Mit seiner Verfilmung von Spür die Angst gelingt es Regisseur Daniel Espinosas leider nicht, das Buch erfolgreich in einen Film umzusetzen. Trotz guter Inszenierung vermag es der Film im Verlauf der Spieldauer durch die Vielzahl an Personen und Handlungsstränge sowie deren im Film unklar bleibenden Motivationen und Hintergründen nicht, den Zuschauer zu fesseln.
Mit dem Erfolg und der Qualität der Verfilmungen von Stieg Larssons Millennium-Trilogie hat man gerade erst in Schweden gezeigt, wie man einen spannenden Thriller auf die Leinwand bringt. So war es mit Sicherheit ein logischer Schluss, dass sich Daniel Espinosa mit Spür die Angst ebenfalls daran machte, eine erfolgreiche Romanreihe eines Landsmanns zu verfilmen.
Und handwerklich gesehen ist Easy Money - Spür die Angst ein überzeugend inszenierter Auftakt für die geplante Trilogie. Durch die von Kameramann Aril Wretblad mit einem dezenten Blaustich eingefangenen Bilder und die dazu passende, Rave-artige musikalische Untermalung präsentiert Daniel Espinosa, der gerade mit Safe House sein Hollywood-Debüt gegeben hat, sein Stockholmer Gangsterepos in einem realistisch-kühlen Look.
Doch leider gelingt es ihm und seiner Drehbuchautorin Maria Karlsson inhaltlich nicht, aus der Romanvorlage von Jens Lapidus einen spannenden Thriller werden zu lassen. So beginnt der Film mit einigen ziemlich wirren Handlungssprüngen und einer Vielzahl unterschiedlicher Personen. Diese werden in kurzen Szenen einführt, ohne dass man auch nur im Entferntesten eine Ahnung davon bekommt, wer sie sind oder was sie vorhaben. Daher dauert es fast zwanzig Minute, bis man endlich den Überblick über dieses erzählerische Chaos erlangt.
Leider wird es dann nicht besser, denn die Haupthandlung um den Aufstieg und Fall von Johan "JW" Westlund, dem die Zügel im skrupellosen Drogengeschäft immer mehr entgleiten, war schon derart oft zu sehen, dass man damit keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken kann. Wenngleich man zugeben muss, dass Joel Kinnaman diese Rolle durchaus solide spielt, kann auch Easy Money - Spür die Angst diesem Thema nichts Neues mehr abringen, weshalb sich recht bald gelangweiltes Desinteresse einstellt.
Die beiden Nebenhandlungen um zwei brutale Gangster, die beide gleichzeitig ihre moralische Integrität wiederfinden und sich nach diesem Job um ihre Familien kümmern wollen, kann da leider auch nichts daran ändern. Davon abgesehen, dass sich die beiden Geschichten ziemlich ähnlich sind, vermag es auch keine der beiden Storys, einen emotional zu berühren. Dies liegt zum einen an dem Herunterrattern der beiden Nebenhandlungen, die ein wenig so wirken, als seien sie lediglich Lückenfüller für die Haupthandlung. Zum anderen vermögen es weder Matias Padin Varela als Jorge noch der von Dragomir Mrsic dargestellte Mrado, Sympathie zu wecken.
Letztlich bietet die Inszenierung von Daniel Espinosa zwar gutes Handwerk, doch das kann die flache Standarthandlung leider nicht kompensieren. So landet Easy Money - Spür die Angst als routiniert gemachter und gespielter 08/15-Thriller gerade noch so im unteren Mittelmaß.