|
|
 |
 |
 |
 |
 |
Drive(Drive, 2011)
| Dt.Start: |
26. Januar 2012
|
 |
Premiere: |
20. Mai 2011 (Cannes Film Festival, Frankreich) |
| FSK: |
ab 18
|
Genre: |
Action, Krimi, Drama |
| Länge: |
98 min
|
Land: |
USA |
|
Darsteller:
|
Ryan Gosling (Driver), Carey Mulligan (Irene), Bryan Cranston (Shannon), Albert Brooks (Bernie Rose), Oscar Isaac (Standard), Christina Hendricks (Blanche), Ron Perlman (Nino), Kaden Leos (Benicio), Jeff Wolfe (Tan Suit) |
|
Regie:
|
Nicolas Winding Refn |
|
Drehbuch:
|
Hossein Amini |
|
 Inhalt
Am wohlsten fühlt Driver sich am Steuer eines schnellen Autos. Tagsüber als Stuntfahrer für Filme, nachts als Fluchtfahrer für Diebe. Diese Routine bekommt eine doppelte Wendung, als sowohl der kriminelle Geschäftemacher Bernie Rose, als auch die alleinerziehende Mutter Irene und ihr Sohn Benicio in Drivers Leben treten. Besonders als Irenes Mann vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird, wird es gefährlich. |  |
|
Durchschnittliche Redaktionswertung
Kurzkritik
von Daniel Licha
Ein Film der aufgrund seiner euphorischen Meinungen von allen Seiten eigentlich nur enttäuschen konnte, den Zuschauer jedoch von der ersten Minute in einen Sog zieht, der einen einfach nicht mehr loslassen kann. Die Eröffnungsszene alleine ist schon so perfekt konzipiert; da stimmt jede Kameraeinstellung, jeder Schnitt und garniert wird das Ganze noch mit einer mehr als nur perfekten Musikauswahl. Aber auch nach dieser Szene wird man das Gefühl nicht los, dass jedes einzelne Bild aus diesem Film eingerahmt und an eine Wand gehört, so begeisternd ist Kamera- und Regiearbeit. Das Ganze wird verpackt in einer recht schlichten Story, die sehr ruhig voran geht, aber dank der interessanten Charaktere nie spannungsarm ist. Die Darsteller machen einen guten Job; vor allen Dingen Ryan Gosling bewirbt sich einmal mehr für große Aufgaben. Auch wenn das Ende selbst etwas enttäuschend ist, entpuppt sich Drive als fast schon einzigartiges Seherlebnis, bei dem Regisseur Refn keinerlei Kompromisse einging und somit das Mainstreampublikum mehr als nur verschrecken wird.
Kurzkritik
von Markus Ostertag
Ganz im Stile von Rea Garvey kann man zu Drive nur sagen: Un-fucking-fassbar was Nicolas Winding Refn (Valhalla Rising) hier auf die Leinwand zaubert! Jede Einstellung, jedes Bild, jeder Ton, jeder Schnitt, jeder (teils stumme) Dialog perfekt inszeniert und in Szene gesetzt.
Ryan Gosling spielt in einer vollkommen anderen Dimension und mimt den vielschichtigen Driver ebenso ruhig wie aggressiv - immer in der genau richtigen Mischung. Der weibliche Part wird von der wundervollen Carey Mulligan gefüllt und harmoniert mit Gosling fan-fucking-tastisch.
Die Konsequenz, die Refn an den Tag legt, hat allerdings einen Preis: Die Brutalität des Streifens wird zartbesaiteten Menschen eher negativ auffallen. Wer sich aber auf das Bild zum grandiosen Soundtrack wirklich einlassen will und kann, der erlebt eine perfekte Komposition, die (nicht nur) in diesem Genre seines Gleichen sucht!
Kurzkritik
von Markus Müller
Es gibt Filme, die gewöhnliche Kinogänger überhaupt erst zu Filmfans werden lassen. Meist sind dies Streifen, die mit bisherigen Sehgewohnheiten brechen, technisch brillant sind, von der ersten Minute an fesseln und das gewisse Etwas haben, zum Kult zu werden. Drive ist so ein Film: Knallhart, enorm stylish, von hypnotischer Energie und mit einem genialen Darsteller in der Hauptrolle, der in wenigen Jahren mit Sicherheit zu den ganz großen Hollywoods gehören wird. Regisseur Nicolas Winding Refn krönt mit Drive auch sein bisheriges Schaffen und macht gespannt auf mehr.
Kritik
von Oliver Mai
Bei Drive stehen weniger polierte Chrom-Monster, unendliche Verfolgungsjagden mit quietschenden Reifen oder kaputtes Blech infolge von Massenkarambolagen im Vordergrund. Regisseur Refn lässt den Zuschauer wie im Traum in seinem Indi-Arthausfilm neben dem namenlosen Driver für ein Stück seiner Fahrtstrecke auf dem Rücksitz platznehmen, bevor dieser nach getaner Arbeit zu guter Letzt in den Sonnenuntergang davonreiten ... äh ... fahren darf.
Er arbeitet tagsüber als Stuntman für Autoszenen beim Film. Wie der namenlose "Driver" selber sagt, ist dies nur ein Teilzeitjob, denn daneben verdient er sein Geld als Fahrer von Fluchtfahrzeugen. Wortkarg hat er seine festen Regeln für die Jobs, von seinen Vorgaben weicht er nicht ab, er kümmert sich um nichts, außer ums Fahren.
Der Driver lernt Irene kennen, die mit ihrem Sohn Benicio zwei Türen weiter im gleichen Gebäudekomplex wohnt. Zwischen den beiden knistert es. Es bahnt sich eine Romanze an, bis Irenes Ehemann Standard aus dem Gefängnis entlassen wird und sich der Driver als Gentleman zurückzieht. Standard schuldet einigen Gangstern noch Geld. Um seine Schulden zu bezahlen und damit auch die Sicherheit seiner Familie zu sichern, soll er eine Pfandleihe überfallen. Fehlt nur noch ein Fahrer. Der Driver erklärt sich bereit, Standard zu helfen. Doch das Ganze ist größer als Standard bewusst war. In der Pfandleihe liegen Mafiagelder, und die Mafia ist hinter Irene und dem Driver her.
Der Trailer lässt einen Film im Stil von Transporter oder Fast & Furious vermuten. Ein Fahrer, der feste Zeitvorgaben macht und nicht von seinem Plan abweicht, das ist kein wirklich neues Schema, lässt aber gute Erinnerungen wach werden. Der Zuschauer reibt sich in Vorfreude und PS-starrende Popcorn-Action erwartend die motorenölglänzenden Hände. Aber der Film ist im Ergebnis anders als nach dem Trailer zu erwarten. Am leichtesten lässt sich dies über den Regisseur Nicolas Winding Refn und seinen Film Walhalla Rising erklären. In Walhalla Rising mischte Refn Akte von brutaler Gewalt mit weiten Strecken meditativem Handlungsstillstand, die schon mal dazu führen, dass Zuschauer die - wie es ein Kritiker formulierte: das Künstlerische nicht verstanden haben - laut schnarchend im Kino saßen. Drive erschließt sich dem Zuschauer eher, wenn man ihn von Walhalla Rising denn von Transporter kommend durchleuchtet.
Refn macht mit Drive einen großen Sprung nach vorne. Refn gestaltet Drive als Action-Romanze-Mafiadrama-Arthaus-Kinoerlebnis. Der Film ist weit geschlossener, konsistenter als das Wikingerepos. Vollkommen rund laufen die Zylinder des Motors allerdings nicht. Wieder wechselt sich harte Action mit meditativen, ruhigen Sequenzen ab, die die Story nicht weiterbringen und den Adrenalinlevel des Zuschauers wieder sinken lassen. Hierdurch verliert das Ganze an Fahr, die dann jeweils erst infolge wieder etwas mühsam aufgenommen werden muss. Witzig übrigens in diesem Zusammenhang die selbstreinigende Jacke des Drivers, die sich mehrfach von Szene zu Szene von Blutflecken befreit, um sie dann an anderer Stelle wieder auftauchen zu lassen. Der Romanzenteil zwischen Irene und dem Driver ist für sich gesehen gelungen. Die auch im Trailer im Auszug enthaltene Fahrstuhlszene führt auch im Film zu wolliger Gänsehaut. Leider fügen sich die einzelnen Storyelemente Auto-Action, Romanze, Mafia etc. nicht fließend zusammen. Die Tonalitätswechsel im Film sind so massiv, dass der Zuschauer eher das Gefühl hat, mehrere Filme gleichzeitig zusehen. Mit mehr Konsistenz hätte Drive ein richtig, richtig großer Blockbuster werden können.
Das umso mehr aufgrund des kompromisslosen Casts. Ryan Gosling gibt den melancholisch angehauchten "lonesome cowboy" und bekommt als Schauspieler von Film zu Film mehr Biss. Wenn sich sein Gesicht im Film zu einem zaghaften Lächeln durchringt, werden ihm die Herzen massenweise zufliegen. Carey Mulligan ist als Irene treffend besetzt, selbst wenn man den Eindruck nicht loswird, dass sie als etwas naive, das Kindchenschema Bedienende wenig schauspielerische Leistung auf die Kette bringt und Gefahr läuft, stereotyp gesetzt zu werden. Ron Perlman ist genial als schmieriger, fluchender Mafioso, und der seinen Mafiapartner mimende Albert Brooks nicht minder gut.
Der Soundtrack geht ins Ohr. Mit Titeln von Electric Youth, Kanvinsky und Desire verstärkt er die meditativ-trancigen Passagen des Films. Die Lieder kann man sich auf Repeat Abende lang anhören. Der Soundeditor hat tief in die Trickkiste gegriffen und den Szenen mitunter verfremdete Sounds untergejubelt, die ebenfalls zum abgehobenen Grundgefühl von Drive beitragen. Es wäre interessant zu sehen, wie der Film wirken würde, wenn hier aggressivere, schnellere Musik gewählt worden wäre. Möglicherweise wäre der Film dann ein in sich geschlosseneres Werk.
Insgesamt ist Drive ein sehenswerter Independent-Film, der dem Zuschauer Material zum Nachgrübeln liefert. Er ist damit kein einfacher, gradlinier Actionknaller für den schnellen Popcornkonsum, sondern wie der Titel schon sagt, eine emotionale Fahrt.  Weitere interessante Filme
|
 |
 |
 |
 |
© 2012 MovieMaze.de |
 |
 |
 |
|