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Nur für Personal!

(Les Femmes du 6eme Etage, 2010)

Dt.Start: 03. November 2011 Premiere: 23. Oktober 2010 (Festival, Frankreich)
FSK: o.A. Genre: Komödie
Länge: 106 min Land: Frankreich
Darsteller: Fabrice Luchini (Jean-Louis Joubert), Sandrine Kiberlain (Suzanne Joubert), Natalia Verbeke (María Gonzalez), Carmen Maura (Concepcion Ramirez), Lola Duenas (Carmen), Berta Ojea (Dolores Carbalan), Nuria Solé (Teresa), Concha Galan (Pilar), Marie-Armelle Deguy (Colette de Bergeret), Muriel Solvay (Nicole de Grandcourt), Audrey Fleurot (Bettina de Brossolette), Annie Mercier (Mme Triboulet), Michèle Gleizer (Germaine Bronech - la vieille bonne bretonne), Camille Gigot (Bertrand Joubert), Jean-Charles Deval (Olivier Joubert)
Regie: Philippe Le Guay
Drehbuch: Philippe Le Guay, Jérome Tonnerre


Inhalt

Paris, 1962. Familie Joubert gehört zu den reichen Bewohnern eines luxuriösen Mehrfamilienhauses. Bereits seit 25 Jahren vertrauen Herr Joubert, ein erfolgreicher Börsenmakler, und Frau Joubert auf die Dienste ihrer französischen Haushaltshilfe. Als diese die schlecht bezahlte Arbeit kündigt, finden sich auf dem Arbeitsmarkt nur noch Spanierinnen, die auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in der Heimat sind. Im sechsten Stock des Gebäudes beziehen sie eine kleine Dachzimmerwohnung und bringen frischen Wind in das Leben ihrer Arbeitgeber. Herr Joubert begeistert sich vor allem für die junge Maria.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Nur für Personal! hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 76%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Nur für Personal! hat eine Wertung von 76%
In Nur für Personal! kehrt der Zuschauer ausschnittartig aus einer klar begrenzten Perspektive in die Welt des gehobenen Pariser Spießbürgertums ein. Einer Welt aus Herren und Dienenden, die der Einfachheit halber im selben Haus, aber versteckt unterm Dach leben. Pointiert werden die Freiheitsgrade der gegensätzlichen Gesellschaftsschichten auf die Schippe genommen, zuweilen sogar ad absurdum geführt. Boshafte Töne unterbleiben aber. Der Film entpuppt sich im Verlauf mehr und mehr als positivistische Utopie denn als herrschaftliche Satire. Charmant und mit Gespür für Ironie inszeniert, ist er einen Abstecher ins Kino allemal wert.

Bild aus Nur für Personal! Die da oben, wir hier unten, spiegelt die Maxim manch eines "Klassenkampf-Streifens" wider. In Philippe Le Guays Nur für Personal! wird dieses Motiv ironisch auf den Kopf gestellt, ohne aber an den grundlegenden Wahrheiten zu rütteln. Es ist das Paris der 1960er Jahre, das gehobene Bürgertum bewohnt Mehretagenhäuser, in denen die Hierarchien klar getrennt sind: Im Erdgeschoss wohnt der oder die Concierge, eine Art Hausmeister oder Mädchen für alles, die mittleren Etagen gehören den Hausherren und unterm Dach haust das Personal.

Genauso sind auch die Verhältnisse bei Jean-Louis und Suzanne Joubert (Fabrice Lucchini und Sandrine Kiberlain) geordnet. Jean-Louis ist erfolgreicher Börsenmakler, der es zu einem ordentlichen Maß an Wohlstand gebracht hat. In dem Haus, das ihm vom Keller bis zum Dach gehört, leben er und seine Gattin, samt zwei schlecht erzogenen Rotzlöffeln. Und in der obersten Etage wohnt bei ihm gleich eine ganze Schar spanischer Hausmädchen, die weg von ihrem Land, in dem die grausame Faschistendiktatur unter Franco ihr Unwesen treibt, in Paris eine neue Heimat gefunden haben.

Aktuell befinden sich die Jouberts auf der Suche nach einem neuen Dienstmädchen. Das alte französische Hausmädchen haben sie nach 25 Jahren gerade auf die Straße gesetzt. Die Damen unterm Dach vermitteln ihnen schnell einen trefflichen Ersatz. Maria (Natalia Verbeke), die anders als viele der Spanierinnen nicht an eine Matrone erinnert, sondern sich als attraktive junge Frau mit vielen positiven Eigenschaften erweist: Sie ist fleißig, pünktlich, zurückhaltend und es gelingt ihr sogar, Monsieurs Frühstücksei auf den Punkt zu kochen, womit ihr sein Wohlwollen sicher ist.

Die liebreizende wie lebendige Maria weckt in dem nicht mehr ganz jungen Jean-Louis allerdings auch frühlingshafte Begehrlichkeiten, die er lange nicht mehr empfand. Allmählich wird ihm bewusst, dass es ihm zwar an nichts Materiellem mangelte und im Grunde alles andere als schlecht ging, aber wirklich zufrieden in seinem Leben war er nicht. Die beginnende Nähe zu Maria bringt mit sich, dass er sich plötzlich auch die Probleme und Nöte der anderen spanischen Dienstmädchen zu eigen macht. Jean-Louis lernt, wie erfüllend es sein kann, selbstlos Gutes zu tun. Seiner Frau fällt hingegen lediglich auf, dass sie ihn kaum noch zu Gesicht bekommt. Bald ist sie davon überzeugt, dass er sie betrügt, und schmeißt ihn kurzerhand aus seinem eigenen Haus raus. Jean-Louis ist gezwungen, in eines der Zimmer unterm Dach zu ziehen. In der Enge seiner Kemenate erfährt er eine nie gekannte Freiheit.

Nur für Personal! ist eine Komödie oder Gesellschaftssatire, vielleicht auch modernes Märchen, der stillen Töne und der subtilen zwischenmenschlichen Akzente. Die ersten 20-30 Minuten präsentieren sich allerdings reichlich plapperhaft bis zuweilen zäh, ohne viel Handlung. So fällt es zu Beginn nicht ganz leicht, in die Zeit und die Lebenswirklichkeit der Figuren einzusteigen. Übersteht man diese kleine Hürde, setzt der Zauber der Geschichte ein, der zu einem großen Teil von der überaus gewinnenden Natalie Verbeke wie zugleich von dem gekonnt aufspielenden Fabrice Lucchini verströmt wird und bis zum Finale vorhält.

Wer aber auf tiefere, gar ausgesprochen kritische Einblicke in den Zeitgeist oder die zeitgenössische, gehobene Pariser Gesellschaft hofft, wird vermutlich leer ausgehen. Philippe Le Guay erschafft sich ein Mikroversum, eine Welt unter der Käseglocke, die er stellvertretend für die allgemeine soziale Schichtung beobachtet. Mehr als ein süffisantes Hinterfragen ist es nicht geworden. Ein offenes Anprangern sozialer Missstände entfällt, ebenso vermisst man kritische Bezüge zur Jetztzeit - über die Dinge hinaus, die sich ohnehin nie ändern. Le Guays Fokus ruht auf den kleinen Ungerechtigkeiten des Alltags, die er in ihrer Absurdität festhält und entlarvt.

Es ist eine Gesellschaft aus graumelierten, innerlich verhärmten Spießern, die selbstgefällig Zigarre rauchen, Cognac trinken und über fallende oder steigende Kurse debattieren, während ihre Dienstboten bei Paella, Landwein und Flamenco zu feiern wissen. Le Guay achtete darauf, die Figuren immer nur soweit in eine Schräglage zu versetzen, dass ihre Marotten und Eigenheiten durchscheinen, ohne dass daraus eine groteske Show entsteht. Monster findet man in Nur für Personal! keine. Die Herren in den Herrschaftsetagen sind gerade verknöchert, kauzig und gebieterisch genug, um als unsympathisch durchzugehen, die Damen leicht blasiert und arrogant, dass man sich in ihrer Nähe unwohl fühlt, und die Kinder ausreichend unverschämt, um sich zu freuen, dass es nicht die eigenen sind.

Gerade dieser zurückgenommene, altbacken wirkende Inszenierungsstil lässt eine Menge Flair aufkommen. Und wenn es dann menschelt und Gefühle ins Spiel kommen, wirken diese emotionalen Momente umso authentischer und überzeugender. Gepaart mit einem Ende, das sowohl konsequent wie berührend wirkt, lässt sich für Nur für Personal! durchaus eine Empfehlung als positivistisches antiherrschaftliches Märchen geben.



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Dt. Start: 24. März 2011
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