Nicht nur in den Videotheken, sondern auch im Kino darf Donnie Yen nun seine Gegner vermöbeln. Dies macht er in gewohnt eindrucksvoller Manier, jedoch nicht in so hoher Schlagzahl wie erwartet. Dabei wird die Geschichte über weite Strecken spannend gehalten, sodass der Film erst gegen Ende ein wenig zu sehr in genretypische Handlungsstränge abdriftet.
Seit einigen Jahren verwöhnt Donnie Yen, vor allen Dingen in Zusammenarbeit mit Regisseur Wilson Yip, den Martial Arts Fan in Filmen wie Ip Man oder S.P.L. - Kill Zone mit beeindruckender Akrobatik und kann selbst handlungsärmeren Filmen wie The Lost Bladesman oder dem amüsanten 14 Blades seinen Stempel aufdrücken. Das besondere an Wu Xia ist alleine schon, dass dem Publikum in Deutschland gar ein Kinorelease spendiert wird.
Das Leben des liebevollen Familienvaters und Papierherstellers Liu wirkt auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich. Als jedoch der Händler seines Dorfes in seiner Anwesenheit von zwei der meistgesuchtesten und brutalsten Verbrechern des Landes heimgesucht wird, beschließt er einzugreifen und schafft es eher glücklich, die Angreifer zu überwältigen und zu töten. Das wirkt auch auf den ermittelnden Beamten Xu mehr als nur suspekt, und so stellt sich ihm die Frage, wie ein scheinbar einfacher Mann wie Liu zu dieser Tat fähig war.
Zunächst braucht der Zuschauer ein wenig, um mit der zu Beginn recht holprig wirkenden, aber von Minute zu Minute immer ausgeklügelteren Geschichte warm zu werden. Hat er dann das Potenzial der Geschichte erfasst, verfolgt er mit Spannung deren Geschehnisse. Dank sympathischer und glaubwürdiger Figuren gelingt es sogar, für die inhaltlich etwas spärlich geratene zweite Hälfte zu entschädigen. Diese hebt sicher leider nicht von typischen Genrewerken ab und kann ihr Potenzial leider nicht vollends ausnutzen.
Peter Chan gelingt es, seinen Film mit vielen Schauwerten zu versehen. So erinnert zwar die Besichtigung des Tatorts durchaus an Der blutige Pfad Gottes und zeigt die Tat nochmals aus einem ganz anderen Blickwinkel, belässt dies aber nie zum Selbstzweck, sondern bringt damit gezielt die Handlung voran. Die Atmosphäre des Filmes lässt ebenfalls keinen Grund zur Klage zu, die Musik brennt sich im Ohr ein, und auch die überraschend wenigen Kampfszenen von Yen und Konsorten wissen einmal mehr zu begeistern.
Auch als Darsteller zeigt Yen einmal mehr sein Talent und schafft es, die vielen Fassetten seiner undurchsichtigen Figur auf glaubhafte Art und Weise darzustellen. In den Schatten gestellt wird er dennoch von Takeshi Kaneshiro mit seiner Darstellung als intelligenter Beamter auf Selbstfindungssuche. Als enttäuschend erweist sich der Auftritt von Tang Wei, die leider eine zu eindimensionale Rolle besitzt, um nach Gefahr und Begierde und Late Autumn erneut ihr großes Talent zu zeigen.
Unterm Strich mag Wu Xia aufgrund der riesigen Erwartungen im Vorfeld durchaus als kleine Enttäuschung betrachtet werden. Dies jedoch nur, weil die Geschichte sich in der zweiten Hälfte als zu genretypisch entwickelt. Sieht man jedoch davon ab, bekommt man einen atmosphärisch dichten Martial Arts Film geliefert, den man sich auf der großen Leinwand sicherlich nicht entgehen lassen sollte.