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Die Liebesfälscher

(Copie Conforme, 2010)

Dt.Start: 13. Oktober 2011
DVD: 24. Februar 2012
Premiere: 18. Mai 2010 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: o.A. Genre: Drama
Länge: 106 min Land: Frankreich, Italien, Belgien
Darsteller: Juliette Binoche (Elle), William Shimell (James Miller), Jean-Claude Carriere, Agathe Natanson, Gianna Giachetti, Adrian Moore, Angelo Barbagallo, Andrea Laurenzi, Filippo Trojano, Manuela Balsinelli
Regie: Abbas Kiarostami
Drehbuch: Abbas Kiarostami


Inhalt

Während einer Lesereise in Italien stellt der britische Autor James Miller sein neustes Buch vor und weckt das Interesse der französischen Antiquitätenhändlerin Elle. Während einer Lesung überreicht sie James' Verleger ihre Adresse, zu die er sich am folgenden Tag aufmacht. Sie entschließen sich zu einem gemeinsamen Ausflug nach Lucignano, einem kleinen Bergdorf im Süden der Toskana. Zwischen den beiden entsteht eine anziehende Spannung, sie führen Gespräche über die Kunst, das Leben und die Liebe und geben sich als ein seit 15 Jahren verheiratetes Paar aus.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Die Liebesfälscher hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 40%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Müller
Die Liebesfälscher hat eine Wertung von 40%
Der Autor eines philosophischen Buches über Kunstfälschungen diskutiert mit einer Kunstexpertin über seine Thesen, speziell über den Wert von Original und Fälschung, während sich beide durch die Toskana bewegen. Zwischenzeitlich wendet sich das Blatt, und aus der flüchtigen Bekanntschaft scheint eine seit 15 Jahren bestehende Ehe geworden zu sein. Dabei weiß der Zuschauer nie, ob die gezeigte Beziehung Original oder Fälschung ist. Dieser Plot mag vielleicht interessant klingen, ist aber im Grunde genauso merkwürdig, wie man vermuten könnte und zudem gähnend langweilig umgesetzt. Aber die Landschaft ist schön.

Bild aus Die Liebesfälscher Es soll Filme geben, die allein schon durch ihre unglücklich gewählten deutschen Titel einen Großteil der Zuschauer abschrecken. So auch im Falle von "Copie conforme": So gut wie niemand will sich einen Film mit dem Titel Die Liebesfälscher ansehen! Doch da eben dieser Film von zahlreichen Kritikern gelobt und Juliette Binoche für ihre Darbietung 2010 in Cannes mit der Auszeichnung als beste Darstellerin honoriert wurde, wird vielleicht doch der ein oder andere auf das Werk des von einigen Filmfreunden geschätzten iranischen Filmemachers Abbas Kiarostami aufmerksam.

Die zugrundeliegende Frage, ob die Kopie nicht ebenso viel Wert sein könnte wie das Original, ist sicherlich hochinteressant und lässt sich weitreichend diskutieren. Ebenfalls ist das Experiment lobenswert, diese Frage als Basis für einen Spielfilm zu nutzen. Fragt sich nur, wie man dies mit einer ansprechenden Geschichte verbinden soll. Kiarostami entschied sich dagegen, eine klassische Geschichte zu erzählen, und lässt viel mehr seine beiden Charaktere, quasi in Echtzeit, erzählen. Fast ununterbrochen. Dafür braucht er natürlich starke Schauspieler und so wird der Film von zwei hervorragenden Hauptdarstellern getragen: Da wäre zum einen Juliette Binoche (Cosmopolis), die vor allem Fans des europäischen Kinos natürlich schon seit langem bestens bekannt sein dürfte, und an ihrer Seite der britische Opernsänger William Shimell, der hier in seinem Spielfilmdebüt zu sehen ist. Tatsächlich ist der charismatische Shimell, der problemlos mit Binoche mithalten kann, die Entdeckung des Filmes und empfiehlt sich mit seiner Performance für weitere Rollen.

So interessant die Idee und so überzeugend die Darsteller auch sind, so sehr stellt sich auch die Frage, wie spannend und unterhaltsam es sein kann, einen Mann und eine Frau in einem einzigen Dialog durch die Toskana spazieren zu sehen. Tatsächlich scheitert der Film hier auf kurz oder lang. Selbst mit viel gutem Willen wird man als Zuschauer recht bald das Interesse an den Diskussionen verlieren, zumal diese längst nicht so tiefgängig sind, wie es die Macher wohl dachten. In jedem Fall tendiert ihr Unterhaltungswert gen Null. Zugute halten muss man der Originalversion des Filmes, dass in der deutschen Synchronfassung ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes nicht aufgeht: Während die Akteure im Original zwischen verschiedenen Sprachen wechseln, gibt es in der deutschen Fassung nur Deutsch zu hören.

Was den philosophischen Kern der Diskussionen anbelangt, so muss angemerkt werden, dass nicht das Vermitteln philosophischer Erkenntnisse, sondern das Spiel mit dem Zuschauer im Mittelpunkt stehen soll. Dieser fragt sich immer wieder aufs Neue, in welcher Beziehung die beiden Protagonisten zueinander stehen. Denn aus dem unterschiedlich interpretierbaren Anfang entwickelt sich schnell eine Phase des Kennenlernens zweier Unbekannter, um dann später Streitgespräche einer lang bestehenden Ehe aufflammen zu lassen. Letzten Endes sind mehrere Lesarten möglich. Interessant ist, dass der Film dabei mit seiner eigenen Fiktionalität spielt und somit letztlich erklärt, dass er sich jedem Realitätsbezug verweigert.

Das mag aus künstlerischer Sicht nicht uninteressant sein, dürfte aber einen gewaltigen Teil des Publikums unnötig verwirren und ihm den Zugang letztlich ganz verwehren. Natürlich soll der Wert von Kunst dabei nicht am Verständnis des dümmsten Rezipienten bemessen werden. Doch was nützt ein Film, der die Geistlosen nicht unterhält und die Intelligenten nicht bereichert? Natürlich ist dies auch andersherum anwendbar. Letzten Endes ist Die Liebesfälscher ein gescheitertes Experiment mit guten Darstellern und einer schönen Landschaft.



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