Gerhard Richter - Painting Poster

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Gerhard Richter - Painting

(Gerhard Richter - Painting, 2011)

Dt.Start: 08. September 2011 Premiere: 08. September 2011 (Deutschland)
FSK: o.A. Genre: Dokumentation
Länge: 101 min Land: Deutschland
Darsteller: Gerhard Richter (als er selbst), Norbert Arns (als er selbst), Hubert Becker (als er selbst), Sabine Moritz-Richter (als sie selbst), Konstanze Ell (als sie selbst), Marian Goodman (als sie selbst), Benjamin Buchloh (als er selbst), Kasper König (als er selbst), Ulrich Wilmes (als er selbst), Sandy Nairne (als er selbst), Paul Moorhouse (als er selbst)
Regie: Corinna Belz
Drehbuch: Corinna Belz


Inhalt

Gerhard Richter ist bereits seit rund 50 Jahren einer der angesagtesten Künstler, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Genug Zeit scheint vergangen, damit der zurückhaltende Richter die Regisseurin Corinna Belz in sein Atelier einlädt und einmalige Blicke in sein Arbeitsleben gewährt. Es wird sowohl gezeigt, wie Richter erfolgreich an Gemälden arbeitet, aber genauso, wie er, wenn ihm etwas nicht gefällt, es zerstört und von vorne beginnt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Gerhard Richter - Painting hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 30%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Wilhelm Skrjabin
Gerhard Richter - Painting hat eine Wertung von 30%
Gerhard Richter ist einer der international arriviertesten bildenden Künstler der letzten fünf Jahrzehnte und wohl der bekannteste noch lebende Deutschlands. Regisseurin Corinna Belz beobachtete Richters Ateliersarbeit über den Zeitraum von fast einem Jahr. Mit dem Hauptaugenmerk auf der Prozessualität mehrerer abstrakter postexpressionistischer Großformate hält sie damit das Kunstschaffen und -denken des Großmeisters fest, schafft es aber darüber hinausgehend nicht, Richter trotz bewusst naiver Fragen erörternde Worte über dasselbe zu entlocken.

Bild aus Gerhard Richter - Painting "Malen ist eine andere Form des Denkens" und "Ästhetik ist nicht wichtig", sagt Richter in einem frühen Interview. Mit ersterem trifft er wohl den Heideggerschen Kerngedanken einer abseits von Oberflächenästhetik agierenden, vom Ding abgesonderten sujetverpflichteten Kunst, das Anliegen rein der Malerei als solche verpflichteten Haltung der amerikanischen abstrakten Expressionisten des vergangenen Jahrhunderts und gleichzeitig ihre besondere Art, den Künstler zu mystifizieren. Später spricht er von undefiniertem Instinkt, der ihn dazu bringt, etwas zu malen. Und malt dem Anschein, seiner eigenen Worte und der Inszenierung Belzs nach auch genau so. Die Leistung des dynamischen, zufälligen Actionpaintings, seiner Zweigstellen und der Nachfolger von Richters amerikanischen Kollegen bestand oft darin, das Malen nicht zu kontrollieren, sondern aus dem intellektuellen Aussortieren seiner gehaltvollen Zustände zu schaffen. Die einzig mögliche Ausfahrt für ein unerklärtes, rein instinktives Malen aber ist die Ästhetik, und so führt Richter zwar nicht sein - immer noch für sich stehendes - Werk ad absurdum, aber seine dahingehend entlarvte mystifizierte Vorstellung von Kunst.

Man könnte meinen, der Beitrag des 97-minütigen Gerhard Richter - Painting bestünde darin, diese Entlarvung aufzubereiten. Es herrscht eine sezierende, minimalistische Inszenierung, Richter und sein Malvorgang wird immer wieder in harten Nahaufnahmen gezeigt, es wird minutenlang kein Wort gesprochen, und nur das Geräusch von Pinsel und Spachtel ist zu hören, während er an einer Serie von abstrakten Großformaten in abgewandelten Grundfarben malt, mal abwechselnd an Zweien in seinem leeren, überdimensionalen Atelier, mal an schon in der Galerie angekommenen, eigentlich fertiggestellten Werken. Nicht selten herrscht sogar ein leicht satirischer, lustiger Ton, wenn die Wortkargheit Richters noch von seinen Assistenten überboten wird oder wenn er das Team an einen Metallzaun führt, der Grundlage für eines seiner figurativen Bilder ist und meint, hier gäbe es eigentlich nichts Besonderes zu sehen. Trotzdem aber bleibt der Hommage-Charakter der Dokumentation und der Respekt vor dem wohl meistverkauftesten deutschen Künstler klar zu spüren. Und so krankt Gerhard Richter - Painting sowohl an seinem völlig ins Zentrum gerückten, sprachlosen Biografierten als auch an derselben Krankheit: Zwar ist die zurückhaltende Szenierung subtil, angenehm und ganz im Sinne einer guten Dokumentation, fängt aber auch nichts weiter ein als kontemplative Prozesse und bloße Ästhetik - und behauptet, das Gegenteil zu tun.

Selbst auf Konferenzen und Vernissagen zeigt sich Richter ohne Worte, versucht zwar immer wieder, einen Zugang zu seiner Malerei zu eröffnen (den der Film wohlgemerkt nicht bieten muss, um Qualität zu haben), scheitert aber immer wieder aufs Neue im Ansatz, verstrickt sich, redet sich scheinbar auf eine Meta-Magie des Künstlertums heraus. Das schränkt die Leistung des Filmes stark ein: Er ist nicht kritisch. Abgesehen von den ansehnlichen Malaktionen Gerhard Richters versucht er konsequent, seine Kunst zu verstehen, schafft es aber nicht. Er bietet auch einen fadenscheinigen Einblick in das Ausstellungswesen, erklärt aber nicht. Er biografiert nur Bruchstückhaft. Hätte man den Dresdner Künstler in der Manier von Malern im Fernsehformat rein beobachtend und nicht fragend verfolgt, wäre die Ausbeute wohl größer gewesen. Hätte man seine figurativen Bilder in den Fokus genommen, wäre vielleicht offenkundigere Erklärung gefolgt.

Gerhard Richter - Painting ist eine Dokumentation, reduziert auf das Wesentliche, dessen Gehalt unter flacher illusorischer Mystik und mangelnder Relevanz leidet.



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