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Crash

(Crash, 1996)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 01. Oktober 1999
Premiere: 17. Mai 1996 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 18 Genre: Drama, Thriller
Länge: 100 min Land: Kanada, UK
Darsteller: James Spader (James Ballard), Holly Hunter (Helen Remington), Elias Koteas (Vaughan), Deborah Kara Unger (Catherine Ballard), Rosanna Arquette (Gabrielle), Peter MacNeill (Colin Seagrave), Cheryl Swarts (Vera Seagrave), Ronn Sarosiak (A.D.)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: J.G. Ballard, David Cronenberg


Inhalt

Nach einem verheerenden Autounfall steht dem Fernsehregisseur James Ballard ein langer Krankenhausaufenthalt bevor. Während seiner Genesung trifft er auf die Mitglieder einer geheimen Untergrundverbindung, die mit Hilfe der ominösen, sexuellen Spannung von Verkehrsunglücken versuchen, ihr Liebesleben in Schwung zu halten. Von der Idee zuerst angewidert, nimmt sich James die Mitglieder des Klubs zum Vorbild und plant seiner erkalteten Ehe mit diesem kranken Spiel neues Leben einzuhauchen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Crash hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 73%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Müller
Crash hat eine Wertung von 73%
Mit Crash bringt David Cronenberg das sich durch sein Gesamtwerk ziehende Körperhorror-Motiv in eine neue Richtung. Selten zuvor wurde die Veränderung des menschlichen Körpers durch Technik provokanter und abstoßender dargestellt. Dieser Ansatz wird mit einer gehörigen Portion Fetisch, Perversion und düsterer, kalter Erotik garniert und ergibt einen sehr interessanten, diskussionswürdigen Film. Crash ist sicherlich sehens- aber keinesfalls uneingeschränkt empfehlenswert, denn der Zugang zu diesem Werk ist alles andere als leicht.

Bild aus Crash David Cronenberg (Die Fliege, Videodrome) realisierte Crash nach der Vorlage von James G. Ballards gleichnamigem Roman. Das Ergebnis ist ein Film, der bei seiner Veröffentlichung sehr unterschiedlich aufgenommen wurde und dank der Empörung einiger zarter Gemüter schnell als Skandalfilm gehandelt wurde. Tatsächlich ist das Konzept, erotische Stimulation aus Autounfällen und den damit einhergehenden Veränderungen des menschlichen Körpers zu gewinnen, durchaus provokant. Zu präsent ist der Gedanke an die zahllosen Opfer von Verkehrsunfällen, als dass man diesen kranken Fetisch nachvollziehen könnte. Als zynisch und respektlos könnte man Cronenbergs Konzept abtun, doch würde man dem fertigen Werk damit nicht gerecht werden. Denn in Crash wird recht schlüssig ein an sich interessanter Gedanke präsentiert, ohne dabei ins Geschmacklose abzudriften. Die Sexszenen wurden mit einer eigentümlichen Ästhetik umgesetzt, wirken befremdlich, kalt, morbide, teils naturalistisch, teils surreal und dennoch erotisch zugleich. Die Unfälle sind nur dezent actionlastig inszeniert. Wer also eine Art Alarm für Cobra 11 mit Brüsten und düsterer Stimmung erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht werden, zumal es insgesamt eine recht überschaubare Anzahl an Kollisionen zu sehen gibt und diese zwar die Handlung voranbringen, jedoch an sich nicht im Zentrum des Geschehens stehen.

Natürlich könnte der Plot recht schnell lächerlich werden, wenn es dem Regisseur nicht gelingt, von der ersten Minute an eine vereinnahmende Atmosphäre zu schaffen und auf die falschen Darsteller gesetzt wird. Doch zum Glück inszenierte Cronenberg Crash ähnlich intensiv und atmosphärisch dicht wie die meisten seiner Filme und konnte dazu auch noch auf ein wunderbar mies gelauntes und passend zurückhaltend spielendes Darstellerensemble setzen. So ist es neben dem überzeugenden und hervorragend besetzten James Spader (Stargate) und Elias Koteas (Shutter Island) nicht zuletzt Deborah Kara Unger (The Game), die eine faszinierende Leistung abliefert, wobei natürlich auch Holly Hunter (Copykill) und Rosanna Arquette (After Hours) lobend erwähnt werden müssen. Jeder dieser großartigen Schauspieler ist absolut überzeugend und geht wunderbar in den in jeder Hinsicht fordernden Rollen auf.

Doch trotz der Anerkennung, die man diesem Werk zu Teil werden lassen muss, kommt man nicht umhin anzumerken, dass es sich bei Crash um einen der schwächeren Filme David Cronenbergs handelt. Womit man sich abfinden muss, ist, dass es praktisch keine Identifikationsfiguren und keinen klassischen Spannungsbogen gibt. Spannung im eigentlichen Sinn darf man also nicht erwarten und zwischenzeitlich erscheinen einige Konstellationen doch etwas wirr und unschlüssig, was sich besonders beim Ende zeigt. Es ist tatsächlich schwer, einzelne Schwachstellen zu bemängeln, doch Crash hinterlässt ein Gefühl der Unvollständigkeit. Ob dieses auf Schwachstellen im Drehbuch oder in der Umsetzung zurückzuführen ist oder von den Machern beabsichtigt war, bleibt wohl eine Interpretationsfrage. Sicher sagen kann man aber, dass der größte Teil des Mainstream-Publikums wenig Freude an Crash haben dürfte. Wobei auch bei allen anderen "Freude" sicherlich der falsche Begriff für dieses unbehagliche, kalte Werk ist.



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