Gerry Butler gibt sich in diesem Streifen mal wieder als charmantes Raubein mit gutem Herzen. Anders lässt es sich wohl nicht beschreiben, wenn ein US-amerikanischer Christ mit Maschinengewehr loszieht, um afrikanische Kinder zu retten. Dumm nur, dass das Ergebnis weder sonderlich ausgearbeitet, noch spannend oder unterhaltsam ist.
Zwar heißt es immer, ein Einzelner kann keinen Unterschied machen, zumindest im Kino hat man davon allerdings noch nichts gehört. Seien es Don Cheadle in Hotel Rwanda, Liam Neeson in Schindlers Liste oder Christian Bale in Die Blumen des Krieges, die Traumfabrik inszeniert gern den individuellen Retter der Masse. Und wer eignet sich eher als Protagonist eines solchen Films als ein Ex-Knacki und -Gangster, der zum Christentum konvertiert und sudanesische Waisenkinder vor Joseph Kony und der Lord's Resistance Army (LRA) rettet? Erzählt wird dies nun in Machine Gun Preacher.
Gerard Butler schlüpft in die Rolle des drogensüchtigen Gang Bikers Sam Childers, der aus dem Knast entlassen durchs Christentum geläutert wird und im Sudan Aufbauhilfe leistet. "Every soul is deserving of your Christian charity", hört er von einem in Afrika tätigen Pastoren und packt alsbald selbst seine Koffer. Weil die LRA allerdings nicht wirklich auf von Westlern gebaute Waisenhäuser steht, muss Childers seine christliche Nächstenliebe einem Wandel unterziehen. What would Jesus do? - die Antwort für Childers lautet wohl: Sich eine AK-47 organisieren. Und so steigt er alsbald zur mystischen Figur auf.
Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen Wunschdenken und Realität verschwimmen dabei mal mehr, mal weniger in Marc Forsters Biopic-Drama. Zeitsprünge von mehreren Jahren - der Film überbrückt im ersten Akt in Siebenmeilenstiefeln gut ein halbes Jahrzehnt - fallen da weniger störend auf als die Tatsache, dass Machine Gun Preacher den Eindruck erweckt, Childers wäre zentraler Bestandteil der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) in deren Kampf mit der LRA gewesen. Nur weiß davon auf Seiten der SPLA scheinbar niemand etwas. Und auch die in solchen Filmen obligatorisch im Abspann auftauchenden echten Fotos können nicht wirklich für Aufschlüsse sorgen.
Das ist in diesem Fall auch sekundär, da die Beantwortung der Frage, ob das hier Gezeigte nun tatsächlich passiert oder nur Selbsthagiographie ist, für die fehlende Qualität des Films keine große Rolle spielt. Die findet sich vielmehr in der nur geringfügig ausgearbeiteten Figur von Sam Childers, dessen Charakter eine bloße Skizze bleibt. Statt den Fokus der ersten Film-Hälfte auf die Katharsis der Figur zu legen, was genau sie plötzlich zum Christentum zog, wie sie sich als anerkanntes und vollwertiges Mitglied ihrer Gesellschaft etablierte, zeigt uns der Film Mal um Mal die verbildlichte Auseinandersetzung zwischen Childers und den Gräueln der LRA im Sudan. Militäraktion folgt auf Militäraktion - zurück bleiben dabei die Figuren.
Zum Beispiel der von Michael Shannon verkörperte Junkie und Crime-Buddy von Childers, der zwar irgendeine Funktion haben soll, diese jedoch im Film letztlich nicht wahrnehmen kann oder darf. Auch die Beziehung zwischen Childers und seiner Frau sowie der Tochter bleibt auf der Strecke. Somit verschenkt der Film auch hier ein gewisses menschliches Drama - das der Film wohl als weniger unterhaltsam wie das menschliche Drama im Sudan erachtet -, wenn Childers Hypothek auf Hypothek aufnimmt, um in Afrika Häuser in Gebieten zu bauen, wo diese mit Sicherheit wieder zerstört werden. Und nicht nur die Charaktere in Machine Gun Preacher bleiben unausgearbeitet, auch der Konflikt im Sudan gerät oberflächlich.
Forsters Film ist somit ein Bruder im Geiste des populären Internetfilms "KONY 2012" von Jason Russell und Invisible Children, Inc. Beide haben sicherlich gute Intentionen, nur die Umsetzung fällt wenig überzeugend aus. Gerard Butler versucht zwar sein Bestes, was man sicherlich auch von Monaghan, Shannon oder Sy Savanne sagen kann, ähnlich wie die Regie von Forster hadern sie jedoch mit dem schlechten, ihnen zur Verfügung gestellten Material. Am Ende ist Machine Gun Preacher ein wenig interessantes, geringfügig spannendes und zu allem Überfluss ziemlich langatmiges Hohelied auf Sam Childers geworden.