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Good

(Good, 2008)

Durchschnittliche Redaktionswertung

42%



Inhalt

Wir befinden uns in den 1930er Jahren, kurz nach der Machtergreifung Hitlers. John Halder, ein deutscher Literaturdozent, glaubt zunächst nicht an die Ideologien und Grundsätze, und schon gar nicht an eine Zukunft der aufstrebenden NSDAP. Ein Jobangebot aus dessen Reihen scheint für ihn also wenig problematisch, weshalb er dieses gerne annimmt. Erst als er die Karriereleiter immer weiter nach oben klettert, beginnt er so langsam zu begreifen, in welchen Kreisen er nun verkehrt.

Kritik

von Markus Mller

Wertung Kritik

42%

Im Zuge der Aktion T4 (Euthanasiemorde) wurden während des Dritten Reiches über 100.000 als "lebensunwert" eingestufte Behinderte und sozial oder rassisch unerwünschte Menschen getötet. Nach einer Publikation zum Thema Sterbehilfe wird in dieser Adaption eines Theaterstücks der Literaturprofessor John Halder unfreiwillig zu einer Galionsfigur der SS und soll eine entscheidende Rolle bei der moralischen Rechtfertigung der Aktion einnehmen. Es scheint, als wolle Good sich des hochkomplexen Themas annehmen, doch leider reist er es nur an. Statt neue Informationen und Hintergründe aufzuzeigen, beschäftigt sich der Streifen hauptsächlich mit Nebensächlichkeiten aus Halders Privatleben und altbekannten Informationen zur Naziideologie, statt seine Möglichkeiten zu nutzen. Trotz der starken Besetzung und der technisch gelungenen Umsetzung will der Film in keinem Moment überzeugen, weil er komplett sein Thema verfehlt.

Bild aus Good John Halder (warum heißt ein deutscher Professor in der damaligen Zeit eigentlich John?) hat einst einen Roman geschrieben, der sich mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzt. Bekanntlich war Euthanasie aus verschiedenen Gründen überaus interessant für die Nazis, die Gefallen an Halders Werk finden. So soll Halder zunächst einige Artikel, die das Thema moralisch positiv beleuchten sollen, verfassen. Später wird sein Roman verfilmt, wobei natürlich kein geringerer als Göbbels persönlich die Produktion übernimmt. Systematisch erfolgt Halders Aufstieg in der SS, in die er quasi ehrenhalber berufen wurde, bis er sich schließlich als Gutachter für Euthanasieexperimente in einem KZ wiederfindet. Die Geschichte klingt nicht unbedingt schlüssig, es ist aber durchaus vorstellbar, dass sich damals derartige Karrieren entwickelt haben.

Das große Problem von Good ist jedoch nicht der Plot selbst, sondern die lückenhafte und holprige Erzählweise. Ständig wird der Zuschauer vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne dass die Entwicklungen Halders wirklich nachvollziehbar sind. Statt systematisch und lückenlos nachvollziehbar die "unfreiwillige" Karriere Halders zu zeigen, konzentriert sich der Film viel mehr auf sein Liebesleben und die damit einhergehende Trennung von seiner Frau. Des Weiteren thematisiert er auch die Beziehung zu seinem besten Freund, dem jüdischen Psychoanalytiker Maurice und die Pflege seiner dementen Mutter. Im Grunde versucht Good den Großteil der Spielzeit besonders das Dilemma eines einzelnen guten Charakters aufzuzeigen, der in ein von Grund auf böses System hineingezogen wird. Dieser Stoff ist an sich natürlich alles andere als neu und bietet seit jeher eine extreme Anfälligkeit für Schwarz-Weiß-Malerei. Wird das Böse einmal mehr durch Nazis personifiziert, steigt die Gefahr einer primitiv-naiven Stereotypisierung umso mehr. Good nutzt genau diese simple Gut-Böse-Rollenverteilung und macht es sich zunächst recht leicht, indem er einen feingeistigen Literatur-Professor in den Mittelpunkt stellt und immer wieder unmissverständlich erklärt, dass er ein "guter" Mensch ist. Interessant wird der Charakter Halders, als er seine Familie verlässt, um mit einer seiner Studentinnen zusammen zu sein und er infolgedessen auch die Pflege seiner Mutter vernachlässigt. Bereits hier bröckelt die Fassade des Vorzeigemenschen, was jedoch mit dem Nationalsozialismus im allgemeinen und speziell der Euthanasiethematik überhaupt nichts zu tun hat und für den weiteren Handlungsverlauf in Anbetracht der Grundthematik nicht weiter von Bedeutung sein sollte.

In der Figur der schwerkranken Mutter Halders scheint sich ein persönlicher Bezug zur Euthanasie anzubahnen, leider werden aber auch hier nicht im Ansatz die Möglichkeiten genutzt und so wird das Thema bestenfalls kurz angeschnitten. Die Beziehung zu Maurice hingegen ist das gelungenste am Film. Hier wird der moralische Zwiespalt Halders am überzeugendsten deutlich. Dies liegt vor allem am absolut überzeugenden Spiel von Jason Isaacs (Death Proof), der die Entwicklung seiner zunächst selbstsicheren Figur zum Verfolgten glaubhaft darstellt und damit sogar Viggo Mortensen (A History of Violence) übertrifft. Leider schafft Mortensen es trotz guter Leistung nicht, dem Zuschauer seine Figur ausreichend sympathisch zu machen, was aber im Wesentlichen dem schwachen Drehbuch zuzuschreiben ist. Abgesehen von der ungeschickten Gewichtung zwischen Halders Privatleben und seiner Nazi-Karriere, stört vor allem, dass seine Handlungen oft nicht nachvollziehbar sind. Besonders unter dem Aspekt, dass er Professor ist, verhält er sich streckenweise unfassbar dämlich.

Insgesamt sind die moralischen Fragen zu platt und die wenigen Antworten, die der Film gibt, demnach fast schon überflüssig. Die Halluzinationen von musizierenden Menschen, die Halder in Schlüsselszenen hat, sollen einen Schulterschluss zu einer Vorlesung am Anfang bilden und Ausdruck seines Gewissenskonfliktes, seiner Schuldgefühle und des "Bewusstwerdens" sein. Leider ist dies nicht nur sehr abstrakt, sondern auch recht schwammig umgesetzt und funktioniert insgesamt überhaupt nicht. Dementsprechend wenig gelungen ist auch das Ende in einem KZ, in dem Halder eingesetzt werden soll. Das KZ ist in dieser Form sicherlich nicht historisch korrekt dargestellt und da man die Schilderung des Lagerlebens schon oft um einiges realitätsnäher und treffender gesehen hat, entfaltet die Schlussszene kaum die Schockwirkung, die wohl vorgesehen war. Alles in allem bleibt ein mäßig unterhaltsamer Film mit insgesamt überzeugenden Darstellerleistungen und einer guten technischen Umsetzung, der aber leider vollkommen sein Thema verfehlt und nicht nachwirkt.

Keine weitere Wertung


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