Aus Korea kommt der wohl beste asiatische Thriller seit Jahren. Nicht nur die Geschichte um einen sympathischen Taxifahrer, der immer mehr zwischen alle Fronten gerät, weiß zu gefallen: Auch optisch ziehen die Macher des Filmes alle Register und inszenierten ein visuell beeindruckendes Genrewerk, dessen Messerstechereien sicherlich schon jetzt zu den wohl realistischsten als auch besten Kampfszenen der letzten Jahre zählt.
Im Jahre 2007 schuf Regisseur Hong-Jin Na mit seinem Debüt The Chaser einen Thriller, der sowohl bei Publikum als auch bei den Kritikern euphorisch angenommen wurde, und dem sogar das seltene Privileg eines asiatischen Filmes zuteilwurde, einen Kinostart zu bekommen. Dennoch ist sein Film bislang über weite Strecken nur unter den Liebhabern des asiatischen Filmes bekannt. Sein zweites Werk hat nun ebenfalls die Ehre eines deutschen Kinostarts bekommen, doch die Frage ist nun, ob Hong-Jin Na erneut Kritiker und Publikum zu begeistern weiß.
Ku-Nam hat ein kleines Problem. Der einfache Taxifahrer will im Grunde nicht mehr als ein glückliches Familienleben führen, doch als seine Frau mit dem von chinesischen Gangstern geliehenen Geld plötzlich verschwunden ist, steht sein Leben auf der Kippe. Diese bieten ihm jedoch eine Möglichkeit, aus der Sache heraus zu kommen: Er soll nach Korea eingeschleust werden und dort einen wichtigen Geschäftsmann umbringen. Gelingt es ihm nicht, diesen Anschlag durchzuführen, wird seine kleine Tochter exekutiert. Es beginnt eine sorgfältige Vorbereitung auf das Attentat, denn schließlich steht sein Familienglück auf dem Spiel, und er hat nur eine Chance.
Allzu viel sollte im Vorfeld über den Inhalt des Filmes wohl nicht verraten werden, wird der Zuschauer doch über die Beziehungen der Figuren und deren Hintergründe über einen langen Zeitraum im Dunkeln gelassen. Na versteht es dabei, dem Zuschauer nach und nach kleine Häppchen zuzuwerfen, um ihn über die überlange Laufzeit bei der Stange zu halten. Trotz seiner Spielzeit ist der Film dabei zu keinem Zeitpunkt langweilig und schafft es zudem, den Zuschauer, dank der sympathischen Identifikationsfigur im Fokus, emotional zu bewegen.
Das Ganze ist dabei von Na stilsicher umgesetzt und kann vor allen Dingen dank seiner realistischen Inszenierung punkten. Alleine die hochspannend angelegte Observierung von Ku-Nams Opfer ist bis ins kleinste Detail perfekt bebildert und ein Beweis für das große Talent des Regisseurs. Aber auch in Sachen Kämpfe geht Na einen eher unpopulären Weg und setzt zu einem Großteil auf den Einsatz von Stichinstrumenten, was in vielen Szenen in einem perfekt choreografierten Messerballett sein Ende findet. Die eindrucksvollen Bilder passen sich wie die gelungene Musikuntermalung perfekt der jeweiligen Stimmung des Filmes an und unterstützen die ohnehin schon überaus bewegende Geschichte hervorragend.
Das Lob von allen Seiten für The Yellow Sea ist mehr als nur gerechtfertigt, gelingt es Na sogar, seinen Erstlingserfolg nochmals ein ganzes Stück zu toppen. Sein neuestes Werk ist sicherlich der beste asiatische Thriller seit Jahren, ein optisches und inhaltliches Highlight, das nicht nur Freunde des asiatischen Kinos auf keinen Fall verpassen sollten.