Gleeks aufgepasst: Nachdem euch ein Livekonzert in Deutschand verwehrt wurde, habt ihr nun die Möglichkeit, dieses Erlebnis zumindest in einem Kino eurer Wahl nachzuholen. Der Konzertfilm dieser mit Preisen überhäuften Serie (unter anderem Golden Globe und Emmy für die beste Serie) bietet 90 Minuten lang hervorragende Musik und ist dabei ein Fest für Augen und Ohren und wird sicherlich nicht nur die Fans der Serie begeistern können.
Mit der Serie Glee schuf Ryan Murphy eine Musicalserie, die nahezu auf der ganzen Welt einen Hype ausgelöst hat. So ist die Serie um einen Schulchor voller Nerds nicht nur in vielen Ländern auf den Toppositionen der Charts wieder zu finden, auch deren Tournee erwies sich als Hit und war ausnahmslos ausverkauft. Hierzulande jedoch führt die Serie bislang ein Schattendasein, ist nahezu unbekannt und wurde auf Super RTL verramscht. Aus diesem Grunde hat die große Welttournee leider keinen Abstecher nach Deutschland zugelassen. Doch immerhin haben jetzt die wenigen deutschen Gleeks mit dem Kinostart des 3D-Konzertfilms die Möglichkeit, einen Hauch Tour mitzunehmen, denn auch wenn es wahr ist, was Sue Sylvester in ihrem Trailer zum besten gibt: "Warum einen Konzertfilm schauen, wenn man auch auf das Konzert gehen kann"; hierzulande bestand diese Möglichkeit nicht und somit kommt diese Ausweichmöglichkeit gerade recht.
Der Film ist in zwei verschiedene Ebenen erzählt: So wird das Phänomen Glee aus der Sicht der Fans gezeigt, die zum einen ihre Ausführungen über die Serie (inkl. den obligatorischen Kreischattacken) wiedergeben und zum anderen auch deren Einfluss auf ihr Privatleben ansprechen. Beispielsweise sei hier das unfreiwillige Coming Out eines homosexuellen Schülers erwähnt. Diese Szenen werden meist zwischen die Songs des Konzertes gemischt, die den zweiten, größeren Teil des Filmes umfassen. Hier wird nochmals unterschieden zwischen der Performance auf der Bühne und dem Treiben im Backstagebereich. Bei Letztgenanntem ist es dabei etwas Schade, dass die Darsteller selbst dort im Charakter bleiben und man somit keinerlei Hintergrundwissen über die Darsteller selbst erfährt.
Wer sich für gute Musik begeistern kann, der wird gleich zu Beginn mit einem Gänsehautopening aus dem Sitz geblasen: Das Journey-cover Don't Stop Believing, im Grunde die inoffizielle Hymne der Serie, wird einmal mehr hervorragend zum Besten gegeben. Was daraufhin folgt ist jedoch nicht minder stark, denn ob nun Sing, Valerie oder das Beatles-cover I Wanna Hold Your Hand zum Besten gegeben wird: Nahezu jede Interpretation ist auf ihre eigenständige Art und Weise gelungen und zudem hervorragend choreografiert. Man merkt in jeder Sekunde, dass es sich bei New Directions, so der Titel der Band, zu keiner Zeit um eine zusammengewürfelte Teenieband handelt, sondern erfahrene Broadwayakteure etc. ihr Talent zum Besten geben dürfen. Heather Morris sei hier noch besonders zu erwähnen, da sie wie in der Serie trotz Nebenrolle im Grunde allen die Show stehlen darf. Nicht nur dass jedem männlichen Fan der Atem bei I'am a Slave for You stocken dürfte: Die junge Frau ist allgegenwärtig und stellt vor allen Dingen im Bezug auf ihr Tanztalent die weiteren Mitglieder der Band in den Schatten.
Das Ganze wird zudem, wie heutzutage üblich, in schickem 3D präsentiert. Dieser sieht beim Konzert durchweg sehr überzeugend aus, so dass man sich, entgegen Sue Sylvesters Meinung, doch fast vor Ort wähnt. Der Ton ist glücklicherweise hervorragend abgemischt, so dass der Film auf technischer Seite vollkommen zu überzeugen vermag.
Im Grunde macht Glee on Tour - Der 3D Film alles richtig: Er spielt die Stärken der Serie (die Musik, die Choeografien, die talentierten Akteure) vollkommen aus und klammert deren Schwächen (ja, es handelt sich bei Glee inhaltlich dann doch um eine gezuckerte, klischeehafte Teenieserie) gekonnt aus. Sehr schade ist natürlich das Fehlen der Charaktere Schuster, Pillsbury und Sylvester, die man doch sicherlich einfach in den Backstagebereich hätte integrieren können. Dafür wird der Zuschauer mit einem überraschenden und überaus gelungenen Cameoauftritt einer überaus bekannten Schauspielerin entschädigt. Wer sich für gute Musik und tolle Choreografien begeistern kann, der darf sich auf eine überaus gelungene Konzerterfahrung einstellen; kennt man die Serie und die Songs, ist der Spaß natürlich nochmals ungleich größer.