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Anonymus

(Anonymous, 2011)

Durchschnittliche Redaktionswertung

72%



Inhalt

Die Welt der Intrigen, Machtspiele und Affären am Königlichen Hof von Queen Elizabeth I. wird selbst zur Bühne der Geschichte, während der Theaterautor William Shakespeare mit seinen Dramen zu großer Popularität kommt. Doch was, wenn Shakespeare keines seiner Werke selbst geschrieben hat? Was, wenn eigentlich Edward de Vere, der 17. Earl of Oxford, das wahre schriftstellerische Genie des elisabethanischen Zeitalters gewesen ist?

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

70%

Katastrophen-Emme und Shakespeare? Das scheint nur schwerlich miteinander vereinbar. Wer sich aber auf die Geschichte einlässt, für die das Drehbuch bereits seit 1998 vorliegt und die vielleicht nicht ganz so hanebüchen ist, wie sie auf den ersten Blick anmuten mag, könnte positiv überrascht werden. Es geht hinein ins Elisabethanische Zeitalter und zu einem Historienthriller mit den üblichen Zutaten, in dessen Zentrum möglicherweise eines der größten Geheimnisse der Literaturgeschichte schlummert. Wenngleich kein Geniestück, ist Roland Emmerich mit Anonymus ein Film gelungen, der einigen seiner Kritiker sicherlich Kopfzerbrechen bereiten wird.

Bild aus Anonymus Sein Name ist beinahe jedem geläufig; und selbst jene, die noch nie im Leben mit ihm direkt zu tun hatten, nie ein Buch von ihm gelesen haben und auch keine der unzähligen klassischen Verfilmungen seiner weltbekannten literarischen Schöpfungen sahen, sind irgendwann in ihrem Leben schon einmal mit ihm konfrontiert worden. Es gibt vermutlich kaum ein gängiges dramatisches Motiv, das heutzutage in einem Film zutage tritt, das dieser englische Dichter und Schriftsteller in unsterblichen Werken wie Hamlet, Romeo und Julia, Heinrich der V., König Lear oder Macbeth nicht schon in der einen oder anderen Form vorweg nahm.

Die Rede ist natürlich von keinem geringeren als William Shakespeare (1564-1616). Diese Gestalt hinterließ der Menschheit einen ungemein wertvollen literarischen Schatz, sie wirft allerdings auch viele Fragen auf. Die bedeutendste ist wohl, ob Shakespeare wirklich Shakespeare war - oder genauer: ob dieser Mann, der einer mäßig gebildeten Kaufmannsfamilie entstammt und der selten weit aus seinem Kaff herausgekommen ist, dessen Geschichten aber an vielen außergewöhnlichen Schauplätzen spielen, wirklich der Verfasser dieser wortgewaltigen Epen ist. Roland Emmerichs Film Anonymus widmet sich dieser Frage und versucht dabei die Indizien zu einer alternativen Wahrheit zu verknüpfen.

Wir befinden uns im Elisabethanischen Zeitalter. Königin Elisabeth I. regiert bereits seit Jahrzehnten auf dem englischen Thron, mittlerweile vielleicht schon etwas alterswirr, wenngleich in Sachen Machterhalt unnachgiebig und rigide. Zu dieser Zeit werden plötzlich in den völkischen Vergnügungsstätten, den Theatern, Stücke von einer nie zuvor gesehenen Brillanz aufgeführt. Stücke, die von tiefer Kenntnis der menschlichen Natur zeugen und die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation im Lande karikieren. Solch umstürzlerische Narretei wird die Obrigkeit natürlich nicht einfach hinnehmen. Seltsamerweise werden all diese Stücke mit dem Namen eines nur mäßig talentierten, als dümmlich verschrienen Schauspielers in Verbindung gebracht, der gleichsam über Nacht zu einem literarischen Genius mutiert sein soll.

Tief hinab führt Emmerich in der Folge den Zuschauer, doch weniger in lyrische Untiefen als in politische Ränkeleien und Intrigen; in die Gefilde aus Gier, Verblendung, Liebe, Inzest, Verrat und Mord, ähnliche einer antiken Tragödie oder gleichsam eines Shakespeare-Stückes. Der Regisseur, der sonst in mannigfaltigen Variationen die Welt untergehen lässt, zeigt sich hier von einer ganz anderen Seite und inszeniert ambitioniert ein opulentes Stück Historienkino, dessen innere Struktur an einen Thriller erinnert. Ganz nebenbei enthüllt er dann noch den alternativen Verfasser dieser literarischen Großtaten. Etwas, das allerdings nicht Emmerich aus dem Hut zaubert, sondern bereits seit vielen Jahren immer wieder in Zweifel gezogen wird. Darunter von Berühmtheiten wie: dem Psychiater Sigmund Freud, dem Schauspieler Orson Welles, dem Schriftsteller Mark Twain, den Poeten Ralph Waldo Emerson und Walt Whitman sowie einer ganze Reihe von Gelehrten.

Damit die Geschichte optimal funktioniert, muss man sich darauf einlassen, wie es bei vielen "Verschwörungstheorien" der Fall ist. Leider gelingt es aber nicht immer, in dem Takt, in dem Enthüllung auf Enthüllung folgt und Verschachtelung in Verschachtelung greift, Wesentliches von weniger Bedeutendem zu trennen. Das beschert Anonymus auf der erzählerischen Seite ein paar Rhythmusschwierigkeiten und lässt ihn zuweilen langatmig, mitunter sogar phasenweise bleiern wirken. Mag Emmerich im Sinne gehabt haben, mit seinem Film über Shakespeare mit der Eleganz der Stücke aus dessen Feder gleichzuziehen, fehlt hier leider die spielerische Leichtigkeit und auch der Moment, der unwiderstehlich mitreißt, bezaubert und atemlos gefangen nimmt.

Ein wenig scheitert Anonymus an der hoch gesetzten Ambition; was aber Jammern auf einem vergleichsweise hohem Niveau bedeutet. Der Film verfügt - und dies nicht nur für einen Emmerich-Streifen - über ordentliche dramaturgische Qualitäten und ist in sich ein handwerklich solider Historienschinken geworden, der sich vor vielen anderen ähnlichen Produktionen nicht verstecken muss. Er punktet zudem mit einer authentischen Atmosphäre, welche diese vergangene Epoche wiederauferstehen lässt, ohne bemüht oder gekünstelt zu wirken. Und auch die Darsteller leisten gute Arbeit, allen voran Vanessa Redgrave als britische Königin. Würde Emmerich in Zukunft sich aber darauf verlegen, ausschließlich solche Filme zu drehen, würde etwas im bunten Filmhimmel der CGI-Kataklysmen eindeutig fehlen.

Kurzkritik

von Frank Kaltofen

Wertung Kurzkritik

74%

Soll William Shakespeare, der größte englische Literat aller Zeiten, ein Schwindler sein? Emmerichs Kostümfilm Anonymus widmet sich dieser umstrittenen Theorie. Mehr als um Shakespeare selbst geht es um Intrigen und Machtspiele bei Hofe. Ähnlichkeit zu den Shakespeare-Stücken weist der Film vor allem durch seine komplexe Personenkonstellation auf, die es teils anstrengend macht zu folgen, wenn man keine Vorkenntnis über Personen und politische Verhältnisse des elisabethanischen Englands besitzt.
Die Schauspielleistungen überzeugen, wobei einzig Rhys Ifans in seiner brillanten Verkörperung des Earl of Oxford wirklich hervorsticht. Die Charakterzeichnung Shakespeares als angeberischer, proletenhafter Schürzenjäger schießt hingegen übers Ziel hinaus. Emmerichs Seifenoper bei Hofe überzeugt vor allem atmosphärisch, ist stimmungsstark, wo es die Texte (von Shakespeare?) in ihrem Originalsetting wirken lässt, im London des späten 16. Jahrhunderts. An anderen - für Emmerich-Verhältnisse gottlob wenigen - Stellen ist der Film leider visuell zu bombastisch. Die digitalen Effekte wirken dann fast störend für die Atmosphäre.



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