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Melancholia

(Melancholia, 2011)

Dt.Start: 06. Oktober 2011 Premiere: 18. Mai 2011 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Drama, Sci-Fi
Länge: 135 min Land: Dänemark, Frankreich, Schweden, Deutschland
Darsteller: Kirsten Dunst (Justine), Charlotte Gainsbourg (Claire), Kiefer Sutherland (John), Charlotte Rampling (Gaby), John Hurt (Dexter), Alexander Skarsgard (Michael), Stellan Skarsgard (Jack), Brady Corbet (Tim), Cameron Spurr (Leo)
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier


Inhalt

Justine ist eine melancholische, zurückgezogene junge Frau. Sie will sich aber nicht nehmen lassen, ihre Hochzeit mit groß angelegten Festlichkeiten auf einem schwedischen Schloss zu feiern. Draußen auf dem nahegelegenen Golfplatz bemerkt sie schließlich, dass der Stern Antares aus dem Sternbild Skorpion verschwunden ist. Ihre Schwester Claire ist sich sicher: Der riesige Planet Melancholia kommt auf die Erde zu.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Melancholia hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 66%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 64 für Melancholia

An sich hätte der neueste Streich von Lars von Trier ein hervorragendes Werk werden können, würde er sich nicht den kompletten Film über selbst beweihräuchern. Schon die Eröffnungsszene erinnert nicht gerade unanfällig an seinen Antichrist-Opener, aber auch die folgende erste Hälfte kopiert dreist Das Fest ohne dem Ganzen etwas Neues hinzuzufügen. Dummerweise nimmt der Regisseur dem Zuschauer zudem mit seinem Opening das Ende auch gleich vorweg und dem Film dabei jegliche Spannung. Die Charaktere sind dafür ordentlich geschrieben und über weite Strecken auch gut gespielt. Besonders Charlotte Gainsbourg darf hier groß aufspielen und zeigen, was in ihr steckt. Etwas enttäuschend, aber immerhin solide agiert hingegen Kirsten Dunst, die (vermutlich aufgrund schwacher Konkurrenz) in Cannes noch den Preis als beste Darstellerin entgegen nehmen konnte. Visuell ist das Ganze absolut brillant in Szene gesetzt: Jede Einstellung sitzt, der Sound ist bombastisch und die letzte Szene des Films schafft es wortwörtlich den Zuschauer aus seinem Sitz zu blasen. Wer von Triers Filme nicht kennt wird begeistert sein, der Rest sich über die Selbstbeweihräucherung ärgern.

Kurzkritik
von Lutz Granert
Wertung von 48 für Melancholia

Nach einer beeindruckenden und streng komponierten, wenn auch ultraprätentiösen Exposition um ein Kaleidoskop des Weltuntergangs in Extremzeitlupen baut Melancholia stark ab. Eine ausladend lange Hochzeits-Szene, bei der Protagonistin Justine (Kirsten Dunst) zunehmend ihre emotionale Maske fallen lässt, gerät zur stargespickten, aber wenig mitreißenden Antwort auf Thomas Vinterbergs Dogma-Meisterwerk Das Fest. Der zweite Teil gerät zum zähen Familiendrama, in welchem der nahende Weltuntergang zu den sich wiederholenden, immer ausgelutschter klingenden Klängen Richard Wagners als plumper Metapher für zerbrechende zwischenmenschliche Beziehungen herhalten muss. Ein ästhetisch eindrucksvoller, aber inhaltlich hohler und geltungsbedürftiger Gehirnfurz von Lars von Trier.

Kritik

von Markus Müller
Melancholia hat eine Wertung von 85%
Lars von Triers neuester Film strotzt vor Ästhetik und gewaltigen Momenten, liegt dabei gleichzeitig schwer im Magen und entlässt den Zuschauer mit einem bisher ungekannten Gefühl zwischen Trübsinn und Angstlosigkeit, auf jeden Fall aber mit gedämpfter Stimmung. Melancholia ist streckenweise zäh und quälend, wobei dies im Nachhinein durchaus Sinn macht. Es ist gut möglich, dass sich, je nach Erwartungshaltung, noch während des Schauens ein Gefühl von Enttäuschung breit macht. Doch Melancholia entfaltet eine fast schon beängstigende Nachhaltigkeit. So ist von Triers neuester Streich zwar nicht sein bestes Werk, aber der wahrscheinlich poetischste Katastrophenfilm überhaupt.

Bild aus Melancholia In gewisser Weise sind alle Filme des umstrittenen dänischen Autorenfilmers sehr eigenwillig, doch kaum einer seiner vorherigen Streifen ließ sich derart schwierig beurteilen wie Melancholia. Zum einen ist da der Eindruck, der während des Sehens entsteht, und der ist recht gemischt. Neben einigen gewaltigen Momenten, die zeigen, welche Bildkraft auf einer Kinoleinwand entfaltet und wie das Kino zum Konzertsaal werden kann, gibt es eine Erzählweise, bei der es streckenweise schwer fällt, sich in sie hineinzuversetzen. Dies liegt daran, dass die beiden Episoden, die jeweils eine der beiden Schwestern in den Mittelpunkt stellen, nicht so recht zueinander passen, wodurch der Film in zwei Hälften bricht. Das Problem dabei ist, dass es schwer fällt, den Film als stimmig und harmonisch wahrzunehmen. Somit wird der Zuschauer streckenweise auf Distanz gehalten und empfindet so auch einige Szenen als langatmig, da er Schwierigkeiten hat, sich bedingungslos auf die Handlung einzulassen. Dies fällt besonders in der ersten der beiden Episoden auf, wobei aus dieser deutlich mehr in Erinnerung bleibt. Auf der anderen Seite steht die enorme Wirkung, die der Film im Nachhinein entfaltet. Es sind die Bilder des immer größer werdenden, blauen Planeten am Himmel, die einem noch Tage nach dem Sehen im Kopf bleiben. Es ist sicherlich das minimalistischste, vielleicht auch realistischste Weltuntergangsszenario, das es jemals zu sehen gab.

Ähnlich wie bei Antichrist gibt es auch in Melancholia einen ausgiebigen, sehr künstlerisch gestalteten Prolog. Wo in Antichrist hochästhetische Schwarz-Weiß-Bilder in Zeitlupe die Vorgeschichte der persönlichen Katastrophe eines Paares erzählen, geht Melancholia noch um einiges weiter. Zum Titelthema von Richard Wagners "Tristan und Isolde" zeigt von Trier in Super-Zeitlupe wunderschöne, dunkelbunte Fantasiebilder; jedes für sich ein Kunstwerk im Wechselspiel mit Aufnahmen vom Ende der Welt, das der riesige Planet "Melancholia" herbeiführt, als er auf die Erde zusteuert und schließlich mit ihr kollidiert. Dieser Anfang ist sensationell und mit nichts bisher Gesehenem vergleichbar. Gleichzeitig ist er jedoch derartig übertrieben bombastisch und so schreiend künstlerisch, dass man fast geneigt ist, ein wenig ins Schmunzeln zu geraten, und wer den eigenwilligen dänischen Humor Lars von Triers kennt, möchte nicht einmal ausschließen, dass er sich dessen bewusst war. Doch die tonnenschwere, gewaltige Inszenierung sei erlaubt, schließlich geht es um nichts anderes als den Weltuntergang und, wie im Film angemerkt, damit auch um das Ende von Leben an sich.

Kurz nach diesem Prolog wird der Zuschauer überrascht: Die gute alte Handkamera ist wieder da und wackeliger denn je. In einem von-Trier-Film sollte man davon nicht überrascht sein, schließlich wackelt der gute Lars schon immer gern in der Gegend herum. Diese Art der Kameraführung ist und bleibt jedoch Geschmackssache und funktioniert auf heimischen Fernsehern deutlich besser als im Kino, wo es, je nach Leinwandgröße, extrem anstrengend sein kann und bei einigen Zuschauern unausweichlich Übelkeit hervorruft. Dies steht natürlich im heftigen Kontrast zu den perfekt fotografierten Anfangsbildern, die man so großformatig wie möglich gesehen haben muss. Erst später beruhigt sich die Kamera und ist auf der Hochzeit als Stilmittel sehr gelungen und fast schon unabdingbar, bis man sich schließlich gänzlich an sie gewöhnt hat.

Von Triers Film strotzt vor Ästhetik. Der auf die Erde zurasende blaue Planet ist faszinierend, gewaltig und blau, was wir auf unserem "Blauen Planeten" automatisch mit Leben verbinden. Durch eben diesen Himmelskörper die Existenz unserer Erde beendet zu wissen, ist beängstigend, aber irgendwie auch beruhigend. Schließlich entzieht sich die Menschheit und jedes Individuum für sich gänzlich jeder Verantwortung, und alle Konflikte und Probleme fallen in Anbetracht eines übermächtigen Fatalismus der Nichtigkeit anheim. Die Vorstellung eines solchen Weltunterganges ist eine eigenartige Reduktion auf elementare Dinge und die Offenbarung der Lächerlichkeit von all dem weltlichen, alltäglichen Unsinn und den banalen Problemen unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Es sind tiefgreifende Gedanken, die sich noch Tage nach dem Kinobesuch im Kopf des Rezipienten breit machen.

Kirsten Dunst (Marie Antoinette) liefert eine grandiose Leistung ohne jede Eitelkeit, für die sie zu recht in Cannes mit der silbernen Palme ausgezeichnet wurde. Ursprünglich sollte die Rolle der Justine mit Penelope Cruz besetzt werden, diese sagte jedoch wegen Überschneidungen mit den Dreharbeiten zu Fluch der Karibik - Fremde Gezeiten ab. Sicherlich wäre sie auch eine gute Kandidatin für diese hochanspruchsvolle Rolle gewesen, doch Kirsten Dunst hätte sie wohl auch nicht übertroffen. Neben Kiefer Sutherland (Dark City) trommelte Lars von Trier auch einige Darsteller aus früheren Werken zusammen. So wird der Part von Justines Schwester Claire von Charlotte Gainsbourg (Antichrist) übernommen. Um eine Harmonie zwischen der ersten und der zweiten Hälfte zu wahren, war es extrem wichtig, eine Darstellerin zu finden, die Kirsten Dunst ebenbürtig ist, was mit Charlotte Gainsbourg zweifellos gelang. Dennoch ist sie nicht so charismatisch wie Dunst, wenn auch nicht weniger hochkarätig in ihren schauspielerischen Fähigkeiten. Zudem sind auch Udo Kier (Geister) und Alexander Skarsgard (Breaking the Waves) in kleineren Rollen zu sehen.

Die letzten Minuten erfüllen die bereits im Prolog aufgebauten Erwartungen. Das Ende ist gewaltig, monströs, endgültig. Man muss es einfach gesehen haben! Während des Abspanns herrschte im Kinosaal absolute Stille. Es war eine fast schon beängstigende Stille, das "Nichts", das aus der Leinwand gesprungen war, bis endlich der erste hustete.



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