Der erste Film des Theaterregisseurs Sam Mendes, American Beauty, war großer Gewinner der 1999er Oscarverleihung. Seither war Mendes nur für die Bühne tätig. Sein neuer, stargespickter Film ist ein Drama, für dessen Genre Der Pate Pate stand. Zwar treffen wir hier nicht Robert DeNiro, Al Pacino oder Marlon Brando, aber mit Paul Newman und Publikumsliebling Tom Hanks geben zwei Oscar-prämierte Schauspieler die Schlüsselrollen zum Besten. Für elegante Bilder sorgte Conrad L. Hall, der schon bei American Beauty ein visuelles Glanzstück ablieferte und dafür berechtigterweise ausgezeichnet wurde.
Vorlage für Road to Perdition ist die gleichnamige, 1998 erschienene "Graphic Novel" von Autor Max Allan Collins und Künstler Richard Piers Rayner. Road to Perdition spielt in und um Chicago nach dem "Schwarzen Freitag" von 1929. Das Mafiadrama entfaltet sich um den von Hanks gut gespielten Michael Sullivan, der ein Doppelleben führt: Einerseits ist er liebend umsorgender Ehemann und Vater, andererseits begeht er Morde für seinen irischen Auftragsgeber Rooney, der brillant gespielt wird von Paul Newman. Rooney verhalf Sullivan einst zu bescheidenem Wohlstand und umsorgt ihn beinahe väterlich. Das ändert sich erst, als Sullivans Sohn Michael jr., weil er nicht genau weiß, was der verschwiegene Vater arbeitet, sich im Wagen seines Vaters versteckt und daher Zeuge eines Mordes wird. Da kommt Rooneys umtriebiger Sohn Connor ins Spiel: Er will den Sohn und die Mutter töten. Das gelingt ihm auch. Nur mit dem Schönheitsfehler, dass er den falschen Sohn erwischt hat. So treiben Sullivan Rachegelüste und er macht sich gemeinsam mit Michael jr. auf den Weg der Verdammniss. Er nimmt sich bei seiner Rache einen Gangsterkollegen nach dem anderen vor, wobei ihm sein Freund hilft. So wird aus dem distanzierten Verhältnis der beiden im Laufe der Zeit langsam ein innigeres.
In seiner ersten Rolle als eine art Bösewicht gibt Hanks eine gute Figur ab, doch will man ihm eine solche Rolle nicht so richtig abnehmen, zu sehr schweben die äußerst positiven Hanks-Figuren aus Forrest Gump und Verschollen im Hinterkopf, man sucht quasi nach einer Rechtfertigung für seine schlechten Taten. mit Hanks' Besetzung ist Mendes ein äußerst cleverer Schachzug gelungen, denn diese Ambivalenz ist einer der zahlreichen Reize, die Road to Perdition auszeichnen. Ein weiterer "Glücksgriff" war die Besetzung der Der Pate-Marlon-Brando-Rolle mit Paul Newman. Mit irischem Akzent und seiner "Paten"-Miene - einfach eine Idealbesetzung. Jude Law als vernarbter Killer-Photograph wirkt so psychopathisch, dass er die abstoßendste Figur abgibt. Abstoßend, allerdings vor allem im moralischen Sinne, ist der von Daniel Craig verkörperte Connor Rooney, der eine durchaus passende Figur abgibt.
Sam Mendes' Regiearbeit indes stellt das Glanzstück dar. Detailgenauigkeit wird groß geschrieben, jeder Köperhaltung, die den Personen zugeschrieben wurden, wird beispielsweise metaphorisch eine Eigenschaft beschrieben. So geht der abartige Killerphotograph leicht gebeugt und schief, und Sullivan ist immer standhaft in seinem schweren Kostüm - erst gegen Ende löst er sich aus dieser "Starre". Die Morde, welche reichlich begangen werden, finden entweder "direkt im Off" statt, oder aber ein Gegenstand verdeckt die Gewalttat. Die Kameraarbeit von Hall verdient wieder größtes Lob - der Mann versteht seine Arbeit einfach, und fängt so manches visuell stimulierendes Bild ein. Geschickt lassen er und Mendes den Zuschauer an der finsteren Unterwelt des Gangsterdaseins teilhaben. Je dunkler die Machenschaften, desto dunkler der Ort und desto dunkler die Bilder. Diese dunklen Farbtöne werden lediglich zersprengt vom vergossenen Gangsterblut.
Road to Perdition nimmt sich durchaus auch wirklich schwierigeren Themen an: Denn eigentlich ist die Gangsterstory nur Vehikel für die Vater-Sohn-Beziehung, an deren Emotionalität der Zuschauer vorerst nicht teilnehmen kann, zu distanziert ist es. Der Vater ist aufgrund seines Berufes zu Verschwiegenheit genötigt, und so fällt es dem Sohn vorerst schwer ein gutes Verhältnis mit seinem Vater aufzubauen. Es müssen erst Mutter und Bruder sterben, und er mit seinem Vater auf Rachefeldzug gehen, ehe sich der beiden Verhältnis bessert. Dabei ist es Sullivans größte Angst, dass sein Sohn einmal wie er werden würde. Road to Perdition präsentiert sich als ein stargespicktes Mafia-Epos der Extraklasse, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.