Für ein Verbrechen verurteilt zu werden, das man überhaupt nicht begangen hat - das ist hart. Wenn man dann auch noch feststellen muss, dass man von seiner Lebensgefährtin verarscht wird, das nervt noch mehr. Verständlich, dass man dann etwas zurück haben möchte, wenn man endlich wieder auf freiem Fuß ist. Warum also nicht wirklich das Verbrechen begehen, für das man bestraft wurde? Die Story, die vom Grundgedanken an Doppelmord erinnert, ist zwar irgendwie unterhaltsam und hat ihre witzigen Momente, kann aber in der Gesamtansicht nicht gänzlich überzeugen.
Um Keanu Reeves ist es in den letzten Jahren eher ruhig geworden. Mit Der Tag, an dem die Erde stillstand im Jahr 2008 liegt sein letzter größerer Film bereits einige Zeit zurück. Während es damals noch um die Rettung der Erde ging, schlägt Henry und Julie ganz andere Töne an, sehr leise, manchmal zu leise.
So ist auch die Hauptfigur Henry. Er ist bescheiden, arbeitet an einem kleinen Mauthäuschen, wo eigentlich nie etwas passiert. Er ist glücklich mit seiner Frau Debbie und weiß sein ruhiges Leben zu schätzen. Bis er sich eines Tages ungewohnt spontan bereit erklärt, als Ersatzmann zu einem Softballspiel mitzufahren. Ein kurzer Stopp nur bei der Bank und dann geht's ab aufs Feld. Während seine Begleiter kurz aussteigen, wartet Henry mit laufendem Motor im Wagen. Was er nicht ahnt: Es geht überhaupt nicht zu einem Softballspiel. Während seine Kumpanen die Bank ausrauben und mit der Beute flüchten, wird er festgenommen und muss für das Verbrechen gerade stehen, das er eigentlich überhaupt nicht begangen hat. Doch stoisch fügt sich Henry in sein Schicksal und sitzt die Haftstrafe geduldig ab. Auch als Debbie ihn im Gefängnis besucht, um ihm mitzuteilen, dass sie jemand anderen kennengelernt hat, regt sich nicht viel in Henry. Er wünscht ihr alles Gute und lässt sie ziehen.
Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden ist, versucht Henry, ein neues Leben zu beginnen. Doch es zieht ihn zurück an den Ort des Verbrechens, für das er büßen musste. Dabei kommt ihm ein genialer Plan. Wieso sollte er nicht wirklich die Bank ausrauben?
Die Figur Henry ist vor allem zu Beginn der Geschichte kaum zu durchschauen. Keine Gefühlsregung entkommt diesem Mann, dem so übel mitgespielt wird. Eigentlich beginnt sein Leben erst nach der Haftstrafe, die ihn zumindest in gewisser Weise verändert. Immerhin versucht er nun, sich etwas zurückzuholen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Doch es ändert sich noch viel mehr für ihn. Zum einen lernt er mit Julie eine tolle neue Frau kennen, zum anderen festigt sich die Freundschaft zwischen ihm und Max, seinem Zellengenossen, der ihm bei dem Bankraub behilflich sein soll.
Was sich nun entwickelt, erinnert zum einen entfernt an die Ocean's Eleven-Reihe, hat aber zum anderen auch etwas von Ladykillers. Dabei sorgen vor allem Vera Farmiga in der Rolle der Julie, die sich ebenfalls an einem Scheideweg befindet, und James Caan als Max, der sich eigentlich im Knast ganz wohl gefühlt hat und erst durch Henry wieder Lust am Leben in Freiheit gefunden hat, für frischen Wind und Unterhaltung.
Insgesamt ist der zweite Langspielfilm von Malcom Venville (44 Inch Chest) zwar unterhaltsam, gerät aber nach Sichtung sehr schnell wieder in Vergessenheit, da das gewisse Etwas fehlt. Die leichte Komik, die immer wieder aufkommt, sorgt dafür, dass man sich nicht langweilt, obwohl die Geschichte an sich es nicht wirklich schafft, vollends zu fesseln.