sich in der letzten Saison beachtlich schlug, aber mit den ganz großen Clubs - wie den New York Yankees - nicht mithalten kann. Zudem haben das Team aktuell drei der besten Spieler verlassen, da ihnen andere Vereine bessere Angebote machen konnten.
In seiner Not versucht Billy Vorstand und Management zu bewegen, das Budget für Neueinkäufe aufzustocken. Doch es sind und bleiben 38 Millionen, wohingegen die großen Clubs bis zum Dreifachen locker machen. Auf seiner Suche nach Alternativen stolpert Billy über den Yale-Absolventen Peter Brand (Jonah Hill). Der hat von Baseball eigentlich kaum eine Ahnung, dafür aber von Statistik. Peter hat eine Methode entwickelt, wie man Spieler neu bewerten kann. Bisher war es das Ziel, bei Verlust eines guten Spielers auf einer bestimmten Position wenn möglich einen adäquaten Ersatz zu finden, und dabei wurden bei der Betrachtung andere Kandidaten aufgrund verschiedenster Faktoren ausgeschlossen: Alter, individuelle Belastbarkeit, ungelernte Spieler auf dieser Position. Man versuchte stet, Gleiches durch Gleiches zu ersetzen, zog aber beispielsweise nicht in Erwägung, einen sehr starken Spieler durch zwei mittelprächtige zu ersetzen, die in der Addition statistisch dieselbe Leistung bringen. Mit dieser "Geheimformel" ausgestattet, machen sich Billy und Peter auf, das Spiel zu revolutionieren.
Moneyball erzählt die reale Geschichte des Billy Beane und eines ideologischen Grabenkampfes, der im Baseballlager tobt. Soll man nun einzig und allein auf die Statistik setzen und den menschlichen Faktor ausklammern? Kann der Verlust von Schlüsselspielern, die Spiele im Alleingang entscheiden könnten, tatsächlich so einfach zu kompensieren sein? Nun ist Baseball wohl die uramerikanischste Sportart, und zieht man Vergleiche zum deutschen Volkssport Nummer eins heran, dem Fußball, müssen die zwangsläufig hinken. Dass dort der menschliche Faktor nicht ausschaltbar ist, braucht kaum erwähnt werden. Wobei die Teams, die einen sehr homogenen Kader haben, auch dort immer gut mitspielen - wenngleich selten Meister werden.
Filmisch gesehen, ist Moneyball ein recht stiller Vertreter seiner Zunft. Als eine Mischung aus Biopic, Sportlerdrama und moderner Zahlenalchemie ist er zudem auch nicht immer rundherum gefällig und weist deutliche Längen auf. Brad Pitt fällt es in der unaufgeregten Erzählstruktur allerdings relativ leicht, unter Beweis zu stellen, dass er zu einem sehr ordentlichen Charakterdarsteller geworden ist, und auch Jonah Hill als leicht nerdiger Statistikfreak vermag zu punkten. Um zu begeistern, mangelt es dem Film jedoch deutlich an Herz. Die Figuren bleiben meist unterkühlt und viele begeisternde Sportaugenblicke - trotz der speziellen Einblicke in das Geschehen hinter den Kulissen - gibt es zudem nicht zu bestaunen. Ein wenig vom Flair von Die Indianer von Cleveland hätte dem Film möglicherweise aber gut getan, schließlich handelt es sich letzten Endes auch um eine Underdog-Story.
Es stellt sich aber ohnehin die Frage, inwiefern solch ein Film überhaupt etwas für den deutschen Markt sein kann. Die zuweilen krude Zahlenmystik ist vermutlich mehr was für Sportanalytiker, und Baseball bleibt hierzulande, obschon Deutschland in Europa die meisten Aktiven sein Eigen nennt, immer noch eine absolute Randsportart. Es sind aber letztlich insbesondere die menschelnden Momente, die spürbar fehlen, und die dem Film mehr Substanz hätten verleihen können. Sich allein für Arithmetik zu begeistern, fällt eben nicht leicht.