In diesem herrlich witzigen Indie der Gebrüder Russo erlben wir eine beschränkte Gruppe von Kleinkriminellen, die einen Supercoup durchziehen wollen.
In dem Arbeiterviertel Collinwood der ehemals blühenden Industriestadt Cleveland geht es etwas anders zu als im Rest der Welt. Zumindest gewinnt man nach dem Film Safecrackers oder Diebe haben's schwer der beiden in Cleveland geborenen Brüder Anthony und Joe Russo diesen Eindruck. Alle Einwohner des Viertels sind irgendwie komisch bis hin zu vollkommen durchgeknallt, machen aber das Beste aus ihrer ausweglosen Situation. Genau dieser Umstand macht die Protagonisten des Films so sympathisch und gleichsam amüsant. Die Geschichte um den vermeintlichen Supercoup, den fünf armselige Gestalten über die Bühne bringen wollen, spielt in einer Zeit die sich grob auf einen Zeitraum zwischen 1960 und 1990 eingrenzen lässt.
Die Geschichte nahm ihren Lauf, als der Kleinkriminelle Cosimo beim kläglichen Versuch ein Auto zu knacken, erwischt wurde und in den Bau wandert. Dort erzählt ihm ein lebenslänglich Inhaftierter von einem Supercoup, den Cosimo sogleich zu seinem Bellini erklärt. Jedoch braucht er, um sein Bellini einkassieren zu können, einen Mullinski. Wer sich an dieser Stelle verwundert die Augen reibt, dem soll geholfen werden. Die beiden Begriffe 'Mullinski' und 'Bellini' sind original Collinwood-Slang und bedeuten so viel wie "Ein Trottel, der für mich in den Bau geht." bzw. "Ein leichter und ertragreicher Coup". Als sich Cosimos Freundin Rosalind auf die Suche nach einem Mullinski begibt, wissen auf einmal fünf Leute über Cosimos Bellini bescheid und wollen selbstverständlich einen Teil der Beute. Beinahe kinderleicht wird der etwas angedoofte Cosimo ausgeschmiert und das Quintett Pero, Riley, Leon, Basil und Toto hat den Plan für sein Bellini in der Tasche.
Am besten lässt sich Safecrackers oder Diebe haben's schwer als urkomische Ghetto- und Loserversion von Ocean's Eleven beschreiben. Amüsante Randnotiz ist dabei, dass Steven Soderbergh und George Clooney den Gebrüdern Russo durch ihre finanzielle Unterstützung die Umsetzung des Drehbuchs erst ermöglichten. Die Darsteller sind mit Ausnahme von George Clooney alle samt mehr oder weniger bekannte Nebendarsteller, die man schon in einigen großen Produktionen zu Gesicht bekam. Sam Rockwell beispielsweise spielte in 3 Engel für Charlie den Bösewicht und schlüpfte nun in die Rolle des gutaussehenden aber miserablen Boxers Pero. Er mausert sich zum Anführer der Gruppe, was sich aber keinesfalls an seinem Intellekt festmachen lässt. Er gibt zwar recht sinnvoll klingende Phrasen von sich, die sich aber meist bei genauerer Überlegung als vollkommen idiotisch entpuppen. Aber gerade diese latente Blödheit und sein Hinterhofcharme machen ihn so sympathisch.
Ebenfalls mit im Bellini-Suchtrupp ist William H. Macy (Fargo - Blutiger Schnee), der den alleinerzeihenden Vater Riley zum Besten gibt. Er bringt mit seinem keinen Kind und seinen teils abgebrühten Aktionen etwas Leben in die Runde. Romeo must Die Bösewicht Isaiah Washington spielt den armen aber immer blendend gekleideten Leon, der stets darum bemüht ist, seiner Schwester Michelle ein besseres Leben zu ermöglichen. Als letztes bekanntes Gesicht wäre dann noch Michael Jeter (Jurassic Park 3) alias Toto zu erwähnen. Toto ist ein alter abgewrackter Penner, der schwer einen an der Klatsche hat und ständig irgendwelchen Mist baut. Nicht vergessen sollten wir natürlich George Clooney, der in einer kleinen Nebenrolle als rollstuhlfahrender Safeknackerveteran zu sehen ist.
Den Brüder Anthony und Joe Russo ist mit Safecrackers oder Diebe haben's schwer ein wahrlich meisterhaftes Stück gelungen, was das Vertrauen der bekannten Geldgeber mehr als rechtfertigt. Gekonnt und vor allem innovativ führten die beiden die abenteuerliche Kulisse Collinwoods, die skurrilen Figuren und ihre spitzfindige Geschichte zusammen. Mit einer lockern und fast durchgehenden Musik, die ein wenig an O Brother, Where Art Thou? erinnert, rundeten sie ihr Filmchen ab und lassen eine irrwitzige Komödie auf das Kinopublikum los. Wollen wir hoffen, dass Safecrackers oder Diebe haben's schwer etwas größer vermarktet wird und nicht nur in einer Hand voll Programmkinos läuft, denn solche kleinen und gern übersehene Perlen des Kinos verdienen mehr Aufmerksamkeit.